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"Schöner Wohnen" in Garuamoa
Raroia, Tuamotus
 
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Phantastische Geschichten aus den Tuamotus

Phantastische Geschichten aus den Tuamotus

26.07.2007 18:31:11 (View count: 1835)

Das Segelreisli von MEITLI führte uns nach den Marquesas Inseln in die Tuamotus, die gefährlichen Atolle. Von Nuku Hiva aus erreichten wir nach 4 Tagen und 450 Seemeilen das Atoll Raroia, es fogte Tahanea, Fakarava und Toau. Im Ganzen verbrachten wir 3 Wochen in den Tuamotus. Die Atolle sind riesig: Lagunen, die meist mehr als 15 Seemeilen im Durchmesser sind, umgeben von einem Korallenriff, einigen flachen Koralleninseln auf denen als höchste Erhebung meist Kokospalmen stehen. Oft hat es auf der grössten Insel eines Atolls ein Dorf mit einigen Dutzend Einwohnern, aber nicht immer. Man fährt durch Lücken im Riff in die Lagune – ein sogenannter Pass – die Strömung ist oft sehr stark, manchmal bis zu 10 Knoten, je nach Stand der Tide, und zusammen mit dem Schwell des offenen Meeres brodelt’s gelegentlich wie im Hexenkessel. Die Lagune wird von der Flut gefüllt, bei Ebbe entleert. Im Atoll kann man sich mit dem Schiff meist frei bewegen, solange man bei guter Sicht unterwegs ist. Die Atolle sind mit Korallenstöcken und kleinen Riffen gespickt.

Die Fischer von Raroia

Nach der Einfahrt durch den engen, gefährlichen Pass erreichten wir das Dorf Garumaoa. Wir ankerten in 15-20m tiefem Wasser. Gleich darauf gingen wir per Beiboot an Land. Schon am kleinen, von Korallen umgebenen Quai wurden wir von ein paar Einheimischen begrüsst, man zeigte uns die Kopra-Scheune. Auf der Dorfstrasse aus Korallensand spielte man Pétanque – c’est la France. Sauber gepützelte Wege, einfache Häuser mit Solarpaneelen und Wassersammeltanks zwischen Kokospalmen. Laris und Tonino bauten gerade ihr neues Zuhause und luden uns zum Bier ein. Sie erzählten vom Dorf, von der Perlenzucht, von Ihrer Arbeit als Fischer und fragten uns nach dem woher und wohin. Ihre zwei Kollegen, Fiu und Tom wohnen nebenan. Sie hatten eine grosse Kokoskrabbe an der Leine vor der Hütte – ein riesiger Kerl, der könne Kokosnüsse öffnen und mit seinen dicken Scheren Finger abzwacken, erklären sie mit grossen Augen.
Die nächsten drei Tage verbrachten wir mehrheitlich auf dem Schiff – der Südostpassat blies mit meist mehr als 20 Knoten und wir waren in schlechter Position, mit dem Heck zum Riff. Wir brachten unseren zweiten Anker aus, mit Kettenvorlauf und starker Leine. Die Korallen auf dem Grund scheuerten diese jedoch in weniger als 2 Stunden durch, sodass wir ihn bergen mussten und nochmals ausbrachten. Auch der Anker von „Bauvier“, die mit uns zusammen vor Anker lag ging verloren. Wir mussten sogar nach dem Anker tauchen – ein drittes Boot, die Schweizer Yacht „Volpaia“ hatte Tauchausrüstung dabei.
Schliesslich kamen die schwachen Winde, die Lagune verwandelte sich in einen ruhigen „See“. Wir hatten wieder Probleme mit dem Alternator und dem Laderegler, zwei Tage kümmerten wir uns darum, bis eine Lösung gefunden war. Dann gingen wir endlich schnorcheln, Muscheln sammeln und Kokosnüsse aufmachen.
Die Fischer besuchten wir noch ein paar mal, Bart von „Bauvier“ brannte ihnen Musik-CD’s – er hatte eine Sammlung von 5000 Songs als mp3-Dateien. Am Vorabend der Abreise luden sie die Familie von Bauvier und Ingrid und Frank vom norwegischen Schiff „Menja“ und uns (die Crews der drei Boote vor Anker) zum Abendessen ein. Sie gingen schon am morgen Harpunenfischen, raspelten Kokosnüsse, machten „poisson cru“, Austernsalat und Fischcurry. Sie arrangierten für uns einen wunderschönen Abend mit allen Köstlichkeiten die sie zu bieten hatten. Schliesslich wurden die Damen – Dorothy von Bauvier, Ingrid von  Menja und Christa mit schwarzen Perlen beschenkt. Die Freude war bei den Beschenkten und den Schenkenden riesig. Die vier Freunde genossen die Gesellschaft offensichtlich.
Beim Anker aufgehen am morgen waren sie auf „standby“, falls sich die Kette in den Korallen verfängt – wir schenkten ihnen unsere alte Schweizerflagge und ein Sackmesser. Sie begleiteten uns mit ihrem gelben Speedboot durch den Pass, aufs Meer hinaus – lachten und winkten wie die Buben.

Die Einsiedler von Tahanea

Nach einem Nachtschlag zwischen den Atollen hindurch – man lernt Satellitennavigation erst jetzt so richtig schätzen, „cheibegföörli“ – erreichten wir am Nachmittag Tahanea. Ein Atoll ohne Einwohner.
Der schönste Strand? Das klarste Wasser? Muscheln nicht nur suchen, sondern auch finden? Dagegen erschein alles ein Witz, was die Reisebranche erzählt. Es gibt Inseln, wo keiner ist, und kein (noch?) Flugzeug hinkommt. Glaubt uns: Ihr könnt ALLE Reiseprospekte fortwerfen, dahin ist noch kein Hochglanzfotograf von Hotelplan gekommen.
Um unser Schiff herum hatten wir immer Fische, violette Doktorfische, dünne hellblaue Degenfischchen und etwa sieben Schwarzspitzenhaie. Per „Zodiak“, wie die Polynesier zu allen Gummibötchen sagen, erkundeten wir die Inseln, seichte Lagunen, wo kleinste Haie schwammen – die Geburtsabteilung des Stillen Ozeans. Wir kletterten auf Palmen, um die noch grünen Kokosnüsse zu pflücken, zum trinken, die runtergefallenen, reifen, öffneten wir mit der kolumbianischen Machete, die wir auf Hiva Oa gekauft hatten (Globalisierung). Wir bewunderten den Sonneuntergang am einsamen Strand. Doch wir waren NICHT alleine… Geraschel im Gebüsch, Spuren im Sand. Ein leeres Schneckenhaus bewegte sich… leer? Ein Einsiedlerkrebs bespitzelte uns… einer? Zwei, drei, dutzende, hunderte… Eine richtige Krabbenautobahn. Spuren ihrer „Kettenantriebe“ im Sand. Unter Steinen hockten sie im Dutzend – von wegen Einsiedler! Die scheuen Mädchen versteckten sich im Häuschen, die frechen Burschen klammerten sich am Korallengestein fest. Zwei kämpften um ein Stück fauler Kokosnuss.
Die Unterwasserwelt in der Lagune: das Wasser lichtdurchflutet, glasklar, man fühlt sich wie im Aquarium. Alles schön arrangiert, gebüschelt. Ab und zu schwimmt ein Hai vorbei – guckt neugierig auf die Wesen mit Gummifüssen, Riesenaugen und Röhren im Maul. Eine Muräne streckt den Kopf unter dem Korallenstock hervor, die kleinen hellblauen Fischchen verstecken sich im Geäst einer Koralle. Im Pass: Ein Bett aus Korallen wie ein riesiger Garten, starke Strömung, tausende von Fischen – das Nadelöhr des Atolls. Schwarzspitzen, Weissflossen und Grauhaie die ein- und ausgehen. Das muss man gesehen haben.
Am 14.Juillet wurde selbstverständlich gefeiert und die Marsaillaise gesungen, den Fisch erhielten wir von einer polynesischen Familie geschenkt, die hierher auf Urlaub gekommen ist. Sie sind eben per Speedboot vom Nachbaratoll gekommen und hatten Kind und Kegel dabei. -> Also DOCH eine Feriendestination!

Tausendundein Hai in Fakarava

Da wir inzwischen zwei angefressene Taucher sind, wollten wir uns natürlich die Gelegenheit, ein oder zwei Tauchgänge in einem der Pässe zu machen, nicht entgehen lassen. Dazu mussten wir wohl oder übel auf ein Atoll, das touristisch etwas entwickelt ist. Fakarava ist ausserdem ein UNESCO Biosphärenreservat. Nach einem Nachtschlag von 50 Seemeilen fuhren wir durch den Südpass bei Tetamanu ein. Ein verworrener Pass mit wenig Wasser unter dem Kiel. Martin konnte vom Ausguck auf dem Bugkorb die Korallen fast berühren.
Wir verbrachten den Tag mit Muscheln suchen – Christas Favorit – und mit Drift-Schnorcheln – Martins Favorit. Unsere Muschelsammlung beinhaltet jetzt alles, was man sich an Formen, Farben, Grössen und Degradierungsgraden vorstellen kann. Sogar den einen oder anderen Einsiedlerkrebs hatten wir uns versehentlich an Bord geschleppt. Auch in den Muscheln aus Raroia war immer noch einer – wir nannten ihn Willy. Leider vergassen wir immer ihn wieder in die Freiheit zu entlassen. Wir gaben ihm zu essen (gedörrte Zwetschge…) aber er schaffte es nicht. Das Seebegräbnis war standesgemäss.
Vom Schnorcheln im Pass konnten wir nicht genug kriegen. Am Nachmittag wenn die Strömung nach innen ging, setzten wir uns ins „Zodiac“, motorten durch den Pass auf die Aussenseite. Mit Flossen, Brille und Schorchel, das Dinghi im Schlepptau  liessen wir uns in die Lagune spülen. Fast wie in der Reuss. Unter uns ein Bett aus Korallen, dutzende Grauhaie, die in der Strömung standen, Adlerrochenschulen… atemberaubend – man kann es nicht beschreiben. Es macht süchtig!
Wir verbrachten 2 Nächte in Tetamanu, bevor wir zum Nordpass verlegten – 30 Seemeilen quer durch die Lagune in einem betonnten (!) Fahrwasser. Vor dem Dorf Rotoava gingen wir vor Anker, hier wollten wir unseren Tauchgang organisieren. Wir hatten Glück, schon am nächsten Tag konnte es losgehen. Der Driftdive im viel breiteren Pass Garuae (der grösste Pass aller Tuamotu Atolle) ein fantastisches Erlebnis. Fische bis zum Abwinken. Wie im Traum vom Fliegen: durch Täler, Schluchten, über Berge, beäugt von 1001 Haien, Rochen, Thunfischen, Papageienfischen, Doktorfischen, Barschen, Trompetenfischen, Knurrhähnen, Steinfischen, Muscheln (Augen?), Seespinnen, Dornenkronenseesternen, Garnelen mit dänischen Namen, Grunzerfischen, Jakobsfischen, … Zum Znacht luden wir uns gegenseitig ein, auswärts, in einem Festbeizli der quatorzejuillet-Feiern. Zum „assiette pacifique“ mit Sashimi, poisson cru und Thunfischcarpaccio!

„family business“ in Toau

Unsere letzten 2 Tage in den Tuamotus verbrachten wir in der „Anse Amyot“ auf Toau. Ein „Pseudo-Pass“ im Norden des Atolls. Man kann nur in den Pass, nicht aber in die Lagune, der Korallengürtel hat keinen vollständigen Durchbruch. An der Anse lebt eine Familie. Wir waren die einzige Yacht und wurden gleich in Beschlag genommen. Zu acht kamen sie uns im Boot entgegen führten uns an eine Boje, wo wir festmachen konnten.
Beim Besuch in ihrem „Dorf“ erzählten sie uns von ihren Geschäften. Sie haben die Bojen ausgelegt, damit die Yachten nicht ankern müssen (500 CFP, ca. 5 Dollar). Ihr eigenes „Esssaal“-Haus, im Zentrum der Hüttengruppe, dient als Restaurant; sie fischen und kochen für die Yachten in der Bucht (2600 CFP p. P.). Sie betreiben in der Lagune eine kleine Perlenzucht, ausserdem leben sie von den Fischen die sie fangen, den Meeresfrüchten und was die Kokospalmen hergeben. Ein kleines Versorgungsschiff kommt einmal im Monat vorbei. Der Chef des Clans ist „Valentine“, eine rundliche umtriebige Matronin, die auch Englisch spricht, sie organisiert sogar die Messe in der familieneigenen Kirche! Ihr Mann (Gaston) ist für Fischfang, Gartenarbeit und alles technische zuständig.
Sie wollten für uns sogleich eine Party organisieren, fragten auch ob noch weitere Boote kommen, damit es sich lohnt. Sie wollten, dass wir uns auf ihr „Motu“ (Inselchen im Atoll) begleiten, wo sie morgen hinfahren um es zu reinigen – da drauf entstehe Ihr neues „Labor“ für die Perlenzucht. Wir könnten ihnen da helfen (für 10 Liter Benzin…). Sie zeigten uns eine grosse Kokoskrabbe, Ihr Haus und schenkten uns einen frisch gefangenen Thunfisch. Wir waren übermannt, wir wurden richtig in Beschlag genommen. Wir verabschiedeten uns, um am nächsten morgen mit ihnen zu besprechen, wie unser Wunschprogramm aussehe. Sie hatten heute abend Kirche.
Die „Rettung“ kam am morgen früh in Form zweier eintreffender Yachten. Sie hatten geplant etwa eine Woche hier zu bleiben um das ganze „Programm“ zu machen. Valentine kam zu uns (es war Samstag) und fragte uns, ob wir die Party etc. verschieben könnten, da Ihre Familie heute ein Ruhetag brauche, weil nächste Woche gehe es los mit dem „Yachttourismus“...!
Das Blatt hat sich gewendet. Wir waren erleichtert, dass WIR nicht absagen mussten, es wäre einfach zuviel gewesen…. Schliesslich tauschten wir Olivenöl, Nescafé und Limonen gegen weiteren Fisch, eine schöne schwarze Perle und zwei geschliffene Stücke Haiknochen für ein Halsband.

 


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