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Wo sind die Schafe?
Wo sind die Schafe?
Cape Brett, Neuseeland
 
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Von den Tropen in die Antarktis – oder fast…. (mit dem Segelschiffchen von Tonga nach Neuseeland)

Von den Tropen in die Antarktis – oder fast…. (mit dem Segelschiffchen von Tonga nach Neuseeland)

27.11.2007 11:55:55 (View count: 1619)

Whangarei, 27.November, 2007

Wir lagen in der Lagune von Hunga, in der Inselgruppe von Vava’U, im Königreich Tonga vor Anker. Schnorcheln, in der Badehose lesen, Abendessen im Freien, bei Gaslampenlicht, Mückenspray. Wir warteten auf das Wetterfenster um Richtung Neuseeland abzulegen. Nicht so einfach. Nach einem Jahr Passatwind aus dem östlichen Sektor waren wir uns gewohnt vor dem Wind zu segeln. Von Tonga bis Neuseeland sind es ca. 1300 Seemeilen, vom 18. bis zum 35. südlichen Breitengrad. Ein anspruchsvoller Schlag von den Tropen in die Kälte. Der Wind kommt oft aus Südost während der ersten Hälfte, sobald man in die Einflussgebiete der Hochs, Tiefs, Rücken und Troge kommt wird es wechselhaft – die westlichen oder sogar südwestlichen Wind sind häufig – das würde für uns Wind auf die Nase bedeuten!

Wir legten am 21.Oktober 2007, Sonntagnachmittag, ab, obwohl uns der Neuseeländische Wetterfrosch geraten hat noch 2 Tage zuzuwarten. Wir wollten das gute Wetterfenster nutzen und nahmen deswegen den etwas stärkeren Wind aus Südost in Kauf. Dicht gerefft segelten wir hart am Wind Richtung Ha’apei und Tongatapu, das wir weit im Westen passierten. Der Wind hatte unterdessen auf Ost gedreht, später sogar auf Nordost, ein Raumwindkurs. Die Tonganische Inselgruppe ist vulkanischer Natur und immer wieder aktiv. Ab und zu ensteht wieder eine neue Insel, oder eine verschwindet. Es gibt sogar solche, die periodisch auf- und abtauchen. Dazu viele Untiefen und Riffe. Im Osten von Tonga verläuft der Tongagraben von Nord nach Süd, er ist mit rund 10'000 Metern, einer der tiefsten Meeresgräben.

Weitere 200 Seemeilen südwestlich liegen die Minerva Riffe – zwei Beinahe-Atolle die bei Ebbe freiliegen und bei Flut komplett vom Wasser verdeckt sind - vor dem Zeitalter der Satellitennavigation gefürchtet wie das Weihwasser vom Teufel. Viele Schiffe liefen auf Grund, unzählige Opfer haben die Riffe schon gefordert. Sie sind nach dem Walfängerschiff „Minerva“ benannt, das im Jahre 1829 von Sydney auslief um in Tonganischen Gewässer auf Walfang zu gehen. Das Riff wurde ihnen zum Verhängnis, ein Teil der Crew konnte sich mit Beibooten Richtung Fiji retten.

178 Jahre später passierte Segelschiff Meitli die Minerva Riffe im Lee (auf der windabgewandten Seite, im Westen). Die Sicht war schlecht, es regnete seit Stunden. Das Barometer fiel, ein tropisches Tief näherte sich aus Nordwesten, gegen Abend hatte der Wind auf gute 40 Knoten zugenommen und innerhalb von einer halben Stunde auf Südsüdost gedreht. Es goss wie aus Kübeln, eine wahre Sintflut; Regenwasser vermischt mit der Gischt der aufgepeitschten See. Alle Schotten waren dicht (sofern das Schiebeluk des Niedergangs geschlossen war, war es auch im Salon trocken...), zum ersten Mal seit dem Rhein-Rhone Kanal hatten wir die Gummistiefel an! Unsere Windfahne steuerte tadellos, die Nachtwache war auch ohne Rudergehen mehr als anstrengend. Eindrücklich, was so ein winzigkleines tropisches „Tiefchen“ für eine Power hat… Gegen morgen konnten wir sogar wieder etwas ausreffen – der Wind war unterdessen auf „angenehme“ 25-30 Knoten zurückgegangen. Im Verlaufe des folgenden Tages kletterte das Barometer wieder auf über 1020mbar. Der Einfluss des Hochdruckgebietes südlich von uns nahm Überhand.

Leider schaufeln die Hochs kalte Polarluft aus der Antarktis an, wir froren wie die Schlosshunde. Auf der zweiten Hälfte der Etappe kamen Wollsocken, Unterliibli und lange Hosen zum Dauereinsatz. Der Daunenschlafsack, viel Suppe, heissen Kaffee und Tee waren gefragt. Das Barometer kletterte weiter: 1030mbar, 2 Tage später auf über 1035! Das Hoch hatte sich mittlerweile verstärkt. Die Isobaren wurden nun zünftig zusammengedrückt (eine sogenannte „Squash-Zone“), das Luftdruckgefälle (der Gradient) nimmt zu. In der banalen Seglerpraxis heisst das steifer Wind– für uns also für 2 Tage „fröhliches“ hart am Wind Segeln mit wiederum 35 Knoten aus Südost.
Wir waren froh, als auf den letzten 50 Meilen, der Wind so schwach wurde, dass wir unser „Eisensegel“ anwerfen mussten – nach 9 Tagen hart am Wind, immer „auf dem Ohr“, mit Krängung, Wasser übers Vorschiff, ins Cockpit und ins Gesicht...  „Land in Sicht“ war wieder mal mit einem erhebenden Gefühl verbunden. Delphine und ein Patrouillenboot des Neuseeländischen Zoll begrüssten uns in der Bay of Islands: Ob wir Waffen oder Tiere an Bord hätten? Ein schöner Frühlingstag, es roch nach Blumenwiesen, Wäldern und Lammkoteletts. Wie lange es wohl geht, bis wieder der Sommer kommt?


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