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der 240kg Brocken - unser Znacht
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Lanzarote, Teil 2 (oder „Plan B“)

Lanzarote, Teil 2 (oder „Plan B“)

24.11.2006 10:42:32 (View count: 2251)

Las Palmas de Gran Canaria, 23. November 2006

Der Plan war: wegen Westwind 2-3 Tage in Marina Rubicon bleiben und dann nach Teneriffa weiter. Das war der Plan.

Wir hatten also Zeit um noch ein paar Dinge zu erledigen und die Gelegenheit genutzt unser Rigg (für Nichtsegler: die Drahtseile die den Mast abspannen) von einem Profi checken zu lassen. Wir hatten schon auf dem Festland zwei lose Nieten an einem Mastbeschlag ganz zuoberst entdeckt und wollten vor dem grossen Teich einfach noch eine Second Opinion. Henning ein Deutscher Rigger, der hier sein Geschäft hat, hat alles unter die Lupe genommen. Ist den Mast hoch und runter und hat uns bestätigt, dass das Rigg optisch in gutem Zustand ist, aber schon ein paar Stellen auf mögliche verborgene Probleme hindeuten. Wir haben dann mit dem Rigger der Werft in England gesprochen, und da unser Rigg 17 jährig ist haben wir uns kurzerhand entschlossen in den sauren Apfel zu beissen und dies komplett zu erneuern. Wir wollten einfach kein Risiko eingehen, den Mast mitten auf dem Atlantico zu verlieren wäre zu gefährlich – Im nachhinein haben wir dann erfahren, dass die meisten Englischen und Französischen Versicherungen keine Schiffe mit Riggs, die älter als 10 Jahre sind, unter Vertrag nehmen…
Wir hatten also Zeit – die Terminals wurden aus England bestellt (weil Spezialmass), die sollten dann in Teneriffa auf die Stahlseile gepresst werden und hierhin geschickt werden. Das war der neue Plan.
Das Übel am Plan: wir sind immer noch auf Lanzarote – die Insel, die nicht sehr gross ist und die wir schon kennen… Neben einem Ausflug per Fähre nach Fuerteventura – Landschaft noch öder – haben wir uns hauptsächlich mit Vorbereitungen für den Transatlantiktörn beschäftigt, damit wir in Las Palmas (unser „Abfahrtsort“) nichts mehr tun müssen. Nebenbei haben wir wieder Bekanntschaften gemacht:  

-         mit Marlies und Fred auf Lifedream II: Sie haben Ihr zweites Schiff diesen Frühling gekauft, er ist 76, und sie gehen auch in die Karibik. Von Ihnen haben wir das Rezept für Bündnerfleisch.

-         Mit Jürg und seiner Familie auf Pareto III, einer Wauquiez. Ein Norwegischer Projektarbeiter, mit viel Freiräumen zum Segeln.

-         Mit Judith und Harry, Österreicher auf Durrus, einer 34 Fuss Dufour mit Jahrgang 70er Jahre. Sie segeln ebenfalls in die Karibik.

-         Mit Ueli und Thomas – die Ihre Hallberg Rassy 34 als Ferienwohnung benutzen und ab und zu „daysailen“ – wasfüreinunwort.

-         Mit Robert und seiner Isländischen Freundin, Er ist ehemaliger Microsoftverkäufer und seit fünf Jahren unterwegs.

-         Mit Dieter aus Lörrach, Einhandsegler auf einer Nautor Swan, der nach Australien will und sich von Astronautennahrung ernährt.

-         Mit „Blue Marlin“, einem 240kg Schwertfisch, der unser Nachbar eines Tages frisch gefangen hat. Er hat uns einen dicken Brocke bestes Fleisch geschenkt. Lecker Z’nacht. Mussten Fred und Marlies einladen zum Schwertfischsteakessen, am nächsten Tag hat es noch für Fischcurry gereicht.

-        

Als schliesslich nach fast 10 Tagen (dazwischen war ja noch Allerheiligen) die Ware auf Lanzarote war, haben wir endeckt, dass die falschen Terminals aufgepresst wurden! Waren am Boden zerstört…. Frustriert und hätten alle Englischen, Teneriffischen, Lanzarotinischen und Deutschen Rigger erwürgen können. Ruhig Blut haben wir uns gesagt, also „workaround“ - Alternativen prüfen und Plan C zücken. Vor- und Achterstag waren nicht davon betroffen, die konnten wir ja montieren. Und weil ein Übel selten alleine kommt hat Martin bei der Inspektion des Bugbeschlages einen 4cm langen Riss in der Schweissnaht entdeckt – war auch ein selten dummer Konstrukteur, der diesen Bugbeschlag designt hat. Auch ihn hätten wir erwürgen können. Also Plan C2. Bugbeschlag demontieren, reparaturschweissen, verstärken und Krafteinleitung optimieren.
Ein Kran aus rostfreiem Stahl hat Henning uns noch geschweisst, damit wir unseren Aussenborder vom Beiboot bequem und sicher an Bord hieven können. Christa hat einen neuen Keder ins Vorliek der Genua eingenäht, weil die Nut des neuen Vorstagprofils dünner ist – auch das hat uns geärgert, weil wir darauf aufmerksam gemacht haben…

Man glaubt es kaum: am 10. November war das Rigg schliesslich oben, alles feingetunt, da kam der Harmattan – Ostwind aus Richtung Sahara, der Staub bringt – man konnte keine halbe Seemeile mehr sehen. Nach 3 Tagen war das Boot fein gepudert mit braunem Staub. Wie romantisch.
Plan C2 wurde also zu Plan C3, das heisst kein Teneriffa, kein Gomera oder La Palma, stattdessen direkter Kurs Las Palmas de Gran Canaria. Über Nacht, 97 Seemeilen schönes Segeln auf allen Kursen, die letzten 4 Stunden noch ein Rennen geliefert mit australischer Yacht. Sie waren etwas schneller aber weniger hart am Wind, sodass sie schliesslich zu stark im Lee waren um die Hafenmole direkt zu passieren. Also Sieg für SY MEITLI gegen Challenger „Steamy Window“ – die jetzt im Hafen von Las Palmas de Gran Canaria am selben Steg liegt wie wir, und – guess what? – ebenfalls auf dem Weg in die Karibik ist.

 

 

 


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