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Martin beim Fisch ausnehmen im Cockpit von MEITLI
Martin beim Fisch ausnehmen im Cockpit von MEITLI
 
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Fischers Fritz und die Goldmakrele Megaman - Hochseeangeln im Atlantik und Pazifik

Fischers Fritz und die Goldmakrele Megaman - Hochseeangeln im Atlantik und Pazifik

13.09.2007 06:24:20 (View count: 2676)

Selbstgefangener Fisch ist eine willkommene Abwechslung für den Bordalltag und für die Bordküche. Ausserdem macht es Spass seine Nahrung selbst zu beschaffen.

Wir hatten keine Ahnung vom Angeln, bis wir mit MEITLI loslegten. Wir hatten bis anhin noch nicht mal einen lebenden Fisch in der Hand gehabt, geschweige denn einen getötet, wir hatten keinen blassen Dunst. Auf der Rhone, auf unserem Weg ans Mittelmeer, haben wir Olaf und Winnie aus Deutschland getroffen. Sie hatten ein schönes Motorboot, eine Grand Banks klassischer Art. Olaf hat viel gefischt im Mittelmeer mit der Schleppangel. Er hat uns erklärt mit welchen Ködern, wie lange Leinen man verwenden soll. Er hat uns sogar zwei Köder geschenkt: einen klassischen farbigen „Squid“-Köder (eine Tintenfisch-Imitation) und einen wunderschönen finnischen Rapale, ein sogenannter „Wobbler“, der durch die Strömung an der Schnur zappelt und dessen silberfarbene Oberfläche blinkt um die Fische zu locken.

Wir kauften im Supermarkt eine Rolle Nylonschnur, 12kg Reissfestigkeit. Wir wickelten 50m davon um ein Stück Holz als Haspel, einen Wirbelschäkel dran, damit sich die Leine nicht verdreht, den Köder ans Ende. Damit angelten wir im Mittelmeer und fingen einen einzigen Fisch: eine Mittelmeermakrele vor Gibraltar. Beim anlanden noch etwas nervös, den zappelnden Kerl mit der behandschuhten Hand am Schwanz gepackt, an Deck mit einem Kiemenschnitt erlöst. Wir waren stolz auf unseren Fang. Christa nahm in aus und filettierte den Fisch – Anleitung aus dem Lexikon der Meerestiere – im Cockpit. Er schmeckte uns vorzüglich. Schliesslich deckten wir uns mit mehr Köder ein.
So haben wir uns nach und nach gesteigert. Dickere Schnur gekauft, mehr Köder. Wir haben Köder selbst gebastelt aus Gummihandschuhen und glitzernden Pommes Chips Verpackungen. Viele Köder wurden uns abgebissen. Das lag dann meist an zu schwacher Schnur oder an einer Scheuerstelle. Schliesslich sind wir bei gewöhnlicher geflochtener brauner Nylonschnur gelandet mit ca. 100kg Reissfestigkeit. Da muss schon ein rechter Brocken ziehen, bis die reisst. Natürlich haben wir auch viele Fische verloren. Oft beim Einholen des Fisches, da kann er vom Haken entwischen, dann war sein Glückstag und er ist nochmals davon gekommen. Wir landen immer von Hand an, keine Gaff oder sonst was. Wir packen sie (behandschuht) am Schwanz. Bei den ganz Grossen führen wir eine Schlinge um den Schwanz, damit er nicht zappeln kann und weil Martins Arme zu kurz sind. Verloren gingen sie auch zusammen mit dem Köder, wenn sie zu stark waren. In der Karibik war einmal ein grosser Schwertfisch dran, die Leine hat sofort mit einem Knall gerissen und der Fisch ist wild ein paar Mal aus dem Wasser gesprungen – armer Fisch, schade um den Köder.

Im Atlantik vor den Kapverden haben wir jeden Tag eine Goldmakrele (auch „Dolphin Fish“ oder „Mahi Mahi“ genannt) an Land gezogen. Auch in der Karibik und im Pazifik hatten wir oft Mahi Mahi – wobei sie in der Gegend der Cook Inseln am grössten waren. Da haben sie auch im Stundentakt gebissen. Und wir haben 2 von 3 verloren, weil sie so gekämpft hatten. Die waren alle über einen Meter Lang. Der „Unglückliche“ war 1.23m und hat auch sehr tapfer gekämpft. Einmal ist einer wie ein U-Boot parallel zu Meitli geschwommen und hat uns fast die Windfahne abgerissen, unglaubliche Kräfte. Goldmakrelen haben sehr gutes weisses Fleisch. Wir haben sie als Sashimi roh, im Curry, im Mehl gebraten, im Ofen mit Gemüse und auf viele andere Arten genossen. Einmal haben wir sie Luftgetrocknet und während 2 Wochen davon gegessen – herrlich mit Butter auf dem Brot. Natürlich gehört Wasabi und Sojasauce in die Bordküche! Wenn wir einen Fisch fangen, wird nicht mehr gefischt, bis er aufgegessen ist.

Thunfische, von kleineren Bluefin Thunas bis zu einem 7kg Bonito Brocken hatten wir in der Karibik und im Pazifik an der Angel. Sie kämpfen wenig, haben rotes dunkles Fleisch und sind gut im Poisson Cru Salat oder kurz gebraten, innen noch rot, besser als jedes Rindsfilet.

Wahoo gab’s um Galapagos rum, einen Schwertfisch kurz vor den Marquesas Inseln. Barracudas hatten wir einige an der Angel in der Karibik – wegen Gefahr von Ciguaterra haben wir sie aber alle wieder in die Freiheit entlassen.

 

Es gab Tage, da haben wir 5 Köder verloren – da müssen Riesendinger gebissen haben, oder, wie einmal vor Ua Pou auf den Marquesas, ein Hai, der den Fisch an der Angel weggefressen hat. Nur noch der Kopf der Königsmakrele hing daran. Der war aber alleine so gross, dass das Fleisch für 2 Boote zum Nachtessen gereicht hat.

Natürlich merken auch Wasservögel, dass da was im Wasser zappelt. Sie umkreisen oft mehrmals den Köder, bis sie merken, dass es eine Attrappe ist oder sie danach tauchen. Gebissen hat noch keiner… In den British Virgin Islands hat sich mal ein Pelikan in der Angelschnur verfangen, wir konnten ihn aber befreien!

In Französisch Polynesien wurden wir auch oft mit Fisch beschenkt. In den Tuamotus mit Thunfischen und einmal mit zwei Doktorfischen. Martin hat sich beim Filettieren schmerzhaft an den Skalpellen eines dieser Fische verletzt. Sogar im touristischen Bora Bora haben wir einen frisch gefangenen Bonito geschenkt gekriegt.

Wenn mal kein Fisch beisst gibt’s Vegetarisch oder in extremis: Würstchen aus der Dose…

 


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