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Manderinli stehlen...
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VavaU, Koenigreich Tonga
 
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Sangato Sosefo - Kultur und Mentalität im Königreich Tonga

Sangato Sosefo - Kultur und Mentalität im Königreich Tonga

17.10.2007 04:04:47 (View count: 1926)

Die Überfahrt Ende August von Bora Bora nach Vava’U, eine Inselgruppe im Königreich Tonga, verlief problemlos – ein gerissenes und unterwegs genähtes Vorsegel, dicke Fische an der Angel und zum Schluss zünftig Wind mit Ankunft in nasskaltem Wetter. Wir sind nun seit ca. eineinhalb Monaten in Tonga - wir erkunden die Inseln, Anker-, Bade- und Schnorchelplaetze. Dazwischen kommen wir immer wieder mal fuer ein oder zwei Tage nach Neiafu zurueck. Wir haben so manches erlebt...

Tongan Feast
Der polynesische Erdofen ist weitverbreitet. Von den Marquesas bis Neuseeland, in Tonga, Fiji, Samoa. Wir erlebten ein „Tongan Feast“ im Dorf Falevai. Der umtriebige Gastgeber organisiert es jeden Samstag für die Segelschiffe vor dem Dorf. Im Dorf hat es keine Strasse, nur Wiesen, auf dem die Buben Rugby spielen und die Schweine herumrennen.
Aus dem Erdofen (hier „umu“ genannt) gab es vielfältige Gerichte: Taro, Yams, Brotfrucht, Maniok. In Taroblätter eingewickelter Tintenfisch, Fisch, Muscheln und Corned Beaf (!). Corned Beef ist überhaupt ein typisches Tonganisches Gericht (wirklich). Es gibt Büchsen bis zu 5kg zu kaufen! Natürlich durfte auch das Spanferkel nicht fehlen und an allem eine sehr flüssige Kokosmilch Sauce. Schliesslich wurden noch alle Töchter, Nichten und Cousinen zum Tanz auf die Bühne geschickt – der Tanz eher verhalten und unmotiviert mit Musik aus dem Kasettenradio… Das Feast wurde mit viel lokalem Charme und typischer Mentalität präsentiert und es wird uns in lustiger Erinnerung bleiben.

Kirche am Sonntag
Tonganer haben ein lautes, wohlklingendes Stimmorgan. Hat man uns gesagt. Und wirklich: Der Besuch am Sonntagmorgen in der katholischen Kirche von Neiafu (St.Josef = Sangato Sosefo) hat den Beweis erbracht. Wir haben die Ohropax vergessen. Der Chor singt in der ganzen Kirche verteilt während mehr als der Hälfte der ganzen Messezeit. Unterstützt von den Kirchgängern. Der Pfarrer singt mit. Alle sind festlich herausgeputzt, die Kirche voll. Während der heiligen Kommunion wird Messwein gereicht, die Predigt verkürzt auch auf Englisch wiedergegeben. Der Messdienst (die Ministranten) wird von einer Familie mit Grossmutter und Kleinkindern bestritten. Eindrücklich ergreifend, der Gesang, der Duft, die Hitze, die Geräusche.

LeShop? Migros? Carrefour?
In Neiafu kommt einmal pro Woche eine oder zwei Fähren, es hat fast tägliche Flüge (die aber nicht so regelmässig fliegen…). Damit wird alles hergebracht: Corned Beef, Zucker, Mehl. Die lokale Bevölkerung braucht wenig des Imports und kann es sich auch nicht leisten. Sie leben von dem eigenen Garten: Papaya, Taro, Yams, Brotfrucht, Kokosnüsse. Manchmal gibt es Fisch oder Muscheln, für Feste wird ein Ferkel oder ein Huhn geschlachtet. Eier gibt es nicht immer, die einzige organisierte Eierauflesete ist eine kleine Hühnerfarm. Für die Palangis (die „Weissen“) werden Kartoffeln, Zwiebeln, Lammfleisch, Äpfel etc. aus Neuseeland importiert. Neben dem Markt, wo die Bauern lokal angebaute Früchte und Gemüse verkaufen gibt es 2 oder 3 Tonganische „Supermärkte“: Sortiment meist: Corned Beef, KitKat, Bremsflüssigkeit und Coca Cola. Daneben die Chinesen, die sie hier gar nicht mögen, mit schmutzigen lagerhallenähnlichen Shops in denen die Hühner herumrennen.
WC Papier wird als einzelne Rollen verkauft, Wattestäbchen im Dutzend, CD-Roms einzeln im Plastiksäcken, Zigaretten auch einzeln. Es ist das meiste für die Einheimischen, und auch für uns, viel zu teuer. Wir sind froh haben wir in Panama unser Boot mit Proviant gefüllt, müssen wir hier nur die frischen Sachen kaufen, die dafür aber sehr gut sind – abgesehen vom Neuseeländische Joghurt, das abgelaufen ist und nach Fisch riecht. Wie sie wohl das transportiert haben?

Tonganische Hitparade
Sie laufen überall: „I wanna Takitaki“, „ A ka ti lo h’ana“ oder wie sie heissen. Tonganische Hits, Samoanische Interpreten, die lokalen Schürzenjäger und das „Musikantenstadel“ aus Nukualofa. Meist ein englisch/polynesisches Text-Melangée mit traditionellen Instrumenten und „europäisch-amerikanischem“ Beat. Die Jungen wollen „Love-Songs“ hören, die tonganische Céline Dion. Es gibt Lieder da tanzen nur die Männer dazu an ihren „Kava-parties“ (Kava ist ein leicht berauschendes breiartiges traditionelles Getränk aus einer Wurzel – man kennt es auch in Fiji), es gibt Stücke zu denen die Frauen tanzen. Früher wurde live gespielt, mit Gitarre und Banjo, dann kam das Keybord und die Einmann Unterhaltung, heute ist der DJ angesagt. Wir suchen vergeblich nach einem Laden mit lokaler Musik, man schickt uns zur Radio Station („Tonga FM?“). Der freundliche Tontechniker erzählt uns die Historie der tonganischen privaten und königlichen Radiostationen, er ist mit Computer ausgerüstet und stellt uns eine Hitliste zusammen, die er für umgerechnet 6 Franken auf einen von uns mitgebrachten CD-Rohling brennt. Er erklärt uns was die Jungen hören wollen, was wann gespielt wird, den Hintergrund eines Rap-Songs, der die Ereignisse des Mini-Aufstandes im November 2006 verarbeitet. Wir geben ihm die Internet Adresse von DRS3, in der Hand die „latest Hits“…

Ministertreffen
Das Gipfeltreffen der Pazifikstaaten von Papua Neuguinea bis Australien, von Neuseeland bis zu den Cook-, den Marshall Inseln, Tovalu, Fiji, Mikronesien ist das Tonganische Grossereignis 2007. Neiafu wurde herausgeputz, alle Häuser neu gestrichen, Fähnchen überall, der halbe Hafen gesperrt, die Tonganische Navy patroulliert schon Tage im voraus. Die Schulkinder üben Lieder, die Marschmusik probt jeden Abend. Alle bereiten sich vor, auf die Parade. Auf der Insel „Nuku“ wird es ein Tongan Feast geben, der Strand wird geputzt, ein Sockel betoniert, 2 Palmen gefällt.
Am Tag des Einmarsches sind die Strassen mit Ballonen, Blumen, Palmwedeln geschmückt. Links und rechts stehen die Schulkinder in ihrer Festtagsuniform, mit Fähnchen. Leider haben die Minister Verspätung: so rennen die Kinder herum, essen Glacé, kämpfen, weinen, posieren für den Fotoapparat der „Palangis“ und das Neuseeländische Fernsehen (alle wollen sie drauf). Die Lehrer und Lehrerinnen mit umgewickelter Pandanus Matte (die Festtagskleidung“, Krawatte oder „Stögelischuhen“) sorgen dezent für Ordnung.
Schliesslich kommt der Konvoi: dicke Geländewagen Limousinen mit Standarten, begleitet von Polizei auf Motorrädern, Militär. Alle winken, singen. Für Neiafu und Vava’u ein schönes Erlebnis, die Chance sich zu präsentieren und ein Grund für ein zweitägiges Fest, ohne Schule und Arbeit!

Für uns geht die Zeit hier zu Ende, wir setzen Segel Richtung Neuseeland. Der einzige der unsren letzten Eindruck trübt, ist der Zöllner, bekannt unter Seglern als Schmiergeld-Empfänger und „Hobby Erpresser“; zusammen mit einem Norwegischen Boot bieten wir ihm paroli, sodass er erfinderisch werden muss, um nicht sein Gesicht zu verlieren...

 

 


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