Segeln ueber den Pazifik - Logbuch von 3000 Seemeilen
27.06.2007 01:06:26 (View count: 1578)
Transpazifik – Logbuch
Montag, 21.5.2007: Anker auf Bucht von Villamil, Isabela, Galapagos, Ecuador um 12:30h Lokalzeit. Am Sonntag noch zu Pferd auf den Vulkan, blöde Idee, Kleider stinken. Mit uns die belgische Yacht Bauvier, Familie mit zwei Kinder, die uns gefragt haben, ob sie mit uns segeln dürften. Der Schlag ist so gross, der Pazifik so riesig. Wir hatten nichts dagegen, dachten jedoch, dass ihnen die Geduld bald ausgehen würde, Ihr Boot war 2 Meter länger, also auch einiges schneller.
Dienstag, 22.5.2007, 1.Tag, 01°37’S - 092°33’W, Wind SE 3, Etmal 107sm
Wenig Wind aus SE, Schwell aus Süd. Erste 5 Stunden unter Motor um von Küste wegzukommen. Dann ruhiges Segeln direkter Kurs Marquesas (Hiva Oa). Jetzt auf SW-Kurs gewechselt weil im S mehr Wind erhofft. Gestern 2 Fische an Angel - beide verloren! Einer davon ein riesiger Wahoo, hat gekämpft und gegen Martin gewonnen. Viele Fischerboote - Ecuadorianische Küstenwache kontrolliert nachts alle Schiffe. Galapagos begehrt zum (illegal) Fischen...
Mittwoch, 23.5.2007, 2.Tag, 02°25’S - 094°34’W, Wind SSE 3-4, Etmal 128sm
Wir kommen gut voran, momentan mit > 7kn über Grund - der Südäquatorialstrom hilft mit 1-2 Knoten. Das Wetter brilliant - es wir wieder etwas wärmer. Seit dem Humboldtstrom Temperatur immer noch kühl in der Nacht. In der Nacht schöner Sternenhimmel - Kugelsternhaufen Omega Centauri von blossem Auge erkennbar. Heute morgen kleinen Tintenfisch auf Deck gefunden, ist wohl vor MEITLI oder einem Räuber geflohen und dabei ums Leben gekommen. Heute morgen auch einen Wahoo gefangen - gerade rechte Grösse für drei. Segelyacht Bauvier immer noch mit uns, seit sie Schleppgenerator draussen, sind wir etwa gleich schnell. Bart von Bauvier relayed für Kurzwellenfunk-Netz Positionen und Windberichte. Martins Zahn tut weh, Nachwehen von Wurzelbehandlung?
Donnerstag, 24.5.2007, 3.Tag, 02°56’S – 096°58’ W, Wind SSE 3, Etmal 147sm
Noch immer tolles Segelwetter: nicht allzuviel Wind (4 - 5 Knoten Fahrt durchs Wasser), dafür aber auch wenig Seegang und vor allem noch immer Strom, der uns zwischen 1.5 und 2 Knoten über Grund in Richtung Marquesas trägt - prächtig! Haben in den letzten 24 h fast 150 sm gemacht, und das ohne grosses Geschaukel und ohne grosse Anstrengung.
Gestern abend bei nahezu idealen Lichtverhältnissen Fotosession mit unserem "Gspändli" Segelyacht Bauvier gemacht. Danach wiederum wunderbarer Sternenhimmel. Martin und Lisbeth (Windpilot) haben vor lauter staunen dreimal gehalst (ungefährlich, da Bullenstander aber mit viel Segelschlagen und sehr zur Freude der Freiwache). Ekrutts Sterne Kompass ist zur Zeit der Renner und auch Bauvier kriegt seit gestern zum Auftakt der Nachtwache eine Lektion in Sternen, Planeten, Galaxien. Heute grosses Koederbasteln mit Glitzerpapier und Gummihandschuhen. Nur noch knapp 2530 sm bis Hiva Oa!
Freitag 25.5.2007, 4.Tag, 03°43’S – 098°51’W, Wind SE 2-3, Etmal 120sm
Seit gestern Abend weniger Wind, mehr Seegang. Wellen lassen Schiff schaukeln, Segel schlagen, müssen auf Halbwindkurs ganze Nacht, dadurch ca. 30 Seemeilen zu weit südlich gegenüber korrektem Kurs. Was macht das schon bei fast 3000 Seemeilen total? Strom hat abgenommen, nur noch ca. 0.5kn. Heute morgen von Kollege Bart auf Bauvier Funk-Netz News gekriegt: AC-Milan Championsleague Sieger...Positionsberichte, inkl. Wetterdaten von 12 weiteren Schiffen unterwegs erhalten. Seit 12:00h mittags Parasailor gesetzt, MEITLI jetzt sehr stabil, schnell und flexibel. Können alle Kurse zwischen West und Südwest so bewältigen.Abends Jupiter, Saturn und Venus am Himmel. Mit grosser Sternkarte von Hallwag auf Nachtwache.Heute zum Zmittag Zatziki mit selbstgemachtem Joghurt und Fladenbrot made in Ecuador. Martin nimmt Schmerzmittel und entzündungshemmendes Medikament gegen Zahnweh
Samstag, 26.5.2007, 5.Tag, 04°04’S - 100°31’W, Wind SE 2-3, Etmal 103sm
Seit gestern abend ist die Wassertemperatur von 21Grad auf 24Grad gestiegen! Der kalte Humboldtstrom wird jetzt definitiv zum wärmeren Südäquatorialstrom und auch deutlich schwächer.Im Schiff ist es ebenfalls bedeutend wärmer, ein Wunder, dass Christa da noch so eine feine Pizza und eine Apfelwähe gebacken hat! Bald ist auch das letzte Brot verbraucht - wir freuen uns auf den Sonntagszopf! Leider ist auch der Wind etwas eingeschlafen, mussten über Nacht den Parasailor wieder runternehmen, er hing nur noch wie ein Lappen am Fall. Unser Etmal dementsprechend klein, aber doch beachtlich. Hatten während ein paar Stunden motort. Diesevorrat würde für 750 Seemeilen reichen, wollen aber bis Tahiti nicht mehr tanken.... ob uns das gelingt? Heute morgen den Parasailor wieder gesetzt, hoffen etwas mehr Wind im Verlaufe des Tages zu kriegen. Christa liest "Kite Runner" von Khaled Hosseini, Bernd "Reisen im Licht der
Sterne" von Alex Capus, Martin "Die Insel des vorigen Tages" von Umberto Eco. Die Sonne brennt, kaum Wolken am Himmel.
Sonntag, 27.5.2007, 6.Tag, 04°37’S – 102°26’W, Wind SE/ESE 2/3-4, Etmal 118sm
Wir sind wieder ein Stückchen weiter! Gestern Nachmittag eine Art Thunfisch am Heck geschwommen während Stunden - erinnert an Kon-Tiki. Martin versuchte ihn zu fischen mit allen erdenklichen Ködern. Der Fisch aber war schlauer. In der Nacht dann mehr Wind und Besuch von Möwen die dauernd Laute von sich gaben. Einmal ein wenig Regen aber keine Squalls. Wind hat heute morgen auf Ost gedreht, 10-12knoten, MEITLI macht ca. 5.5kn Fahrt. Morgens um 5h kleine Magellansche Wolke entdeckt, GMW noch nicht sichtbar.Heute morgen eine Möwe auf Deck. Sie musste sich wohl ausruhen oder einfach mal aufs "Hüsli". Dementsprechend hat schönes Teak nachher ausgeschaut. Sie war sehr zutraulich und liess uns aus 1m Fotos von Ihr machen. Leider kein Zopf heute, da noch Brot, aber vielleicht später...Eben gerade Funkkontakt mit riesigem Fischerboot ("Fischfabrik"), Ecuadorianische Flagge, Spanischer Kapitän. Gehen auf Thunfischfang nördlich der Marquesas Inseln. Ein Weg 12-14 Tag, Im gesamten für 40 Tage unterwegs. Fisch wird auf Schiff eingefroren.27.5.07:, noch 2180 Seemeilen vor uns.
Montag 28.5.2007, 7.Tag, 05°10’S, - 104°54’W, Wind ESE 3-5, Etmal 151sm
Wind hat endlich zugenommen, über Nacht um die 17-18kn aus ESE. Hatten Parasailor ganze Nacht oben - dementsprechend gut vorwärts gekommen. Seit heute Mittag mit ausgebaumter Genua - etwas defensiver.Gestern nachmittag grossen Wal gesehen, zuerst an unserem Heck, dann recht nah bei Bauvier, die konnten sogar noch Fotos schiessen. Riesiger dunkler Rücken - wahrscheinlich Pottwal. Riesige Schwärme fliegender Fische - tausende, ab und zu Besuch von Seevögeln. Zum Znacht gestern Zwiebelwähe, heute zum Zmittag Käse, Salami, Oliven, Wassermelone und Schwarzbrot. Gestern abend wieder Sterne beobachtet und Sternbilder gesucht - per Funk zusammen mit den Kindern auf Bauvier (Tibeau und Olivier, 10 und 8 Jahre alt).
Dienstag, 29.5.2007, 8.Tag, 05°37’S – 107°03’W, Wind ESE/E 3-4, Etmal: 132sm
Heute sind wir "tifig" unterwegs. Haben seit dem Vormittag zwei Segel auf gegenüberliegenden Seiten ausgebaumt, d.h. MEITLI hat so zusagen zwei Flügel wie ein Schmetterling. Der Wind kommt im Moment nämlich genau von hinten und ist etwas zu launisch und zeitweise ein wenig zu stark um mit dem Parasailor gesegelt zu werden, den kann man nicht reffen. Seegang gestern und heute ziemlich rollig, kochen erfordert einiges an Ausdauer und positivem Denken mit gelegentlich unchristlichen Bemerkungen. Ansonsten sind wir alle fit und auch Bauvier (Hallberg Rassy 46) ist die Geduld noch nicht ausgegangen. Damit sie nicht zu schnell sind drehen sie inzwischen für die Mahlzeiten bei, d.h. sie halten unter Segeln an. Solche Sorgen hätten wir auch mal gern! Dafür ist bei Ihnen der Gefrierschrank (!) ausgefallen und sie müssen die ganze Woche Fleisch essen, was sie Martin natürlich jeden Tag unter die Nase reiben. Inzwischen ist noch eine zweite belgische Yacht am Horizont aufgetaucht, die WAKALELE. Mit ihren 57 Fuss (MEITLI ist 41 Fuss) wird das aber wohl ein kurzes Gastspiel. Gestern gabs Gschwellti mit Salat (letzte Gurke) zum Znacht und heute mittag
Hördöpfelsalat mit Wienerli (die ersten, die man einigermassen essen konnte
seit Las Palmas).
Mittwoch, 30.5.2007, 9.Tag, 05°54’S – 109°07’W, Wind E 3-4, Etmal 124sm
Hatten ruhige Nacht, Windfahne Lisbeth hat schön brav durchgesteuert. Gegen morgen etwas Regen - drei fliegende Fische auf Deck. Jeden Tag ein bis zwei davon, ab und zu kleiner Tintenfisch - die Tinte ist dann auf Deck, am Aufbau und sogar an den Dieselkanistern. Lässt sich mit Seifenwasser problemlos reinigen. Gestern 3 Köder abgerissen worden! (80 Pfund-Leine aus Panama) Müssen rechte Brocken sein, die da rumschwimmen. Heute morgen schliesslich Anglerglück. Eine Goldmakrele (Mahi Mahi) - die reicht für Mittagessen und Abendessen. Segeln wieder Schmetterling und machen ca. 5.5 Knoten über Grund mit Kurs
ca. 260-270°.
Donnerstag, 31.5.2007, 10.Tag, 05°54’S – 111°33’W, Wind E/SE 3-4/6, Etmal 148sm
Fisch von gestern war lecker. Zum Zmittag roh im Couscous Salat mit Avocado. Zum Znacht mariniert, sizilianische Art mit Weisswein, Olivenöl und Zwiebeln.Heute morgen wieder einer an der Angel, etwa selbe Grösse - heut nach Müllerinnenart geplant. Über Nacht Richtung Westen gesegelt, weil Kurs sehr günstig für die Segel und Windfahne. Werden wieder mehr südlich halten wenn Wind auch Ost dreht. WAKALELE ist wieder weg, sind heut morgen schon über 30 Seemeilen weiter gewesen - Allerdings ist ihr Spi-Baum runtergekommen, weil der Topnant vom Schamfilen gerissen ist. Keine weiteren Schäden. Bei Bauvier heute morgen auch was kaputt: Umlenkblock der Grossschot Talje ist gebrochen, auch nicht weiter ernstes, hatten sogar Ersatzblock dabei. Rigg, Segel und Schiff immer belastet von Seegang und Wind. Heute morgen von zwei grösseren Squalls erwischt - Wind bis 30Knoten, einmal viel Regen, noch vor Christas Frühstück, aber sie nimmt’s mit Humor.
Freitag, 1.6.2007, 11.Tag, 06°03’S – 114°18W, Wind SE 3-6 ,Etmal 163sm
Seit heut morgen früh vorbei mit Wolken und den ständig wechselnden Windstärken. Wir haben wunderschönen blauen Himmel mit nur kleinen, kraftlosen Wölkchen und kräftigem, konstantem Wind von rund 20 kn. Zudem haben wir wieder etwas mehr Strömung und machen seit heute morgen 6.5 - 7 kn Fahrt über Grund -> Marquesas, wir kommen!! Dank Vollmond ganze Nacht über bis zum Sonnenaufgang hell und der Mond hat sich letzte Nacht so stark im Meer gespiegelt, dass wir kaum die Navigationslichter der Bauvier vor uns erkennen konnten.
Fisch gestern abend war hervorragend und auch Polenta, trotz "Proteinen". Heute gab’s frischen Fruchtsalat zum Znüni (Grapefruit, Orangen, Passionsfrucht), Schinken-/Käsesandwiches zum Mittagessen und zum Dessert eine Kokosnuss: schliesslich sind wir ja auf dem "Coconut-Milk-Run", wie die klassische Route durch den Südpazifik häufig genannt wird. Streckenrekord im Pazifik, bis Marquesas: 1473 sm -> fast halbe Strecke zurückgelegt, heut nachmittag feiern wir Bergfest, aber zuerst müssen wir noch zwei Leinen austauschen, die stark angescheuert sind.
Samstag 2.6.2007, 12.Tag, 06°55’S – 116°43’W, Wind ESE 5, Etmal 153sm
Nach dem Rekord Etmal von gestern haben wir ein bisschen abgebremst... Dafür "Bergfest" mit Panama Bier, jetzt weniger Meilen vor als hinter uns.Wetter prächtig, Meer blau. Gestern kein Fisch an der Angel, deshalb Farfalle mit Tomatensauce. Nachtwache ohne Regen und Squalls. Christa heute in Backstube beschäftigt. Zopf und Schoggikuchen, was will man
mehr?
Sonntag 3.6.2007, 13.Tag, 06°53’S – 119°04’W, Wind ESE 3-5, Etmal 141sm
Sind immer noch unterwegs. Das Wasser ist blau und endlos. Der Pazifik bedeckt fast ein Drittel der Erdoberfläche. Oder anders gesagt, er hat dieselbe Fläche wie die der gesamten Landmasse der Erde, oder wie die der restlichen Meere der Welt. Natürlich sind es von Galapagos nach Marquesas nur knapp 3000 Seemeilen, dann sind wir immer noch im Ostpazifik, bei ca. 140 Grad West. Bei 150 Grad West liegt Tahiti, Tonga bei fast 180 Grad und Neukaledonien bei ca 165 Grad Ost. Also liegt noch eine ganz schöne Strecke vor uns...
Gestern Abend wieder Fisch - Goldmakrele. Bernd übte sich im filletieren - Resultat prächtig, Weg zäh. Zum Znacht also Filetstückchen mit Rührgebratenem Asien Gemüse und Reis. Heute Fischfiletröllchen mit Mangold auf dem Menuplan.
Montag 4.6.2007, 14.Tag, 07°10’S, 121°19’W, Wind ESE 3-5, Etmal 135sm
Wind konstant aus ESE. Tagsüber volle Tücher oben als Schmetterling - handgesteuert. Nachts mit ausgebaumter Genua, Windfahne steuert, aber dadurch ca. 1kn weniger Fahrt. Gestern abend holländisches Schiff META in UKW-Funkbereich, ca. 18sm entfernt. Mary Constance (AUS) ca. 60sm hinter uns, Blackwattle (AUS) ca. 90sm hinter uns. Windprognose für nächste 3 Tage dieselben wie für gestern und heute. Martin hat gestern die Fischröllchen gemacht mit Kartoffelstock aus Idaho. Christa hat heut schon Vollkornbrot gebacken. Bernd muss dafür abwaschen und steuern... Werden heute Uhr wieder 1 h zurückstellen - i.e. MEZ minus 10h.
Dienstag 5.6. 2007, 15.Tag, 07°26’S – 123°53’W, Wind ESE/ENE 4-5/2-3, Etmal: 153 sm
Nach Rauschefahrt durch die Nacht hat heute morgen Wind massiv abgenommen. Gemäss Wetterbericht sollte am Nachmittag aber wieder mehr Wind kommen. Haben wegen langsamer Fahrt heute Rapale rausgehängt (Fischköder: kleine blau-schimmernde Makrele mit silbrigem Plättchen, sonst haben wir immer Squid-Imitationen draussen). Gestern zum Nachtessen Spaghetti Carbonara. Nachts zwei drei Regenwolken mit Böen, ansonsten nicht viel neues. Bauvier hat gestern beim Beidrehen die Leine ihres Schleppgenerators um das Ruder gewickelt, konnte es aber nach einem kurzen, heftigen Adrenalinschub wieder ohne Tauchen entwirren. Tauchen wäre übel gewesen, da gestern ziemlich starker Seegang.
Mittwoch, 6.6.2007, 16.Tag, 07°43’S – 125°43’W, Wind ENE 2-3, Etmal 110sm
Nach einem Tag mit wenig Wind und kurzem Besuch von Delfinen, folgte eine Nacht mit wenig Wind. Aufgepeppt mit 2,3 fetten Squalls, die jeweils ca. eine Stunde angedauert haben. Wind nicht sehr stark aber geschüttet hat's. Ausserdem zwei Schiffe gesehen, die aber auf Funk keine Antwort gaben. Heute morgen immer noch regnerisch grau, ab und zu wieder Windböen und Winddreher, sodass Kurs zwischen 260 und 300 Grad schwankt.Ansonsten nichts weltbewegendes - es sei denn wir wissen es nicht...Martin’s Zahn besser
Donnerstag, 7.6.2007, 17.Tag, 07°47’S – 127°41’W, Wind ENE/ESE, 2-5, Etmal 117sm
Nach der regnerischen Nacht von vorgestern auch den ganzen gestrigen Tag Regen, von morgen früh bis abends spät. Phantastische Farben des Meeres und des Himmerls, Grau in grau, mal heller, mal dunkler, der Regen macht das Wasser grau, die Regenböen fliegen über die Wellenkämme - fehlt nur noch ein Grauwal und uns wachsen graue Haare. Eigentlich ein wunderbares Bild - und wohl angenehm nach einem heissen Sonnentag.Auch die gestrige Nacht durch ein Regenguss und ein Squall nach dem anderen. Mussten einmal sogar reffen, weil der Wind auf fast 30 Knoten anstieg. Ansonsten eher schwachwindig, auch Winddreher von bis zu 45
Grad, unser Kurs gleicht einer Schlangenlinie, keine Strömung. Bernd und Martin haben 6 Gallonen Wasser gesammelt, das wir jetzt zum Duschen oder Wäsche spülen (gewaschen wird mit Salzwasser) verwenden können. Das schont die Reserven im Tank.
Freitag, 8.6.2007, 18.Tag, 08°22’S – 129°39’W, Wind E 3-5, Etmal 122sm
Nach dem gestrigen Sonnentag wieder eine bewölkte Nacht. Regen hat zwar nur Martin abbekommen, aber Sterne haben wir fast keine gesehen. Der Mond geht erst nach Mitternacht auf, es wäre also wieder mal wunderbar, die Sterne vorher betrachten zu können. Heute morgen haben sich die Wolken verzogen, schönes Passatwetter mit wenig Seegang und leichtem Wind. Da die Strömung wieder eingesetzt hat machen wir platt vor dem Wind trotzdem über 5 Knoten Fahrt. Das heisst wir sollten innerhalb von 4-5 Tagen auf Hiva Oa eintreffen. Heute Morgen hat uns Mary Constance überholt, die einen Tag später von Isabela ausgelaufen sind - die Kinder auf Bauvier und Mary Constance erzählen sich Erlebnisse und Geschichten über Funk. Seit unseren Walsichtungen im Atlantik und Pazifik geht das Gerücht bei den Kindern um, dass Wale unser MEITLI lieben und deswegen immer mal wieder auftauchen. Ein Kind:" ..or maybe it's the nice smell of the bread Christa is baking, that attracts the whales?" - Christa hat heute morgen wieder 1 Kilo Zopf gemacht! Auch eine Goldmakrele ging an die Angel - Martin hat sie filletiert mit neuer Knie-Technik. Die gibt's heute "à la meunière" (nach Müllerinnenart). Martin’s Zahn wieder schlechter – wieder Medikamente für den Rest der Reise.
Samstag 9.6.2007, 19. Tag, 08°30S – 131°36’W, Wind E 3, Etmal: 116sm
Wind hat heute Nacht nochmals nachgelassen, sodass wir nach einer wunderschönen Nacht unter Butterfly-Besegelung und Handsteuern heute morgen unseren Parasailor gesetzt haben. Die Windfahne ist jetzt trotz Schwachwind einigermassen am steuern (zickzack von ca. 50°) und wir können das sonnige Wetter geniessen. Mit 12. Juni als Ankunftstag wird’s allerdings nichts, evtl. 13. oder 14. Juni, mal sehen was das Wetter bringt. Prognosen sind wenig beflügelnd: 5 - 10 kn für die nächsten vier Tage für den Rest der Strecke (brauchen mind. 10 damit wir vernünftig Fahrt machen).
Uns geht’s also gut, auch Laune ist nach wie vor bestens. Bauvier ist gestern abend weitergesegelt – die Verlockung des starken Motors und der langen Wasserlinie und der Südsee. Wir sind nun ein Bisschen erleichtert, weil das ständige Kursabstimmen bei schwächerem Wind und Squalls und vor allem das innere Drängen der Bauvier-Familie nach Land, auch wenn anständigerweise immer verneint, doch ein wenig Druck auf uns ausgeübt hat.
Das Fischessen gestern abend war köstlich. Martin wird immer besser mit seinen Fischgerichten. Heut zum Mittagessen gibt’s dann den zweiten Teil der Goldmakrele: mit restlichem Reis von gestern mit Sesamkörnern gebraten, auf einem Bett mit Orangen- und Pink Grapefruitfilets serviert.
Sonntag, 10.6.2007, 20.Tag, 08°49’S, 132°59’W, Wind E 3,Etmal 84sm
Wind schwach, 8-10kn aus E. Parasailor ganzen gestrigen Tag und über Nacht oben. manchmal bis 4kn Fahrt, dann wieder 2.5-3kn. Durchschnitt: 3.5kn. Sind in VHF-Empfangsbereich von Mary Constance, Blackwattle, Silvergirl (NZL). Blackwattles Alternatoren am Motor sind seit einigen Tagen defekt, sie können also Ihre Batterien per Motor nicht laden. Zum Glück haben sie noch einen Schleppgenerator, 2 Solarpaneele und einen Windgeno und einen kleinen Honda Benzingenerator. Leider sehr schwacher Wind also Schleppgeno und Windgeno nicht von Nutzen. Sie nutzen den kleinen Töff ab und zu, leider ist Benzin langsam knapp. Also: Man glaubt es kaum! der nächste Treibstofftransfer auf hoher See wird heute über die Bühne gehen. Diesmal Benzin von Mary Constance auf die Blackwattle! MEITLI wird zusehen...Also wieder dieselben drei Boote wie auf dem Atlantik, ein echter Zufall.
Montag, 11.6.2007, 21.Tag, 09°19’S – 134°23’W, Wind E 2-3, Etmal 86sm
See sehr ruhig, wenig Wind, machen ca. 3.5kn im Schnitt - das dauert noch. Parasailor immer noch oben, steht nicht schlecht aber kann halt auch nur ziehen, wenn Wind. Sehr heiss und brütig, Bimini spendet Schatten. Gestern Hai neben Schiff gesehen - folgt der uns? Vögel werden zahlreicher. Maskentölpel, Tropikvögel, kleine Sturmschwalben. Werden eventuell heute etwas motoren, wenn Wind zu schwach, müssen sowieso Batterien laden, dann können wir auch den Gang einlegen. Noch 260 sm bis Hiva Oa.
Dienstag, 12.6.2007, 22. Tag, 09°35’S – 136°02’W, Wind E 2-3, Etmal 99sm
Haben gestern den 135sten Längengrad passiert und demzufolge die Uhr wieder eine Stunde zurückgestellt. Wenn wir auf den Marquesas ankommen müssen wir es nochmals um eine halbe Stunde tun. Seltsam, da ist UTC-9.5h. Gestern dann während 4 Stunden unter Motor, weil Wind sehr schwach. Dabei dann Anglerglück: Ein Schwertfisch! toller Bursche, 1.53m lang. Etwas delikat zum Anlanden wegen seinem Schwert, das eindrücklich spitz! Martin konnte ihn an Haken und mit Hand um Schwanz reinhieven und gegen das Heck drücken. Der Fisch hat schon recht Kraft, Christa hat ihm etwas Gin in die Kiemen geleert und nach ein paar Sekunden hat er dann aufgegeben sich zu wehren, sodass wir ihm auf dem Achterdeck per Kiemenschnitt erlösen konnten. Er hatte sogar noch zwei "Sucker"-Fische am Körper, die kleinen, die sich per Saugnapf anhängen und versuchen zu Schmarotzen....Schliesslich haben wir ihn von A-Z filletiert - ca. 6kg Fischfilets! Das Schwert haben wir als Trophäe ans Achterstag gehängt zum Trocknen
Mittwoch, 13.6.2007, 23. Tag, 09°47’S – 137°42’W, Wind E 2-3, Etmal 100sm
Die Voegel werden zahlreicher. Erste Fregattvögel in Sicht, die können nicht schwimmen, Land muss nahe sein, können es aber noch nicht sehen. Marquesas sind ca. 60 sm vor uns. Gestern zum Zmittag und Znacht zweimal Fisch - einmal kurz gebraten im Salat mit Kabis, und Grapefruit (passt ausgezeichnet -> neues Betty Bossi Rezept?). Zum Znacht als Curry mit Kokosflocken und Reis. Christa hat gestern auch noch zwei Buurebrot und ein "Russenzopf" gebacken, ist schon fast alles weg...
Vier Stunden unter Motor mit 6kn. Heute Putztag, damit MEITLI ein schönes ist für die Ankunft. Heiss, sonnig, schwachwindig das Wetter. Heute morgen um 5h Parasailor runtergenommen, weil Regenwolken hinter uns, momentan unter ausgebaumter Genua dem Ziel entgegen mit 2.5kn Fahrt. Sollte reichen für Ankunft morgen früh.
Donnerstag, 14.6.2007, 24.Tag, Ankunft Hiva-Oa, Wind E 2-3, „Etmal“ 62sm
Nach Regnerischen zweiten Nachthälfte morgens um 9h Lokalzeit (MEZ - 11.5h) in der Bucht von Atuona vor Anker gegangen. Ein ungemütlicher Ankerplatz, Schwell und
Seegang, brauchten wieder mal einen Heckanker. Segelschiff Bauvier lag auch da und begrüsste uns mit einem Frühstück auf ihrem Schiff. Kaffe, Gipfeli, Baguette, Konfi und Emmentaler. Danach ging’s zum Zahnarzt (Martins Zahn)….