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Zu Zweit schwimmt und turtelt es sich einfach besser
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Bild von: Fredy Engeler
Reise: Unterwegs auf französischen Kanälen
Bericht: Merci Ange Gardien! Teil 4; Ende

Merci Ange Gardien! Teil 4; Ende

29.01.2007 10:45:52 (View count: 1002)

Ja doch, es kann; denn als wir 40 Minuten später auch endlich im Oberwasser ankommen (Schleusenzeit 15 Minuten, Übergabe der Remote gegen Unterschrift und Instruktionen 25 Minuten), wendet dort gerade ein Koloss von zum Ferienschiff umgewandelten Lastkahn und fährt ebenfalls Richtung Dole; jetzt haben wir zwei Schnecken vor uns. Knapp über Standgas tuckern wir von Ecluse zu Ecluse. Und gerade dank der sehr tiefen Geschwindigkeit realisieren wir noch rechtzeitig, dass heute (vor 2 Wochen passierten wir hier ohne Probleme) die Brücke vor No. 70, dank jetzt etwas höherem Wasserstand (wieso wohl, es ist seit Wochen trocken!?), uns zum Verhängnis geworden wäre. In der Rekordzeit von einigen Sekunden wird Bimini und Cabrio gestutzt und wir passieren unbeschadet. Puhh, schon wieder Glück gehabt!

Wegen des Feiertags können wir heute nicht bis nach Dole, denn am Jour de Fête Nationale dürfe man an den Pontons der Nicols-Vermietung nicht anlegen; hat uns der VNF-Mann in St. Symphorien explizit noch mit auf den Weg gegeben. Am 14. werde die Wiese an den Anlegestegen zur Abschussrampe für ein Stadt-Feuerwerk benötigt. Wir begnügen uns daher damit innert fast 6 Std., und nach 6 Schleusen den mitten in kleinen seerosenähnlichen Wasserpflanzen gelegenen neueren Ponton von Choisey zu erreichen. Dort wo an Land eine Tafel mit folgender Beschriftung steht: "Tous commerces à 5 Min." Als gegen die Zvierizeit Wind aufkommt und die drückende Hitze etwas nachlässt, machen wir uns pseudolandklar und gehen genau 5 Minuten; wir entdecken dabei allerdings kein einziges Geschäft, nur eine brütendheisse und menschenleere Dorfdurchgangsstrasse. Soviel zu Tafelreklame und harter Wirklichkeit. Wir baden auch in diesem leider schon ziemlich überwärmten Kanalabschnitt; durch unser Anlegemanöver haben wir die Wasserpflanzen ja etwas dezimiert. Die Borddusche danach macht nicht mehr viel Freude, denn sogar in der Stellung "kalt" fliesst mind. 25 grädiges Wasser aus dem Schlauch. Nach einsetzen der Dämmerung beschliessen wir uns noch etwas sportlich zu betätigen und fahren mit den Velos binnen etwa 20 Minuten ins Herz von Dole. Das hat beiden richtig Hunger gemacht und wir lassen uns wieder mal zum Verzehr eines Kebabs hinreissen.

Nach dem frugalen fremdländischen Mahl (vom Gammelfleischskandal hörten wir erst Wochen später) am runden Bistrotisch pilgern wir Richtung Hafen. Es sind zwar an diesem Freitagabend schon einige Leute unterwegs, aber wie ein Nationaler Festtag wirkt das Aufkommen eigentlich nicht. An den Pontons entdecken wir ausser den rund 20 Mietschiffen auch etwa 5 Privatjachten, darunter auch Schiffe, die wir am frühen Morgen uns noch passieren sahen, dann einen ganzen Container voller Feuerwerksüberresten, wirr zusammengeleiertes Kabelmaterial und leere Abschussrampen. Leere? Jawohl, schon gebrauchte!

Wir fragen Passanten nach dem grandiosen "Feu d'artifice" und erhalten bestätigt, dass jenes Spektakel gestern Abend stattfand. Danke VNF! Hätten wir das gewusst, wären wir und Aramis jetzt auch am Steg …. Wir fahren enttäuscht zurück, schaffen es aber gerade noch rechtzeitig das Feuerwerk von Choisey in Rauch und Mörserdonner aufgehen zu sehen. Wer heute als Rakete was auf sich hält, muss offenbar nach der Illumination auch noch grausam laut knallen. Hunde und Baby's, oder umgekehrt, verdanken ihre Mitnahme an den Abschussplatz auf jeden Fall, wenn sie nur ihre Begeisterung etwas besser zeigen könnten! Beachtlicher Aufwand für ein kleines Dorf ohne (von uns auf Anhieb gefundene) Einkaufsmöglichkeiten. Und wir haben schon wieder Glück, der immer noch anhaltende starke Wind bläst die gewaltigen Rauchwolken von unserem Schiff weg und die Überreste des Feuerwerks landen auch nicht auf unseren Decks. Irgendwann hat auch die Dorfjugend ihren Knallmittelvorrat verbraucht und ab dann beherrscht wieder einmal ein Froschkonzert in C-Moll die akustische Kulisse.

Am Samstagmorgen piepst schon um halb acht Uhr mein Händy und als ich mich vom ersten Schrecken erholt habe, entziffere ich die Botschaft; Res und Erika vermelden fernschriftlich (via SMS), sie seien schon in Dole angekommen, und hätten uns im Hafen nicht entdeckt. Wir rufen zurück, informieren, dass wir bald ablegen und kurz nach 9 Uhr dort sein werden. Die beiden haben uns vor einer Woche schon ein Stück begleitet und als wir sie beim Abschied fragten, ob sie noch einmal kommen möchten, dauerte die Reaktionszeit weniger lang, als bei einem überraschenden Bremsmanöver. Wir trudeln bald darauf in Dole ein, verfügen in Form unserer Freunde komfortablerweise über ein Team, welches unsere Taue vom Land aus entgegennimmt und beim belegen hilft. Dann machen wir gemeinsam eine Einkaufstour; am Samstag ist nämlich auf dem Platz vor der Kirche Markttag und viel los. Gegen Mittag legen wir ab und erreichen nach 2 Schleusungen den kleinen Ponton bei Rochefort-s-Nenon und haben wieder Glück. Zwar ist der Steg schon besetzt, aber ein Jachtie lässt uns "päckeln" und als sein Platz frei wird, übernehmen wir diesen. Gegen Abend ersteigen wir wieder den Hügel über dem Dorf und geniessen bei der Kapelle die wunderprächtige Aussicht. Vor allem aber auch der Abstieg über einen "Bärentritt" zwischen den Felsen hinunter wird allen Teilnehmern in Erinnerung bleiben. Und als wir, wieder unten, voll im Schatten liegen, übernimmt Res zwar nicht die Schlachtung eines Poulet-de-Bresse, wohl aber deren sehr schmackhafte Zubereitung auf unserem Grill. Ehrlich, einen feineren Vogel durfte ich im letzten halben Jahrhundert (und an vorherige Nahrungsaufnahmen erinnere ich mich beim besten Willen nicht) nie verzerren. Gratulation und grosser Dank an Res, der dies gegen den offensichtlichen Unwillen unserer schon arg zerschliessenen Grillausrüstung dennoch schaffte. Wir beschliessen daher bald die Vorraussetzungen für weitere kulinarische Höhenflüge aus Res's Hand zu schaffen und versprechen uns nach den Ferien, wenn es das Budget auch nur einigermassen erlaubt, einen neuen Grill zu leisten.

Res hat dies (natürlich) gehört und als wir am Sonntagmorgen erwachen, ihr Zelt etc. wieder einpacken, fehlt nur der Grill. Er hat ihn (sicherheitshalber und um uns vor einen allfälligen Rückfall zu schützen) direkt in den dort vorhandenen Container entsorgt …. Nach gemütlichem Zmorgen wollen wir gestärkt losfahren. Während wir bei schönstem Wetter in etwa festlegen, wann wir wo sein könnten, überholt uns ein MBF (Mietbootfahrer) mit einer "Nicols"-Mietschüssel. Wie immer denken wir uns dabei noch nichts böses; der Unmut nimmt erst feste Gestalt an, als wir eine halbe Stunde später vor die Schleuse No. 64 fahren und jenes Boot bei Doppelrot immer noch davor stehen sehen. Immerhin taucht bald ein VNF-Renault auf und "entpannt" die Anlage. Das 11-Meter Mietschiff hat eine grosse Crew, wir zählen 6 – 7 Leute und die braucht es offenbar auch. Mit Besen, Bootshaken und von Hand wird das Schiff Richtung offenem Tor bugsiert, bald steht es allerdings kläglich quer davor. Als der Driver schliesslich entnervt aufgibt, übernimmt eine der Damen das Handling und bringt das Schiff dann auch tatsächlich in die Kammer und darin sogar ganz nach vorn. Wir schliessen auf und lassen uns hochschleusen. Vorn herrscht hektischer Hochbetrieb; so viel Wasser auf einmal! Davon haben die Vermieter ja gar nichts gesagt!

Nach dem Ende des folgenden Kanalsstücks überholen wir die Explorer-Typen und es macht niemand konkrete Anstalten uns in die nächste Schleuse zu folgen. Vor den nächsten Kammern müssen wir aber immer auch warten und sichten vor uns jeweils nur noch die "Schlusslichter" eines weissen oder beigen schwimmenden Gegenstandes, es muss also noch was vor uns sein, welches mehr als langsam in gleicher Richtung fährt. Nach "Moulin Rouge" kommt ein fast 8 Km. langer, schleusenfreier Abschnitt, wir holen auf und "stellen" den Übeltäter, eine 37-er "Tarpon" einer uns bisher nicht bekannten Vermietfirma. Sie schleusen zwar sicherer als die andere Crew, die wir vorhin ausmachten, aber sie scheinen kein Ziel zu haben, mal tuckern sie im Standgas und wenn wir aufholen wird wieder beschleunigt. Auf einem wiederum längeren Stück fahren wir vorbei und erreichen die nächste Kammer frühzeitig und einfahrbereit, so dass wir die Chance nutzen, uns absetzen und den Rest des Tages alleine zu baden und zu schleusen. Unsere Gäste bestaunen die 185 Meter lange, unbeleuchtete Tunneldurchfahrt in Thoraise und dann natürlich auch die Unterquerung der Zitadelle von Besançon kurz nach 18 Uhr. Vor der Ecluse St. Paul legen wir kurz an und lassen Res und Erika, die ihr Auto in der Nähe abstellten, samt Gepäck wieder davon ziehen. Sie bedanken sich, auch die Fahrt auf dem Doubs hat ihnen gut gefallen.

Wir legen wieder ab und schaffen vor dem Schleusenschluss um 19 Uhr immerhin noch die Anlage 49 und können so noch rund 6,5 Kilometer fahren, bis gar nichts mehr geht. Und man ist froh, noch etwas fahren zu dürfen, denn es ist unverändert drückend heiss, der Fahrtwind ist das einzige, was etwas Kühlung bringt. Vor der von früheren Exkursen schon anrüchig bekannten Anlage (mit grosser Hubhöhe) "La Chalèze" scheren wir etwas gegen den alten Flusslauf hin aus und ankern bei rund 2 Meter Wassertiefe. Ariane graut es schon etwas und sie knüpft zwei Taue zusammen, damit wir dann morgen früh besser gerüstet seien. Wir geniessen trotz Auto- und Eisenbahnlärm einen schönen Abend. Auch hier hat es viele Frösche die ihre Melodien, oder sind es nur Lcckrufe, landauf und ab verteilen. Vor 22 Uhr fährt am rechten, dem "wilden" Flussufer irgendwo ein Auto näher, man hört Zeltstangenaufbau und dann setzt ein harter, sehr lauter Sound ein, der auch nach Mitternacht noch anhält; so schnell gerät man in schlechte Nachbarschaft! Irgendwann ist es aber kühl genug, so dass man die grossen Fenster schliessen kann und es sich aushalten lässt.

Am Montag der 4. Ferienwoche bin ich wie gewohnt früh auf, kümmere mich um Ölstand und Wasserfilter etc. und bemerke nach 7 Uhr, dass die Ampel vor der Schleuse auf Rot steht; aha da scheint Leben drin … Fernbedienung hervor nehmen, Tasten drücken und …. das Ding reagiert, geht auf Rot / Grün, leert also die Kammer. Beide Anker einziehen, Motor anlassen und die sich öffnenden Tore passieren sind fast eins. 5 Minuten später bin ich drin. Nur, von unten sieht man nicht mal allfällig vorhandene Poller geschweige denn, wo und wie man sie erreichen könnte. Also neben die Leiter, die rechts in die Wand integriert wurde, navigieren, aufstoppen. Leiter genauer anschauen; wäääk, die ersten 5 Sprossen sind dick mit grünlichem Schlamm ummantelt und nassglitschig, aber was soll's; das von Ariane vorbereitete verlängerte Seil wird gepackt und hochgeklettert. Die Schleusenoberkante liegt sicher 5 Meter höher als das Dach des Schiffs, Seil um Poller legen und damit wieder runterklettern. Am Heckpoller belegen, dann versuche ich zur blauen Stange vorzufahren, die hier sinnigerweise wieder mal an Backbord in die Kammer eingefräst wurde. Es reicht nicht, ich erreiche die Stange nicht. Also wieder zurücksetzen, Seil nochmals mit einem Tau verlängern, wieder nach vorn fahren. Diesmal könnt es gehen, ich versuche die blaue Stange, die hier unten etwa ähnlich glitschig ist wie die Leiter, anzuheben. Es gelingt nur minimal, die Hand schlipft über eine glitschige Kruste und der ganze Arm wird schlammig verdreckt. Also Aktion unterbrechen und schnell in die Küche, die Brühe abwaschen, so kann ich sonst gar nichts mehr berühren. Wieder auf Deck bemerke ich, dass der Impuls nicht reichte, die Stange will höher gehoben werden. Also das Schiff, welches immer wieder nach hinten in die Kammer abdriftet, wieder vorziehen. Als der Bug wieder mal auf Höhe der Stangen anlangt nach vorn sprinten, auf die Reling stehen, so hoffe ich den Teil der Stange zu erreichen, welcher nicht verschlammt und damit sicher griffiger ist. Es gelingt fast, ich strecke mich noch etwas mehr, komme knapp an die trockene Stelle, will heben, aber der Bug driftet genau jetzt spürbar von der linken Kammerwand weg. Als ich dies realisiere, mache ich erst unfreiwillig einen sich weitenden Spagat bevor schmerzlich klar wird, dass das bös endet, bös enden muss. An der Kammerwand am Stangenende kann ich mich nicht halten, und das Schiff verlässt mich … Ich klatsche, zwischen Wand und Schiffsbug gute zwei Meter tiefer ins hier leider nicht sehr saubere Wasser, mein ernster Gedanke ist nur die Brille auf jeden Fall nicht zu verlieren. Dies gelingt, die Bügel bleiben hinter den Ohren. Lage peilen! Die Schleusung scheint noch immer (und Gott sei Dank) nicht ausgelöst. An der linken Schiffswand kann ich nicht nach hinten zum Heck, den dieses streift die Wand, also rüber auf die andere Seite, dort muss es gehen. Da der Schiffsmotor noch läuft, möchte ich auch der noch hochgeklappten Badeleiter  nicht zu nahe kommen, drum klopfe und poche ich auf Höhe der hinteren Kabine gegen die Schiffswand, rufe den Kosenamen der immer noch schlafenden Copilotin. Nach einigen Rufen reagiert sie, wohl als sie hört, dass meine Gesten von ausserhalb des Schiffs kommen. Sie stellt den Motor ab und ich klettere zurück aufs Schiff. Ungläubiges Kopfschütteln, dann stille Umarmung, nur visuelle Vorwürfe; ähnliche Entgegnung "ja stimmt, Du hast natürlich recht, das hätte ins Auge gehen können …" Wir schleusen die Anlage nun zusammen, dann holt sie den noch fehlenden Restschlaf nach.

Heute scheinen aber noch ganz andere Sachen in den Kanal gefallen zu sein, denn kurze Zeit später bemerke ich eine neue Art von Recycling; das "Auto-in-den-Kanal-schmeissen"; hoffentlich macht dies nicht Schule. Niemand ist mit der Bergung des mit der ganzen Haube und dem Vorbau offensichtlich ins Kanalwasser gefallenen Wagens beschäftigt; ist das Auto am Ende noch von gar niemandem vermisst worden?

Als die Beste dann auch wach ist, muss ich mehrere Male während des Tages erzählen, was am frühen Morgen genau passierte, und versichern, dass ich so was nie mehr machen werde. Mach ich natürlich, das mit dem versichern … ist ja auch mein Job. Und alle Bekannten und Freunde, die uns heute telefonieren, oder die von ihr angerufen werden, bekommen die Story ebenfalls brühwarm in die Gehörgänge gepfropft. Wir kommen, ganz allein unterwegs, zügig voran, nach dem Mittag passieren wir Baumes-les-Dames und gegen Abend auch Clerval. Hier kreuzen wir eine CH-Segeljacht, die einzige Schiffsbegegnung des Tages. Zwei Schleusen streiken bei der grossen Hitze, ein Ruf nach und Hilfe von der VNF ist nötig. Ca. einen Kilometer vor No. 29 hat es gegen 19 Uhr schon etwas Schatten, wir beschliessen hier das Etmal zu sehen, werfen unsere Anker, baden, lesen, verspeisen einen Salat, denn infolge der Hitze denkt niemand mehr ernsthaft ans Kochen. Eine sehr ruhige aber schwüle Nacht liegt vor uns.

Am Dienstag gehen wir es sehr gemütlich an, aufs Morgenbad verzichten wir, denn es hat viele Sauerstoffbläschen auf dem Wasser; wäscht jemand in der Umgebung? Gegen 11 heben wir die Anker und bummeln drei Schleusen bis vor den Supermarkt in Ile-s-l-Doubs. Inzwischen ist übrigens Intermarché Ladenbesitzer, nicht mehr die Super-U-Kette, was wir am geschwundenen Angebot rasch bemerken. Vor allem die Sache mit den frischen Früchten passt uns nicht, alles sieht aus wie Ladenhüter. Wir kaufen Filet und Erdbeeren, die ersten für 45.- das Kilo, die letzteren immerhin für etwas weniger als 10.- und ein paar andere Nützlichkeiten. Ist das der Discounter, der sich die günstigen Preise ins Banner schreibt? Nachdem die Nahrungsmittel in unserem Kühler verstaut sind, packe ich unsere 4 Bidons aus dem Motorraum in den Einkaufswagen und beehre die Tankstelle "ennet der Strasse" insgesamt 4 Mal; beziehe also rund 320 Liter und fülle sie in unsere fast nur noch halbvollen Tanks. Nach Adam-Riese haben wir die letzten 70 Betriebsstunden damit etwas mehr als 4 Lt./Std. verbrannt. Da der Treibstoffpreis in nächster Zeit nur noch steigen wird, dürfte es sich rechnen, jetzt noch zu füllen. Während der Diesel langsam durch die dünne Versorgungsleitung rinnt, schmoren wir unter dem Verdeck; Eistee bringt etwas Linderung. Aus purem Gwunder werden verschiedene Mischformen ausprobiert. Fazit: Es lohnt sich diesen Saft abwechselnd auch mal mit französischen Cidre oder Clairette-de-Die zu strecken, eine Scheibe Zitrone oder mindestens etwas solchen Saft reinzuspritzen und so ganz neue Geschmacksvarianten zu kosten.

Gegen 16 Uhr ist die Aktion beendet aber auch absehbar, dass wir Montbéliard heute nicht mehr erreichen. Besonders da No. 26 während der paar Stunden, die wir in Sichtweite davor festgemacht hatten, immer mal wieder Doppelrot anzeigte, also irgendein technisches Problem vorhanden sein muss. Wir wenden also und fahren eine Schleuse zurück, nochmals und fast schon mit etwas Heimweh auf den Doubs. Gleich nach der Ecluse halten wir uns rechts, tasten uns sehr vorsichtig in den Flussarm ein. Komische Tiefenangaben zwischen 5 Meter und 10 Zentimeter verraten nichts Gutes über die Bodenbeschaffenheit. Wir finden aber trotzdem ein Plätzchen, werfen beide Anker und die finden Halt. Erst nachdem wir im Schweisse des Angesichts alles verräumt haben und das erste Mal die Badeleiter runtersteigen, realisieren wir, dass die Bahnlinie kaum 50 Meter von uns entfernt verläuft. Und das jeder Zug (wenigstens bis ca. 21 Uhr) vor der Einfahrt in die ebenfalls sehr nahe Tunnelröhre mehrfach und in sehr aufdringlicher Lautstärke hupt … Nach dem Bad will sich Ariane umziehen, steigt mit noch feuchten Füssen die lackierte Holztreppe in den Salon runter und vergisst sich dabei leider an der Brüstung zu halten ….. und ist so viel schneller unten, als ihr lieb ist. Einem dumpfen Aufprallgeräusch und Schmerzschrei folgen wüste Schimpftiraden; aha und Gott-sei-Dank, sie scheint also nicht ernsthaft verletzt. Aber schmerzen tut es natürlich doch, gut haben wir die homöopathische Apotheke dabei,  5 Globuli "Arnica" kommen mal wieder zur Anwendung. Kurz vor 19 Uhr fährt an der Landspitze vis-à-vis ein VNF-Renault vor, eine Frau steigt aus, ruft fragend zu uns herüber, ob wir "en Panne" seien oder was? Wir verneinen, orientieren, dass wir hier zu übernachten gedächten. Sie erwähnt etwas von geringer Wassertiefe (aha, also doch) und verabschiedet sich. Heute, zur speziellen Ehrung des 4. Geburtstages von Aramis genehmigen wir uns ein feines Stück Filet und als Nachtisch zwei verschiedene Sorten "Glace Artisanales", nach Ladenbeschreibung aus Aromen und Betrieben in der Nähe, "Macarons de Mouthe" und "Bourgeons de sapin" sind absolut super! Abgesehen vom ständigen Zugslärm wurde die Nachruhe durch nichts gestört.

Mittwochmorgens höre ich ein leise vorbeiplätscherndes Fischerboot, aber keine artikulierten, gehässigen Kommentare (wie früher schon etliche Male), wir sind also offensichtlich nicht im Weg. Morgenstund hat Gold im Mund, also schnell noch einmal mit relativ sauberem Wasser das Schiff abspritzen und staunen; die Hitze der vergangenen Wochen hat viele Insektenflecken schon fast eingebrannt, einfach mit Abspritzen gehen diese leider nicht mehr weg. Um halb Acht richte ich die Remote gegen die Schleuse und diese reagiert. Also Anker rauf und in die Kammer einfahren. Und wieder vorbei am Einkaufszentrum. Schleuse 26 liegt nun wieder vor uns; deren Tore sind nicht ganz geöffnet; ich schätze die lichte Breite auf rund 4 Meter. Komisch. Die Kammer ist offenbar leer, scheinbar ist niemand in der Nähe. Da ich nirgendwo belegen kann, halte ich mit dem Bug auf die Mitte und fahre im Schutze der kleinen Brücke dicht vor die Tore. Mit den Kugelfendern berühre ich zwar links und rechts, kann aber unbeschadet passieren. Nach dem Belegen ziehe ich die blaue Stange, doch nichts geschieht.

Wenigstens nicht sofort; ein paar Minuten später kommt aber ein junger VNF-Monteur und fragt, was ich hier täte, die Anlage sei "en panne"; ich dürfte doch nicht einfach einfahren. Ich verzichte auf eine Diskussion, spreche nur noch brockenweise französisch (Ariane würde sagen wie immer) und belege nun auch den Bug, es könnte ja länger dauern. Nach ca. 10 Minuten höre ich aber, während ich mir in der Pantry einen Café braue, dass die hinteren Tore zufallen und die Schleusung nun offenbar doch eingeleitet wurde. Tatsächlich hebt sich das Schiff und wir können ohne weitere Kommentare des gerade irgendein Steuerkabel verlegenden Technikers ausfahren. An den Pontons nach der Schleuse liegen ein halbes Dutzend Schiffe, einige Eigner zeigen echte Verwunderung als wir passieren, fragen nach, ob die Anlage denn nun wieder funktioniere? Tja, was soll ich sagen, wir wurden jedenfalls angehoben; oder wäre "ausgespiehen" das bessere Wort?

Nach nur einem weiteren Schleusendefekt (offenbar gehen bei der grassierenden Hitze wegen veränderter Materialausdehnung viel mehr Defektmeldungen ein als sonst) passieren wir das auch dieses Jahr von uns wiederum zum "schönsten Ufer des Kanals 2006" gekürte Stück und erreichen um 13 Uhr Montbéliard. Ein Spaziergang unter den grossen Bäumen im Park bringt etwas Erfrischung, wir legen uns ins kurz geschnittene, kühle Gras. Nach einem Schnelleinkauf in der Stadt legen wir um halb fünf Uhr wieder ab und erreichen so noch bequem vor 19 Uhr den Ponton zwischen No. 8 und 9 im "Forêt". Zwar sieht es jetzt gerade sehr nach Gewitter aus, Blitze zucken, man hört Donner, Wind kommt auf und überzieht die ganze Wasserfläche neben uns mit abgefallenen Blätter, so dass es fast wie Herbst anmutet, aber mehr als zwei Dutzend Regentropfen fallen nicht. Vor dem Einnachten kommt eine ungewohnte Unruhe über das andere Kanalufer, offenbar hat sich dort eine Herde Rinder verlaufen, sie ziehen neugierig und den Veloweg mit wüsten Hinterlassenschaften verunstaltend, Richtung Schleuse, bevor sie dann ein junger Typ auf einem Velo wieder zurück auf die Weide treibt. Der Wind hat etwas Kühle gebracht, wir geniessen eine erholsame Nacht.

Am Donnerstagmorgen haben wir uns um 9 an Schleuse 8 verabredet; mit uns fährt "Octopus" ein kleines Boot mit einer Crew bestehend aus 2 Bernern. Nein; sie tun ihrem Naturell keine Ehre, sondern kommen, obwohl es offenbar nicht ihr eigenes Schiff ist, flüssig voran, niemand wird aufgehalten. Wir schleusen hoch und höher und erreichen kurz nach 11 Montreux-Château. Während die Berner hier ausstellen und übernachten wollen, fahren wir noch ein paar Kurven, suchen einen Baum, der um diese Zeit schon etwas Schatten über das Kanalufer wirft, parken entlang den Eisenlarsen in erster Reihe und vertilgen unser in diesen Ferien schon etwas oft eingesetztes aber deshalb nicht minder bekömmliches Heisswettermenü No. 1: Früchte mit Yoghurt und Quark.

Um halb drei sind wir an Schleuse 2 angemeldet, wo wir, wer könnt es uns bei dieser Wetterlage verargen, zum ersten Mal unpünktlich, nämlich eine ganze Viertelstunde zu spät eintreffen und dann mit einem Studenten als Begleitung den Abstieg beginnen. Inzwischen sind nur noch etwa 4 oder 5 Schleusen nicht automatisiert, so dass nur noch dort echte Handarbeit mit allfälliger Mithilfe der Skippercrew angesagt ist. Die neuen Tore schliessen perfekt, haben aber deshalb auch einen handfesten Nachteil. Indem nun weniger Wasser "verloren" geht, sind die Kammern voll und völler. Bei nicht wenigen Anlagen steht das Wasser nur noch höchstens 20 Zentimeter unter der Schleusenoberkante. Die Beobachtung wird unserem Begleiter mitgeteilt, worauf dieser schnippisch meint, wir hätten heuer diesbezüglich sogar noch Glück, an vielen Tagen wäre der Wasserstand noch höher, die Anlagen würden dann im eigentlichen Sinn "überlaufen". Ah ja; findet man das gut?

Die Anlegemanöver bei guten Wetterverhältnissen wie heute sind so schon nicht einfach, werden aber bei hier häufig auftretendem Seitenwind, Böen oder Ausfall eines bestimmten Aggregates zur Katastrophe. Einen präzisen Vorgeschmack auf das was wir damit meinen und eigentlich schon gut wissen, erhalten wir, als wir in Schleuse 12 belegen wollen und der Bugstrahler für die letzten Zentimeter jeder "Punktlandung" nicht mehr strahlt, weder nach rechts noch nach links, sondern, und wie üblich ohne eine Vorwarnung, nur noch eine Art "müdes Röcheln" von sich gibt. Immerhin heult er jetzt aber (noch?) nicht, der Scherstift im Inneren des Strahlermotors scheint also bisher nicht gebrochen. Nur durch sofortiges Abspringen ab, bei solchen Wasserständen hohem Seitendeck, gelingt es, ohne Mauerkontakt zum Stehen zu kommen und das Schiff vor Schaden zu bewahren. Ich rufe dem, das bei der jeweils oberen Einfahrt eingerichtete Schaltpult bedienenden Eclusier zu, er möge doch die schon begonnene Schleusung unterbrechen, das Wasserniveau noch halten. Er stoppt, aber erst nachdem er sich zweimal versicherte, dass ich das wirklich so meine, den Vorgang, kommt dann neugierig nachschauen, was uns nicht passt. Ich zeige auf den Bug des Schiffes, dann in die Kammer, erwähne was von "en panne" und bereite ihn so darauf vor, dass ich, wohl wissend, dass in allen Kammern "Baignade interdit" gilt, jetzt und hier ins Wasser eintauchen werde. Er opponiert nicht; hat keine Ahnung das man sein Schiff auch hie und da aus nächster Nähe sehen oder gar Hand anlegen muss. Das Strahlertunnel unter Wasser ist abtastenderweise schnell gefunden und auch die Ursache der glatten "Dienstverweigerung"; das Teil ist total mit Rasenschnitt zugepappt. Die büschelweise Entfernung gelingt, die Propellerblätter selber sind o.K.  Ich tauche wieder auf, klettere an der Leiter aus der Kammer, und mache sofort die Probe auf's Exempel, jawohl das vor allem in Schleusen schwer entbehrliche Tool tut nun wieder.

Und damit beisst uns einmal mehr eine Frage auf der Zunge! Dass die VNF das Gras und die Gebüsche um die Anlagen periodisch zurückschneiden lässt, ist sicher richtig und gut, warum aber wird, wie schon häufig beobachtet das ganze Schnittgut danach einfach ins Wasser gekehrt? Glaubt man ernsthaft an eine Halbwertzeit von Stunden? Kurz vor Dannemarie fährt ein VNF-Renault neben eine Anlage und wir begrüssen und informieren auch diesen Mann. Er, offenbar Equippenchef, gibt zu, dass zuviel Wasser vorhanden ist und informiert, dass er eben seine Leute avisiert hätte, dass sie den Stand durch Ablassen reduzieren müssten. Auf Befragen über künftige Absichten erfahren wir, dass die VNF im Moment dran ist, entlang der Schleusentreppe Gräben auszuheben um optische Signalleiter in Form von Glaskabeln zu verlegen. Diese sollen es dann ermöglichen, dass jede Schleuse mit einer Kamera überwacht werden kann. Registriert dann der die Monitore überwachende (und hoffentlich nicht gerade mit Grasschneiden oder den Rasenschnitt ins Wasser schmeissende) VNF-Mann eine nahende Schiffsbewegung soll die vom Schiffer gerade ins Visier genommene Anlage ferngesteuert geöffnet und bedient werden können.
Ca c'est la future!

Kurz vor 5 sind wir wieder in Anne's Hafen und haben damit für die Strecke nur gute 2 Stunden gebraucht. Wir gehen baden, dann einkaufen, dann nochmals baden. Anne wird auch über den hohen Wasserstand in den Schleusen informiert. Sie ist etwas irritiert, zieht eine gerade erschienene "Avis à la Battellerie" hervor; mit der verfügt wird, dass infolge Wasserknappheit ab gestern (rückwirkend!!) in diesem Kreis nur noch im Doppelpack geschleust werden dürfe! Weiss Paris wirklich über alles Bescheid, und "kann man am Schreibtisch tatsächlich zuverlässig feststellen, dass zuwenig Wasser in den Kanälen ist"?

Wieder bilden sich über dem Dörfchen dunkle Wolken, Blitze zucken, wir schliessen vorsorglich alle Luken, aber die Erlösung von oben kommt auch heute nicht. Alles bleibt staubtrocken. Als wir eben auslosen wollen, wer als erster die Temperatur im Schlafzimmer messen gehen soll, erlöst uns unser deutscher Stegnachbar aus Breisach, fragt, ob wir gern vor dem Einschlafen einen Mirabellen-Schnaps probieren möchten. Klar, wollen wir das, jetzt hätten wir alles gemocht. Tatsächlich ein sehr feiner Tropfen den er da in seiner Bilge mitführt! Wir revanchieren uns mit vier eisgekühlten Baileys. Dann wird noch eine Flasche Rotwein in die Gläser bemüht; so vergehen schnelle 2 Stunden und gar nicht mehr so sicheren Fuss treten wir kurz vor Mitternacht den Heimweg von keinen 3 Metern (Luftlinie) an. Diese Nacht kühlte es kaum mehr ab.

Am letzten Ferien-Freitagmorgen müssen wir uns, ob wir gut geschlafen haben oder nicht interessiert niemanden, um 9 Uhr vor der ersten Kammer zeigen. Schon darin Platz genommen hat ein 9 Meter Schiff namens "Alfie" eines dänischen Paares. Er ist vielleicht Lehrer, denn wir werden während der Mittagspause in der Schleuse 30 anlässlich eines (von uns spendierten) Apéro's informiert, dass sie 13 Wochen unterwegs wären. Ja, wenn man soviel Zeit hat, eilt es einem wohl nicht. Anders können wir uns nicht erklären, dass man bei brütender Hitze kaum mit Standgas über's Wasser tuckert. Kurz nach 15 Uhr passieren wir No. 39 dann den Vieux Port von Mulhouse. Das, ehrlich, draussen und am Schatten liegende Thermometer zeigt schlappe 40.5 Grad an. Mehr als 20 Minuten nimmt dann No. 41 noch für sich in Anspruch. Deren Steuerung scheint inzwischen immerhin ab einer einzigen Quelle möglich und wir realisieren auch, dass die Poller seit unserem Ferienstart näher an den Schleusenrand versetzt wurden. Die anderen Mängel sind aber, so kann man sich auch Vertrauen schaffen, immer noch da; insbesondere geht die Öffnung des unteren Tores noch immer viel zu langsam!

Gegen 16 Uhr erreichen wir den Verladehafen. Eine stetige Brise weht, wir belegen sofort an einem Poller und werfen uns in die Fluten. Wieso nur ist das Wasser ab hier so sauber, so kühl, so anmächelig? Schön wieder in den heimatlichen Gewässern zurück zu sein! Ponton 1 ist fest in der Hand eines Holländers, er hat sein 10 Meter Boot mittendrin fest gemacht. Also fahren wir weiter zur No. 2. Unterwegs setzen schon erste Reinigungsarbeiten des Schreibers ein. Mit der Pütz werden die Decks und Gangbords überflutet; dann, am Ponton befestigt, auch das Teakdeck in Angriff genommen. Mit Putzessig der Kalkansatz rundum beseitigt …. und und und. Als wir nach Arbeit und Znacht so richtig schlapp in den Stühlen hängen, nähert sich ein Schiff aus Mulhouse; die "Gugi" von Walter und Toni wird mit schönem neuem Verdeck vorgefahren. Wir nehmen sie ins Päckli und können schon etwas von unseren vielen Erlebnissen deponieren. Am Samstag 22. Juli wird der Putz- und Parkdienst noch fortgesetzt und im Laufe des Mittags nehmen wir die letzten Kilometer zu unserem Heimathafen in Angriff. Ab jetzt sind auch die Sommerferien 2006 Geschichte.

Wir waren einen Monat unterwegs, wurden unfreiwillig 3 Tage aufgehalten, ohne uns dabei aber "kalt gestellt" vorzukommen, ganz im Gegenteil. Innert rund 95 Betriebsstunden haben wir eine Wegstrecke von etwa 850 Kilometern zurückgelegt, ca. 250 Schleusen bewältigt, ca. 400 Lt. Diesel und 2 – 3 Lt. Motorenöl verbrannt. Die Temperaturen der kühlsten Nacht lagen bei ca. 15 Grad, und am "hottesten" war's, als das Thermometer in Dole im Salon unterhalb der Decke eine Maximaltemperatur von 47.5 Grad bestätigte.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und gerne weitere Flussgeschichten lesen möchte, kann das gerne auf der Homepage unseres Bootsklubs tun; die Adresse lautet  www.8ung.at/nck

 

 

 


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