| Gallery Begegnung auf dem Kanal Von der Karibik nach Panama, durch den Kanal - MEITLI ist im Pazifik! 16.04.2007 23:31:36 (View count: 2056) MEITLI ist im Pazifik!! Die rund 1000 sm von den British Virgin Islands nach Panama waren wie im Bilderbuch: 15 – 20 Knoten Wind von schräg hinten, nur eine Nacht mit böigen Regenwolken, nur ein einziges Segelmanöver (nebst Ein-/Ausreffen). Dazu haben wir noch eine richtig grosse Goldmakrele von 105 cm (auch Mahi-Mahi oder Dolphinfish genannt) gefangen, nachdem uns ein Blue Marlin (Schwertfisch) zuvor den zweitletzten Köder tobend abgerissen hatte. So gab’s dann drei Tage Fisch: Fischcurry, „Sashimi" (roher Fisch mit Zitrone und Sojasauce beträufelt und mit Pfeffer gewürzt), Fischfilet, Fischsandwich, mmmhh! Die Überfahrt dauerte schliesslich siebeneinhalb Tage, davon ganz am Schluss 10 Stunden Flaute, die wir im Sinne einer zeitigen Ankunft in Colon unter Maschine bewältigt haben. Wie gerufen erwischte uns kurz vor den Wellenbrechern des Hafens Cristobal ein kräftiger Regenguss, sodass wir uns auch das Abspritzen des Bootes schenken konnten. Die Marina ist klein aber fein, mit guten Einrichtungen und ausgezeichnetem Service. Auch unser Agent, den wir im voraus mit der Organisation des Kanaltransits beauftragt haben ist kurz nach unserer Ankunft zur Stelle, zuverlässig und äusserst hilfsbereit. Schon am nächsten Tag kommt der Kanalvermesser und um das Einklarieren kümmert sich der Agent auch gleich, d.h. wir können uns bei Vogelgezwitscher auf der grünen Wiese unter Palmen richtig schön ausruhen. Früh morgens einen kurzen Spaziergang in den „Jungle": Brüllaffen, Kapuzieneraffen, Faultiere (sind wirklich sehr langsam), Grillen die tönen wie Kreissägen, Mangos die direkt über dem Weg zu pflücken sind…. tagsüber: Kanalvorbereitungen, Wäsche, Vorbereitungen für Pazifik, Schwitzen…. Abends: Sundowner und anschliessend gutes Nachtessen in Marinarestaurant für max. 5 USD pro Person. Wir sind zurück im Fahrtensegler-Pulk, und alle haben mindestens für kurze Zeit das selbe Ziel: den Pazifik. Es geht zwar alles ein bisschen langsamer als an andern Orten, aber die Leute sind durchwegs herzlich, sehr hilfsbereit und weitgehend zuverlässig. Natürlich würde der Bäcker mit seinem Verkaufswagen mehr verkaufen, wenn er drei mal hupen würde statt nur einmal, sodass man ihn auch hören kann, und die Person hinter der Kasse könnte ja auch mal kurz einspringen wenn der einzige Kellner überlastet ist, aber das ist halt auch Panama. Der in der Werbung der Marina angepriesene Travellift (Kran für Rausholen von Booten) stand zwar seit einem Jahr funktionstüchtig da, leider sei dieser jedoch noch nicht in Betrieb, versicherte uns die nette Dame im Marinaoffice. Das war eine herbe Enttäuschung, hatten wir doch vorgehabt unser Schiff vor dem Pazifik noch kurz rauszuholen um einige kleinere aber wichtige Arbeiten vorzunehmen. Als wir zwei Tage vor dem Kanaltermin sahen, dass der Marina Manager mit einigen Leuten dabei war ein altes Fischerboot rauszuholen sind wir natürlich sofort zu ihnen rüberspaziert. Dies sei das Training für das zukünftige Kranpersonal und die beiden Männer aus Main U.S. seien die Instruktoren des Kranherstellers, erklärte uns der Manager. Unser MEITLI wurde auf unseren Vorschlag hin als „Trainingsobjekt" gutgeheissen und eine Stunde später standen wir auf dem Trockenen. Nach einer windigen Nacht auf „Stützen" gings am nächsten Morgen wieder ins Wasser und alles war erledigt – und erst noch umsonst! (neben dem lapidaren fetten der Seeventile Englischen Designs reparierten wir auch einen Riss im Stevenrohr der Propellerwelle…) In den letzten Jahren waren sehr viele negative Berichte von Kleinyachten im Panamakanal zu lesen gewesen. Abgesehen von der Terminvergabe, die teilweise nicht nachvollziehbar ist, war die knapp 24 Stunden dauernde Kanaldurchfahrt bei uns ein tolles Erlebnis ohne gefährliche Situationen, mit sehr kompetenten, verantwortungsbewussten Advisoren (einer auf jeder Yacht) und zudem, dank unserem tollen Team von fünf Personen, sehr viel Spass. Wir waren drei Segelboote, die sozusagen im Päckchen geschleust wurden. Das Manövrieren im Dreierpack war zu Beginn etwas ungewohnt, hat aber dank den exakten Anweisungen des Advisors auf dem Schiff in der Mitte super geklappt. Nach den vielen Schleusen zu Beginn unserer Reise war das Schleusen nicht allzu aufregend, dafür waren die Fahrt über den (künstlichen) Gatun Lake und auch die Ausführungen von unserem Advisor äusserst interessant. Er erzählte uns von der Geschichte des Kanals, über die Tiere und Pflanzen bis hin zur aktuellen politischen Lage in Panama. Zudem die riesigen Schiffe um uns herum und das wunderbare Gefühl, mit unserem MEITLI auf eigenem Kiel in den Pazifik gefahren zu sein – der Panamakanal war für uns ein unvergessliches Erlebnis! Vom Ankerplatz ausserhalb von Panama City haben wir die Stadt erkundet und anschliessend den eher mühseligen Teil des Proviantierens für die riesigen Distanzen im Pazifik hinter uns gebracht. Bis Tahiti wird sich das Einkaufen eher schwierig gestalten und wer will schon auf kleinen Inseln, wo nur einmal alle paar Wochen das Versorgungsschiff kommt, die Lebensmittel wegkaufen? Zudem soll in Panama alles besser und vor allem billiger sein… nach zwei Tagen anschleppen und verstauen steht unsere Wasserlinie leicht unter Wasser, hmmm. Die letzten drei Tage waren wir mit Martins Eltern, die zu Besuch weilten, auf Landausflug in El Valle. Das Dorf liegt auf rund 800 m.ü.Meer in einem grossen Vulkankrater. Das für Europäische Verhältnisse billige Hotel war ein Traum: eingebettet in einen wunderbaren Park mit Swimmingpool und Spa. Die Gegend ist gesegnet mit äusserst üppiger Vegetation, fast allen tropischen Früchten, unzähligen Orchideenarten und den meisten Zimmerpflanzen, die in der Schweiz aufwendig gepäppelt werden. Obwohl der Kontrast zwischen den einfachen Verhältnissen der Dorfbevölkerung und dem Reichtum in unserem Hotel kaum grösser sein könnte, wirkte das Dorf keinesfalls trostlos, da sie in ihren Gärten eine so grosse Vielfalt an Lebensmitteln haben. Eine ältere Frau wollte uns zu den Felszeichnungen führen. Obwohl wir den Weg problemlos selber gefunden hätten nahmen wir ihre Dienste gerne an, um etwas über die Gegend zu erfahren. Sie war uns auf Anhieb sympathisch und auf die Frage nach einer Toilette meinte sie ganz stolz, sie hätte eine ganz neue Toilette, sogar mit fliessendem Wasser und Papier und Seife, und wir wären herzlich bei ihr willkommen. Tatsächlich stand neben dem ca. 12 m2 grossen einfachsten Einzimmerhäuschen aus Ziegelsteinen auch ein WC-Häuschen mit der erwähnten, sauberen neuen Toilette. Sie bat uns einen Kaffee an und so setzten wir uns an der kleinen Feuerstelle im Freien unter das löchrige Wellblechdach auf die kleine Sitzbank, die der Neffe von nebenan (keine 10m) sofort brachte. Die dritte Tasse und ein Plastikstuhl wurde ebenfalls von den Nachbarn in Windeseile hergebracht, da unsere Gastgeberin, Petra Irene Alboheira de Dominguez nur mit ihrem Mann lebt und deshalb natürlich nur von allem zwei hat. ORIGINAL |