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Graureiher in den Bäumen
Graureiher in den Bäumen
 
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Bild von: Fredy Engeler
Reise: Unterwegs auf französischen Kanälen
Bericht: Merci Ange Gardien! Teil 3

Merci Ange Gardien! Teil 3

19.01.2007 08:31:58 (View count: 1309)

Wir bessern nach und landen bald an. Inzwischen ist es wieder drückend heiss, ich mein da spielt es auch keine Rolle mehr und gebe dem Brotbackautomaten noch einen Job auf, bevor wir, die "Meitli"-Crew ist auch wieder dabei, zum Stadtbummel aufbrechen. An der Mole entlang schlendernd schreibe ich unseren Kollegen Res und Erika ein SMS; informiere, dass wir eingetroffen sind, und wir sie morgen, wie vereinbart, zu einer gemeinsamen Boots-Fahrt erwarten. Mit einem Fussmarsch von einer Viertelstunde erreichen wir die City; und stellen fest, dass das Angebot an Mode ausverkaufenden Geschäften ("Solde") immer in etwa dasselbe ist, ob man in Montbéliard, Dole oder Châlon bummelt, die Boutiquenketten sind alle gleich.

Und die Schiffsdamen haben so die einmalige Gelegenheit, etwas, was sie im letzten Städtchen (natürlich wider besseren Wissens liegen gelassen haben) nun doch noch erstehen zu können. Anwesende und nahe Angehörige sind davon natürlich nicht betroffen. Erschöpft schnappen wir uns zwei Tischchen unter der Schirmherrschaft des ältesten Hauses am Platz (offenbar im 14. Jh. erstellt). Während der Löschaktion mit einem kühlen Bier läutet doch tatsächlich auch mal mein Händy (was ziemlich selten ist, denn mit meiner Nummer hausier ich nicht). Es ist Res; er informiert, dass sie (auch) schon in der Stadt sind, und wir treffen uns ein paar Minuten später; sie sind auch durstig …

Wir haben einander viel zu erzählen und vereinbaren schliesslich ein gemeinsames Dîner im "Poisson d'Or" (o.s.ä., jedenfalls das Gasthaus, welches angeblich 17 Punkte ; Fische, Kochlöffel oder was sonst auch immer, in einem der anerkannten französischen Gourmetführer erhalten hat). Nach einem Entdecker-Menü resümieren wir: Das Lokal ist schön, der Service höflich und gut, das Essen fein und für das Gebotene nicht überteuert; über die Reihenfolge dieser Wertung darf man sich streiten.

Vom nahen Sportplatz dringen nach 22 Uhr Musikfetzen sogar bis zum Restaurant. Uns schwant übles, schon als wir mittags im Hafen belegten, tönte es so, als würde mindestens eine Rappergruppe einen Soundcheck vornehmen. Aber was unseres Erachtens eigentlich nicht sein dürfte, denn die Liegegebühren sind ja nicht so horrend, als dass darin auch noch die Musikrechte an einem Konzert enthalten sein könnten; tritt nun ein: Als wir um halb elf Uhr den dunklen Rückweg antreten, ist der Sportplatz vis-a-vis dem Hafen hell erleucht, harte Bässe, schrille Frauenstimmen und laute, wirre Rhythmen verunsichern Mensch und Tier. Entengeschwader fliegen irritiert quäkend durch die Nacht. Auf unserem Deck genehmigen wir uns trotzdem (oder jetzt erst recht) einen Schlummertrunk und dann steht etwas recht schmerzliches an; die Verabschiedung von Christa und Martin, die morgen mit ihrem "Meitli" nicht wie wir, die den südlichsten Punkt jetzt erreicht haben und nun langsam wieder zurückfahren; in Richtung Lyon starten, in etwa 3 weiteren Tagen das Mittelmeer erreichen werden, um dort ihren Mast aufstellen zu lassen und dann ihre Weltreise definitiv zu starten …. Tja, es geht zwar ohne Tränen, aber wir hatten gemeinsam in den letzen 8 Tagen doch sehr viel erlebt, da ist einiges an sympathischen Regungen zusammengelaufen. Diese Rührung unsererseits greift dann  sogar auf die Rappergilde über, aber erst als klar wird, dass es sich nicht (wie befürchtet) um eine Openair-Veranstaltung bis tief in den nächsten Tag hinein handelt, sondern um Punkt Mitternacht Schluss mit dem Lärm ist.

Am Samstagmorgen um sieben Uhr sind die Segler schon weg, ein netter Abschiedsgruss, auf die Rückseite einer Ansichtskarte gekritzelt, liegt auf unserem Achterdeck; .... "ja, ja, fahrt auch gut, wünschen wir Euch auch, und macht, dass Ihr heil zurück kommt und wir Euch, schliesslich wohntet ihr ja damals, noch unbekannterweise, nicht weit weg von uns, bald mal wieder sehen". Wir starten auch bald, haben wir doch um 10 Uhr (oder kurz danach, auf dem Fluss hat man es nicht so mit den Minuten) mit Res und Erika an der ersten Schleuse der "Seille" abgemacht. Sie sind noch einkaufen gegangen, haben mit dem dortigen Eclusier einen Abstellplatz für ihr Auto aushandeln können, und warten nun auf uns, um uns die nächsten 3 Tage zu begleiten. Alles klappt, wir finden die Saône nun wieder aufwärts fahrend, die unscheinbare Einmündung des Flüsschens und biegen rund 2 Std. nach dem Start in Macon rechts ab. Diesmal kommt es zu keiner Grundberührung vor der ersten Ecluse und wir stellen erfreut fest, dass hier (und auch vor den folgenden Anlagen) in den letzten Jahren kurze Schwimmpontons eingerichtet wurden. Jetzt kann man 50 Meter vor den Toren belegen und bequem einen Teil der Mannschaft zur Bedienung der Schleusen 2 – 4 aussetzen. Die erste Schleuse wird von einem Studenten bedient, wir lassen uns heben und beladen dann oben unser Schiff mit dem Gepäck der Gäste.

Da Res unbedingt mit Erika einmal zelten möchte, kommen nun sogar mal Camping-Utensilien auf unserem Deck zu liegen! Gegen 11 Uhr und inzwischen wieder schönstem, heissen Wetter legen wir ab. Der ganz besondere Zauber der "Seille" nimmt uns sofort alle gefangen; es ist so hübsch hier, der eng gewundene Fluss gut überblickbar, die schönen Bäume am Ufer, das viele Schilf, die alten, aber meist gepflegten Häuser, das kühle erfrischende Nass. Wir fahren durch einige Badehalte und eine Salamipause unterbrochen, binnen etwa 4 Stunden über Cuisery (voller Steg, keine Anlegechance) hinaus, finden ein hübsches, steiles Bord, teilweise unter einem Baum, tasten genügend Wassertiefe für Aramis ab und belegen mit 3 Seilen und Heringen. Dann wird eine Feuerstelle gebastelt, Holz gesucht und das Zelt aufgebaut, alles klappt. Res grilliert "Tournedos" aus Charolais-Beständen (also Fleisch vom edelsten Teil der hiesigen Prachtsrinder), Ariane und Erika machen einen superfeinen griechischen Salat, ich finde in den Tiefen des Bordkellers den richtigen Roten. Das Essen schmeckt, da würden, müssten wir kulinarische Vergnügen bewerten, auch 25 Sterne oder Kochlöffel nicht ausreichen. So gegen 19 Uhr verlieren wir dann aber für kurze Zeit den Glauben allein auf der Welt zu sein, denn in Abständen von 10 Minuten fahren sicher ein Dutzend Mietboote, wohl alle von der Charterbasis in Branges ausgespiehen, Richtung Cuisery. Dort wird's wohl jetzt noch enger … und die Schilfborde noch etwas mehr ausgedünnt.

Wir plaudern, hören Musik, geniessen die Natur und kühlen uns vor und nach dem Znacht nochmals im Flusswasser ab. Als es dunkel wird, mahnt Res, dass es nun langsam Zeit wird, den Weg zum Zelt (steht in Schiffslänge Abstand am Ufer) in Angriff zu nehmen. Er will ja unbedingt mit Erika mal …. zelten. Ariane weist noch einmal darauf hin, dass ein vorbereitetes Bett in der Bugkabine wartet, falls die Launen der Natur (etwa in Form von Ohrmügglern oder einem Platzregen) zuschlagen sollten. Dann wird es langsam ruhig … wir schlafen hervorragend.

Nicht nur wir, auch sie werden erst wieder wach, als um halb sechs in der Früh offenbar ein Fischer mit seinem Aussenborder wie eine gesengte Sau den Flusslauf hoch flitzt und nicht nur durch den ungewohnten Lärm, sondern auch die spürbaren Wellen unangenehm auffällt. Dem scheint nicht einmal der Sonntag heilig. Als die Sonne das Kondenswasser vom Zeltstoff wieder einigermassen aufgesogen hat, packen wir alles ein und fahren weiter. Um die Mittagszeit machen wir am Ende der nur für 39 Km. schiffbaren Seille in Louhans fest. Die inzwischen aufgekommenen Wolken stehen nicht für's beste Fotowetter, aber sonst gefällt alles. Schöne alte Häuser, 157 Arkaden (nein, wir haben sie nicht gezählt, sondern die Zahl von diversen Plakaten abgelesen).

Der Plan ein Poulet de Bresse zu erstehen und es abends auf den Grill zu hauen, scheitert daran, dass keine Lebensmittelgeschäfte mehr offen haben. Das Einkaufscenter nächst dem Hafen hätte bis halb eins einen Einkauf zugelassen, aber nun straft man unser Unwissen mit heruntergelassenen Rollläden. Gegen halb Zwei regt sich Hunger und wir suchen etwas Nettes mit Gartensitzplatz, den es ist sehr schwül. Denkste, auch das gelingt nicht, um 10 nach Zwei orten wir zwar eine Pizzeria (wir hätten jetzt alles gegessen), wo wir aber nur darauf hingewiesen werden, dass nur bis zwei Uhr bedient wird. Nein, keine Ausnahme! Immerhin erhalten wir einen Hinweis auf ein anderes Lokal im nächsten Quartier. Das stinkt uns, wir kaufen ein Brot und klimatisierte Pattiserie und verdrücken uns auf's gut belüftete Achterdeck, kramen in den Vorräten einige Büchsen Paté hervor, schneiden Früchte und Käse auf und werden gut satt. Dann raus aus dem Ort, Badeleiter runter, Badehosen hoch und ins Wasser. Ein junger, von uns inmitten des Dorfes zuvor noch angesprochener Aussteigertyp mit zwei dörflichen Tussies meinte, es wäre möglich, das es in Branges eine Charcuterie gäbe, die auch Sonntagmittags offen halte. Wir prüfen dies vor Ort nach und können bestätigen, dass er nicht recht hat, dass ihn seine Erinnerungen trügen. Auch Branges ringt uns damit keine weiteren Euros ab. Wir finden nach zwei vergeblichen Anläufen mit Anlegemanövern an Ufern, wo wir kaum sicher an Land und später wieder auf''s Schiff zurück hätten springen können, einen Superplatz mit Schatten und der Möglichkeit das Zelt wieder einigermassen gerade aufzubauen und, natürlich, auch weiter Baden zu können. Auch das Abendmahl wird aus Bordvorräten zur allgemeinen Zufriedenheit bestritten und wir loben Gott und die Welt, dass es noch so schöne Ecken gibt. Das einzige Auto welches uns auf einem Feldweg neben Schiff und Zelt zuerst in die eine Richtung, dann ein paar Minuten später auch wieder in der Gegenrichtung passiert, gehört einem fussmüden Franzosen-Pärchen mit 2 grossen Hunden. Diese (die Hunde!) rennen neben dem Wagen her und beschnuppern uns ausgiebig. Ein Hupkonzert gibt es heute Abend nicht (mehr), Frankreich wurde, akustisch einwandfrei nachzuweisen, nicht Fussball-Weltmeister. Auch diese Nacht verbringen unsere Gäste (freiwillig) im kleinen Zelt neben dem Schiff.

Am Montag der dritten Woche fahren wir langsam, durch mehrere Badehalte am Hilfsanker unterbrochen, zurück. Mein selbstgebackenes Brot ging gestern zur Neige und wir waren nicht lange genug in Louhans um uns ans Stromnetz zu hängen und zu backen, also gibt's nun eine Härtetest für Umformer und Bordbatterien, ich backe unter- wegs und … siehe da, es klappt, der BBA (Brotbackautomat) ist strommässig bescheiden, zieht nicht zuviel Energie, innert knapp 4 Std. verlässt ein herrlich Düftchen die Kombüse. Über Mittag machen wir in der Bücherstadt Cuisery Halt; Städtlibesichtigung und Vergnügungseinkauf in einer der Boulangerien. Kalorientanken; schwimmen im Kanal macht auch hungrig. Die 3 selber zu bedienenden Schleusen verursachen keine Schweissausbrüche, denn unsere Gäste bestehen jeweils darauf vor den Anlagen ausgesetzt zu werden und übernehmen die Muskelarbeit. Gegen 16 Uhr sind wir wieder an der Seille-Mündung vor Schleuse "la Truchère 1". Res und Erika steigen hier aus und in ihr Auto um; sie haben Verpflichtungen zuhause und verabschieden sich herzlich; wir verlebten 3 sehr schöne Tage zu viert.

Wir halten fest, dass es sich nach wie vor lohnt, der Seille einen Besuch abzustatten, aber schönes Wetter ist dafür fast eine Vorraussetzung und von einem "Geheimtipp" kann man sicher nicht mehr sprechen. Die Mietbootfahrer haben das Gebiet längst ebenfalls entdeckt. Vermisst hat der Schreiber die einst kilometergrossen Poulet-Weideflächen entlang des Flusslaufes. Kein Federvieh mehr, welches hier stressfrei heranwachsen, im natürlichen Boden herumpicken und im Fluss die Füsse kühlen kann. Vermutlich haben wir diese nun fehlenden Fotosujets der Vogelgrippe zu verdanken nach der Verabschiedung von unseren Freunden wir weiter die Saône hinauf. Bei Kilometer 123 besteht in der "ancienne écluse de Gigny" die Möglichkeit zu übernachten, Strom zu beziehen und Wasser aufzunehmen. Wir machen davon Gebrauch, werden freundlich empfangen und eingewiesen. Eigentlich ein schöner Platz, doch auch nach Sonnenuntergang will es im Schiff nicht merklich kühler werden, die dicken Schleusenmauern haben den Tag durch offensichtlich soviel Wärme getankt, die sie nun abgeben, dass es lange dauert, bis das Bordklima an erholsamen Schlaf überhaupt nur denken lässt. Aber an frühen Schlaf käme man wohl auch sonst nicht, denn die Beiz mit Gartensitzplätzen im ehemaligen Schleusengebäude ist gut besucht. Und, wenn wir grad vom Klima sprechen, es ist schade, dass die Wasserskizugboote im vorderen Teil der Schleuse belegen, ihre Passage mit den stinkenden Benzinmotoren macht keine Freude, deren Geruch hält sich im Becken doch einige Zeit fest. Immerhin, die Berufsschiffer passieren die Anlage alle mit gemässigtem Tempo, es bildet sich kaum Schwell und man liegt recht ruhig.

Der Dienstag kommt, wie der Montag ging, die Sonne brennt voll auf uns runter, ich steige, jawohl und natürlich erst, nachdem ich der NEspressomaschine für meine Lebensgefährtin den obligaten Morgen-Kaffe entlockte,  in den jetzt angenehm kühlen Motorraum hinunter, prüfe den Ölstand (wieder etwas weniger, mindestens unser Vetus beharrt auf ständiger Zwischenverpflegung) und demontiere den Wasserfilter um ihn zu reinigen. Nach dessen Auswaschen im Hafenwasser setze ich ihn wieder ein und drehe ihn, wie schon so oft, fest, etwas kommt mir aber anders vor …. Nach dem lösen aller Leinen wird der Motor gestartet und springt auch (wie gewohnt) prompt an, ich fahre langsam aus der Schleusenanlage und wieder die Saône hoch. Nach kaum 50 Metern pfeift mich etwas an, nein, es kommt nicht von Ariane, sondern ein Geräusch aus dem Armaturenbrett und ein rotes Lämpchen unten links leuchten. Ich stelle den Motor ab und nachdem der Fluss kaum Strömung hat, beschliesse ich den Fehler gleich hier zu suchen.

Ich wecke die Beste aller Bordfrauen und heisse sie kurz auf möglichen Gegenverkehr oder Überholer zu achten, suche das Motorhandbuch; und aha, das rot leuchtende Symbol hat mit dem Aussenkühlkreis zu tun, also wieder runter in den Motor, den Wasserfilter nochmals losschrauben und wieder anziehen. Neuer Start, jetzt ist alles wieder o.k.; war etwas im Gewinde, welches Luft ziehen konnte? Schon vor Mittag sind wir in Châlon-sur-Saône und bummeln (nochmals) durch die brütendheisse Innenstadt und finden doch tatsächlich beide etwas zum shoppen. Die Erben des Erfinders der Klimaanlage müssten eigentlich von den Boutiquen und Kleidergeschäften in südlichen Regionen noch heute Tantiemen erhalten; denn welchem nicht zugegeben schizophrenen Kunden käme es ohne diese Geräte im Juli in den Sinn, sich zwei Pullover zu kaufen? Ein Einkauf im hafennahen Carrefour-Einkaufscenter wo wir einmal mehr kiloweise Früchte, Joghurts und Quark (Fromage blanc) erstehen, rundet unseren Eurovernichtungs-Goodwill ab und wir sind froh, dass wir endlich wieder raus aus der Stadt, auf den doch einige Grade kühleren Fluss dürfen. Wir tuckern mit feinem Fahrtwind nördlich und sind gegen 19 Uhr vor Verdun. Nur, diesmal drängeln wir uns nicht auch noch an den schon gut gefüllten Steg sondern fahren in den, nach Karte noch über knapp 7 Kilometer schiffbaren, Flussabschnitt ein und hoch. Nach Passage der Sand- und Kiesverladeanlage sieht man keine Häuser mehr; fast nur noch schöne Baumbestandene Borde. Hie und da parken Schifferbötchen am Ufer, in den einen sieht es schon aus wie in einem Mini-Biotop, es wächst Schilf, Seerosen blühen; lassen ahnen, dass sie vom Besitzer wohl schon vor längerer Zeit aufgegeben wurden. Nach Karte befindet sich die Fahrrinne in Flussmitte, und unsere Ausgabe von 1991 (man leistet sich ja nicht jedes Jahr das letzte Modell) macht auf Berufsverkehr aufmerksam, also speziell Sand- und Kiestransporte. Die "Plaisanciers" werden gebeten, die "Partikulierer" nicht zu behindern. Nach etwa 3 Kilometern Fahrt planen wir ein Ankermanöver und tasten darum die Wassertiefe dem rechten Ufer entlang ab. Kein Problem, zwischen 5 und 12 Metern (!!) Also lassen wir den Hauptanker jetzt fallen und stabilisieren das Heck in der nicht sofort Ortungsbahren Fliessrichtung mit einem Hilfsanker. Wir verspeisen auf Deck das zuletzt erstandene und inzwischen noch immer nicht erkaltete Grillhuhn (nein, nicht aus Bresse, es kam nach EU-Deklaration von etwas weiter her) und geniessen einen wunderschönen Abend. Rundum springen beachtliche Fische aus den Fluten und hinterlassen meterweite sich zuweilen überschneidende Kringelfelder. Einige Froschpärchen quacken und animieren zur Arterhaltung, Reiher kreisen, Natur pur. Nur ist es leider auch hier mit abendlicher Abkühlung nicht weit her, um 4 Uhr morgens messe ich noch immer über 24 Grad Aussentemperatur ….

Wen wunderts, dass also der Mittwoch gleich schon mit einem Bad begonnen wird. Interessanterweise ist allerdings das Wasser hier recht frisch, nicht mit der lauwarmen Qualität der Saône vergleichbar. Warum nur kühlte uns (und das Schiff) dieses nicht mehr ab? Ariane beschliesst, dass wir diesen Ort noch etwas geniessen und holt nach dem Zmorgen ihr Malzeugs hervor, beendet Nr. 1 der Mirógel-Serie und nahm Nr. 2 in Angriff. Grundierung und Tönung des Untergrundes in "Alt"-Gold. Mehr wird noch nicht verraten, schliesslich soll ja auch noch wer an die nächste Vernissage kommen. Gegen halb vier haben wir (voll am Schatten!) genug geschwitzt und wollen nun den Rest der mit Schiffen befahrbaren Strecke auch noch sehen. Es bleibt lauschig, still, hie und da orten wir zwar ein paar Fischer, ein Dorf, viele graue, einige kleine weisse, wie wir später erfahren "Seiden"- Reiher, herzig anzuschauen mit ihren gelben Söckchen. Auffallend wenige Schwäne. Vor dem SNCF-Viadukt wenden wir und fahren wieder zurück. Da der Tiefenmesser ständig 3 und mehr Meter anzeigte, beachte ich ihn nicht mehr. Dies wenigstens bis es dann mal

 

 

 

 

gehörig rumpelt und wir kurz etwas angehoben werden; was liegt hier wohl vergessenes im Fluss ? Der Rest der Fahrt verläuft ereignislos, bei der Mündung passieren wir wieder Verdun-s-l-Doubs und den überfüllten Steg und biegen dann, die Ile du Château umrundend, hart nach steuerbord in die Saône ein.

Gegen 18:30 funke ich Ecuelles 6 an, die nach einer älteren Auskunft von Sepp W. handschriftlich in meinem Plan als "Katastrophenschleuse mit Riesenwellen" bezeichnet ist und ernte auf meinen Schleusungswunsch ein kurzes, knappes "o.K.". Weit und breit befindet sich kein anderes Schiff, wir laufen also (ohne gezeigte oder gar montierte Schwimmwesten) als einziges Schiff ein und belegen am zweithintersten Festmacher der (leider) nicht mit Schwimmpollern ausgerüsteten Anlage, dort wo es beim jetzigen Sonnenstand durch die Schleusenbrücke gerade noch etwas Schatten hatte. Ich übernehme die auf die Mittelklampe geführte Leine, da gerade keine andere Arbeit ansteht und warte, Routine … Die Tore werden bald geschlossen und das Fluten beginnt, und wie! Aramis zerrt an den Seilen wie noch nie, gut hat Ariane mit einem der neueren vorgespurt; es ächzt und giert und ich bin nicht sicher, ob Poller und Tau das bis oben aushalten. Im vorderen Teil der Schleusenkammer bilden sich grosse Wellen und diese bleiben uns sogar noch erhalten, als die vorderen Tore schon wieder geöffnet werden und bald offen stehen. Wir warten eine ganze Weile, bevor wir ablegen und ausfahren. Ich erneuere also die Warnung vor dieser Anlage, sie hat etwas Unheimliches (sei's ein Baufehler oder ein wichtigtuerischer Eclusier) an sich, behaltet beim Fluten das Schiff gut im Auge, verwendet nur gutes, intaktes Tauwerk und lasst nur jemanden die Seile führen, der auch genügend Kraft hat, das Schiff in Balance zu halten!

Nach diesem Krafttraining besonderer Art erhalte ich etwas Kühles zu trinken. Bald passieren wir Seurre und biegen in den Altarm Richtung Lechâtelet ab. Das Wasser scheint hier nicht mehr so sauber, ladet uns trotz grosser Hitze nicht zum Bade. Wir fahren, inzwischen ist es schon nach halb acht,
  noch unter der Autobahnbrücke der A36 durch und werfen dann, noch in Sicht-, aber kaum mehr in Hörweite wiederum 2 Anker aus. Der Fluss ist hier mit guten 2 Metern nicht sehr tief und erst als sich der Untergrund nach unserem Manöver beruhigt hat, sehen wir den üppigen Pflanzenwuchs bis hoch zur Wasseroberfläche. Aber was soll's; nach einer erneuten Prüfung der Wasserqualität, die nun (wenn der Schweiss runterläuft versiegt die Kritik weitgehend), positiv ausfällt, kühlen wir uns ab. Während des Znachts staunen wir einmal mehr, was auf der fernen Autobahnbrücke alles durchtobt; …. Lastwagenweise neue Autos von links nach rechts, ein paar Minuten später wieder ein ganzer Konvoi LKW's mit neuen Autos von rechts nach links. Was kann das alles nur für einen tieferen Sinn haben? Quakende Fröscheorgien links und rechts am Ufer lösen uns dann aber aus dem Grübeln, die wissen wenigstens was sie tun.

Das Gequacke begleitet uns sogar noch, als wir an meinem Geburtstag, dem 13.7, dem zu Ehren in Frankreich immer einen Tag später ein grosses Fest abgehalten wird, die Anker einziehen und das Stück bis Lechâtelet hoch "gleiten". Morgens als erstes Schiff unterwegs zu sein, die ganze Landschaft noch im Spiegelbild des Wassers zu sehen, ist ein Erlebnis für sich. Kurz vor dem Ort wenden wir und fahren nun wieder Richtung Seurre zurück. Gegen 11 Uhr sind wir vor dem Ort. Der Ponton längs dem Kanal vor der Schleuse ist besetzt, keine Lücke ist so gross, wie Aramis lang ist. Ein offensichtlich neuer Steg, an den mit dem Bug belegt werden soll, und der immer nach zwei Schiffsbreiten einen kleinen Schwimmponton im 90 Gradwinkel dazu erhielt, näher dem Ort ist mit rot/weissen Plastikbändeln "abgesperrt", was das soll, ergründen wir vom Schiff aus leider nicht. Also peilen wir das Hafenbecken neben dem Längssteg und der Schleuse an. Während der Einfahrt entdecke ich das schon etwas verbleichte und verwitterte Schild, welches Passanten nach aussen weist. Die will man also nicht drin haben. Versteh ich zwar, da bekanntermassen viele Charterer das Wasser hier sehr unsicher machen, ist aber doch nicht schön, wenn sonst alles belegt oder noch nicht freigegeben ist. Wir stoppen auf und ich will in der Einfahrt wenden, was aber leider nicht geht! Denn das Steuer lässt sich plötzlich ganz leicht drehen, hat keinen fühlbaren Anschlag mehr, setzt meine Lenkwünsche nicht mehr um. Grosse Irritation; das Schiff ist ja noch nicht einmal 4 jährig und wird periodisch gewartet!

Also „bug“strahlen, dann Rückwärtsgang rein und ins Fahrwasser hinaus. Kurbeln, kurbeln, nach links, nach rechts, umsonst, das Ruder will nicht einschlagen. An der nahen Schleuse öffnen sich eben die unteren Tore und geben den Blick auf einen die ganze Breite füllenden Schubverband frei. Nicht gut, den möchten und sollten wir nicht wirklich behindern …. Irgendwie gelingt es durch wildes Kurbeln in bangen Sekunden, das Ruderblatt wenigstens einigermassen in gerade Stellung zu bekommen, so dass wir mit Bugstrahlhilfe zurück in die Einmündung des Altarms gelangen. Die Wassertiefe wird mit rund 5 Metern angezeigt, es windet kräftig und ich beeile mich, den Buganker zu lösen und runterzulassen. Dann noch den Heckanker zur Stabilisierung, puhh, schon wieder ziemlich Dusel gehabt, wir liegen für den Moment ausserhalb des Fahrwassers und behindern niemanden, der Schubverband zieht inzwischen 30 Meter vor uns gemächlich durch. Ich mache mir nun Gedanken, was wohl der Grund für den Ausfall der Steuer-Hydraulik sein könnte. Die Matratzen im Bett der Achterkabine werden zur Seite geschoben, der Lattenrost entfernt, die Klappe über dem Lenkstock der Steuerung geöffnet; aha, hier liegt eine kleine Lache helles Hydrauliköl. Das gleiche unter der Klappe zwischen WC und Dusche, wo auch der Rotweinvorrat im dunkeln vor sich hindöst und auf seinen Verzerr wartet, auch hier fristet eine kleine Lache ihr ebenso unerwünschtes wie bisher nicht erkanntes Dasein. Und ich entdecke eine solche, wie die Erinnerung jetzt einsetzt, nicht zum ersten Mal. Ich habe hier schon grössere Ölspritzer gefunden, als das Schiff noch ganz neu war und unserem Verkäufer auch gezeigt. Der Fund wurde von ihm aber nicht hochgespielt, sondern mit "vermutlicher Überfüllung" und "Austritt bei grosser Hitze" erklärt. Damals und später (eben im heissen Sommer 2003) nochmals habe ich die Stellen mit 2 oder 3 Blättern Haushaltpapier trockengelegt; könnte es sein, dass nun zuwenig vom kostbaren Saft in den Leitungen steckt?

"Hydrauliköl" habe ich wissentlich keines dabei, obwohl ich die Werft anhielt, mir von allen Sachen, die wir einmal dringend benötigen könnten, etwas mitzugeben. Aber Getriebeöl ist da, da ich vor der Abreise in Sneek  speziell nochmals darum bat. Das muss sicher (oder wenigstens hoffentlich) ähnlich wirken; also sofort jenen, erinnerungsmässig von Hand mit Filzstift mit "AFS" bekritzelten kleinen weissen Bidon suchen, dann die 22-er Schraube beim Steuerkranz lösen, reinschauen. Tatsächlich ist es "vor Ort" knochentrocken, hier sollte es doch sicher flutschen. Aber wie bringt man hier Öl rein; der zur Verfügung stehende Platz ist minim. Wo hat es einen Trichter? Keiner in dieser Grösse verfügbar! Leere Café-Blechbüchse muss also herhalten, zurecht quetschen, Öl hier zwischenlagern dann in den Stutzen umfüllen, Lenkrad drehen und beruhigt zusehen, wie das Öl gierig glucksend in der Tiefe verschwindet. Nach ca. einem Deziliter und einigen Drehungen spüre ich freundlicherweise wieder so etwas wie einen Anschlag rechts, noch etwas einfüllen, drehen, der Anschlag zeigt sich auch auf der anderen Seite. Ariane wird in die Achterkabine runter delegiert und bestätigt von da, dass jetzt das Ruderspiel wieder Form annimmt, beide Richtungen wieder bis zum harten Anschlag drehbar sind.

Inzwischen hat die Beste aller Beobachterinnen geortet, dass Seurre gerade jetzt, während unserer erfolgreichen Reparaturbemühungen die Bändel von den neuen Steganlagen entfernte und sofort zwei Schiffe dort festmachen wollten. Nur eines, ein Mietschiff mit kaum Tiefgang, ist aber jetzt und offenbar auch erst nach einigem Hin- und Her dort auch tatsächlich belegt, das andere, ein 9 oder 10 Meter Boot, hätte vorwärts einige Anläufe genommen, sei dann aber wieder an den Längssteg zurückgekehrt. Hat man ein zweites Clerval geschaffen; oder was? Wir verzichten auf eigene Versuche, unser täglich Plansoll an Überraschungen erachten wir für heute schon als erfüllt, entern dafür die gerade offen stehende und Grünlicht anzeigende Schleusenkammer. Ohne Schwimmwesten. Und werden nicht daran erinnert. Während der Schleusung telefoniere ich mit Sepp (meiner mobilen Anlaufstelle für ernstere Schiffsprobleme), erfahre, dass sie sich gerade auf dem Weg nach Südholland befänden um sich auf ein neues Schiffsabenteuer mit einem neuen Schiffstyp welcher dann nicht mehr "Elephant" heissen soll, einzulassen, erzähle ihm vom Vorfall und der vermutlich nicht ganz kompatiblen Lösung. Sepp beruhigt aber, das verwendete Getriebeöl sei zwar nicht gleich liquid und könnte bei Kälte dann vermutlich irgendwann schon durch harzen auffallen, aber für den Moment sollte es der Anlage nicht schaden. Danke Sepp!

Wir fahren also beruhigt weiter und sind gegen 14 Uhr kurz vor der alten H2O-Schleuse, als sich der Himmel immer wolkenverhangener zeigt, deren Färbung dunkelgrau wird, es so scheint, als würde sich von Westen her ein währschaftes Gewitter abzeichnen. Wind kommt auf, wird stärker, Böen ziehen Muster übers Wasser. Wir beschliessen auf einen weiteren Sturm auf dem Fluss zu verzichten und fahren drum durch die Verengung der Schleuse, den zahlreichen, mehr oder weniger ausgebauten, mehr oder weniger schönen, mehr oder wenig unterhaltenen Pénichen entlang in das kurze Kanalstück ein und belegen an einem Museumsexemplar. Keine 5 Minuten später blitzt und donnert es gewaltig, auch etwas Regen setzt ein und sogar einige vereinzelte Hagelkörner verirren sich hierher. Nach 20 Minuten ist der Spuk aber schon wieder vorbei, wir legen wieder ab, fahren zurück und erreichen bald das Hafenbecken von St. Jean-de-Losnes. Im Fachgeschäft beschaffen wir uns zwei neue Ankerbirli und 2 Lt. Hydrauliköl. Im nahen "Casino" ergattern wir in sehr angenehmer Ladenkühle die letzten 3 "Ecorse de sapin", dann verlassen wir den drückend heissen Hafen und Ort fluchtmässig.

Die Saône hoch kommen wir allerdings nicht, weil direkt unter der grossen Brücke ein "Concours de Canu" ausgetragen wird und deswegen offenbar alle Schiffsbewegungen von Nord nach Süd und umgekehrt eingefroren werden. Ein Begleitboot fängt uns kurz nach der Hafenausfahrt ab und heisst uns zu warten. Wir sollen irgendwo belegen, es dauere sicher noch rund 45 Minuten. Einen Tipp, wo wir festmachen könnten, bleiben die Typen allerdings schuldig, also werfen wir bald und einmal mehr den Anker und baden. Mehrere (Start-)Schüsse fallen und die Dinge nehmen ihren Weg, "on va gagner". Als unser Flussarrest aufgehoben wird, fahren wir nördlich, an der Einmündung des Rhin-Rhône-Canals vorbei, etwa 3 – 4 Kilometer weiter hoch und ankern gerade unterhalb der Stelle, wo wegen des Deltas eines einmündenden Flüsschens alle Schiffe hart backbord passieren müssen. Dies nachdem uns, in einem 1. Anlauf, etwas weiter unten, eine Péniche, die, flussabwärts; partout ganz am rechten Ufer zirkulieren wollte, fast über die Ankerkette gefahren wäre. Gegen 20 Uhr lässt der rauhe Wind plötzlich nach und die Wolken verschwinden, die Gefahr eines nächtlichen Sturms und Gewitters scheint, dies beruhigt, gebannt. Vor 22 Uhr tauchen wir nochmals in die Fluten, aber es bringt leider in Anbetracht der Affenhitze nicht viel. Dann überlassen wir den Moskitos das Feld.

Vendredi, 14 juillet! der Tag nach meinem Geburtstag. Wir fahren zur Kanaleinmündung runter und warten zusammen mit einem englischen Plaisancier vor dem mit Rotlicht bewehrten Tor die Ausfahrt einer gerade am absenken begriffenen Péniche ab. Just als sich die Tore öffnen und sich der Koloss herausschiebt, taucht von St. Jean her eine weitere auf und fährt, ohne gross bremsen zu müssen, an uns vorbei, in die jetzt leere Kammer. Prioritè; ja, ja, kennen wir, wir übersetzen es schlicht mit "
das Recht der Schnecken". Kann es schlimmer kommen?

 

 

 

 


ORIGINAL