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Hafen Kapitaen Puerto Ayora, Santa Cruz
Hafen Kapitaen Puerto Ayora, Santa Cruz
 
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Galapagos 1, Josef Stalin Gonzalez und eine Wurzelbehandlung

Galapagos 1, Josef Stalin Gonzalez und eine Wurzelbehandlung

26.06.2007 03:17:57 (View count: 1607)

 Taiohae, 25.6.07

Die tausend Seemeilen von Panama nach Santa Cruz auf Galapagos haben uns einige technische Herausforderungen gebracht (siehe Bericht dazu). Dementsprechend wollten wir vor den 3000 Seemeilen bis zu den Marquesas Inseln einige Dinge auf Vordermann bringen. Skeptisch, ob uns hier auf den abgelegenen Inseln so was gelingen würde machten wir eine Planung für die nächsten 3 Wochen. Neben den notwendigen Übeln wollten wir natürlich noch Ausflüge auf den Galapagos Inseln und Tauchgänge einplanen. Schliesslich sind wir nicht nur Knechte des eigenen Segelschiffchens
Gleich am Tage der Ankunft machten wir uns auf den Weg zur Capitania del Puerto Ayora, der Hafenkapitän in gebügelter, schneeweisser Uniform stellte uns die Erlaubis aus, 20 Tage in Puerto Ayora zu bleiben und berechnete alle Gebühren, die da waren:

  • Internationale Ankunft 21.48$

  • Internationales Ausreisepapier (Zarpe) 21.48$

  • Hafenzufahrtsgebühr 2.16$

  • Ankergebühr 21.96$

  • Verschmutzungsgebühr 16.10$

  • Funk & Kommunikationsgebühr 11.47$

  • Lichter- und Betonnungsgebühr 27.00$

  • Rechnungsaustellungsgebühr 0.36$

Danach marschierten wir zum Polizeiposten, wo wir von einer hübschen Polizeibeamtin schöne Stempel in unsre Pässe kriegten. Schliesslich folgte noch der Gang zur Verwaltung des Galapagos Nationalparkes, wo wir den Eintritt zu entrichten hatten, der jeder Besucher der Insel bezahlen muss. Alles in allem eine teure Einklarierungsangelegenheit.
Die nächsten Tage verwendeten wir um technisches Material einzukaufen. Was nach einem Grosseinkauf tönt, ist aber die zeitraubende Suche nach wenigen Dingen. So kauften wir 6 Meter Reserveschlauch für unseren Motor – wer weiss wann wieder ein Kühlerwasser- oder Seewasserschlauch kollabiert oder leckt. Wir suchten in 5 verschiedenen Ferreterias einen O-Ring und eine Flachdichtung, wir wurden fündig in einer Autowerkstatt, die Flachdichtungen wurden von Hand zugeschnitten… Wir kauften Dieselvor- und feinfilter für den Motor. Wir hatten zwar noch Ersatz an Bord, aber das schmutzige Diesel, das wir irgendwo erwischt hatten, liess die Filter verstopfen, sodass wir Drehzahlschwankung von 200-300 Umdrehungen erlebten. Schliesslich leerten wir den Dieseltank, spülten ihn mit Diesel durch und filterten das Diesel zweimal durch Feinfilter und Wasserabscheider, bevor wir wieder auffüllten.
Landgänge dienten aber auch dazu, Landtouren, Ausflüge und Tauchgänge zu organisieren. Wir besuchten ein halbes Dutzend Agenturen, Reisebüros und Tauchshops – schliesslich buchten wir die Tagesausflüge bei Karin von „We are the Champions tours“. Sie ist aus Deutschland und seit sieben Jahren in Puerto Ayora. Tauchen gingen wir mit „Scuba Iguana“, einer professionellen Organisation, die ebenfalls nur zu empfehlen ist.
Josef Stalin Gonzalez“ und sein Freund „Hector“ lieferten schliesslich 100 Gallonen Diesel an. Dazu kamen sie längsseits mit ihrem „Panga“ (kleines Holzboot). Sie hatten einen Tank darin, in dem eine Dieselpumpe mit Zähluhr steckte. Nach der Demonstration der „genullten“ Uhr füllten wir damit die ersten 5 Kanister ab. Die Pumpe drehte immer langsamer – Stalins Batterie war leer – die beiden verschwanden für 10 Minuten und kamen wieder mit neuer Batterie. Jetzt waren wir der Engpass, wollten wir doch alles Diesel durch unseren feinen Filter lassen. Tatsächlich blieb am Schluss etwas Dreck zurück – Obwohl uns Stalin im voraus versichert hat, dass dies absolut sauber sei, musste er im Anschluss eingestehen, dass es wohl besser war. Statt Trinkgeld gab’s ein Bier und für den nächsten Morgen den Auftrag das Unterwasserschiff zu putzen. Pünktlich um 9Uhr in der früh legten sie mit ihrem Panga wieder an und machten sich ans Werk. Nur mit Schnorchel und Taucherbrille, Stalin hatte nicht mal Flossen putzen sie in knapp zwei Stunden die Algen, Müschelchen und „Barthaare“ von Rumpf und Wasserlinie – enorm, wie schnell das Zeugs unter Wasser ansetzt, wächst und gedeiht. Stalin und Hector leisten während 5 Monaten im Jahr Dienst an die besuchenden Yachten (Diesel, Wasser, Reinigungen etc.), die restliche Zeit sind sie am Fischen. Im Herbst Langusten im Norden der Inseln. Dazu sind sie, so erzählt uns Stalin, nachts unterwegs und tauchen mit Taschenlampe ausgerüstet, Luft aus Schläuchen beziehend nach den nachtaktiven Langusten. Das Gebiet ist berühmt für die vielen Haie, insbesondere Hammerhaie, die zum Teil zu dutzenden in Schulen unterwegs sind. Es sei seines Wissens noch nie etwas passiert, versichert er uns, aber Angst hätten sie keine, da sie nachts die Haie ja nicht sehen… Man stelle sich jetzt noch vor, dass Haie meist nachts jagen…

Wir spannten unser Rigg nach, reparierten ein Leck an der Seewasserpumpe, Spleissten das Umlaufschot der Grossrollreffanlage zum fünften Mal, testeten Antennekonfigurationen für den Kurzwellenempfang. Wir schrieben Postkarten, kauften Geschenke für Göttibueb und neugeborene Nichte, planten Pazifikroute, zu besuchende Inseln, Visa- und Einreisebedingungen und vieles mehr. Schliesslich besuchten wir ein paar Tage vor dem Auslaufen den „Mercado Municipal“: Lokal angebaute Früchte und Gemüse – unter anderm „Monster Grapefruits“, wunderschöne Tomaten, Melonen und Papaya und eine Staude grüner Bananen. Äpfel und Birnen werden aus Chile importiert.

Martin schliesslich unterzog sich einer ausgedehnten Wurzelbehandlung einer seiner Zähne – Karin vom Reisebüro empfahl uns die Zahnärztin, die beste auf den Inseln mit sauberem Geschirr, richtigem Zahnarztstuhl und Erfahrung. Alles Dinge die nicht selbstverständlich sind hier, wir verschweigen die Details…

Gut gerüstet und vorbereitet konnten wir uns also auf den langen Weg Richtung Südsee machen.


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