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Gefahr für Segelschiffe - Thunfischnetze
Gefahr für Segelschiffe - Thunfischnetze
 
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Strasse von Gibraltar

Strasse von Gibraltar

23.09.2006 20:21:29 (View count: 2504)

Mazagon, 22.Septmeber.2006

(Sch)Wache Erinnerungen an B-Schein-Prüfung

Im Mittelmeer nicht relevant, war für uns der Einfluss der Gezeiten „in der Praxis“ neu (Natürlich hatten wir das Gelernte und bis jetzt nie Gebrauchte erfolgreich verdrängt).

Damit sind wir bei Gibraltar und den Tücken der dazugehörigen Meerenge angelangt. Kurze Einführung für alle, die es interessiert: 

 

  1. in der Strasse von Gibraltar hat es immer eine Grundströmung vom Atlantik her ins Mittelmeer von rund 1 – 2 kn (2 – 3 kmh), als Ausgleich, weil im Mittelmeer mehr Wasser verdunstet als von den Flüssen zugeführt wird
  2. Neben der Grundströmung gibt es Gezeitenströmungen, die je nach Zeitpunkt von Ebbe und Flut im Atlantik an bestimmten Stellen die Grundströmung verstärken, verlangsamen oder sogar umkehren können 
  3. mässiger und vor allem kräftiger Wind erzeugt eine entsprechende Oberflächenströmung
  4. aufgrund der Topografie gibt es meist Wind aus Ost (Levanter) oder aus West (Poniente), seltener aus Süd oder Nord.
  5. Kein Wind bedeutet häufig dicken Seenebel.

 

Stark gekürzte Schlussfolgerung für Boote die nach Westen wollen wie wir:

 

Grundströmung steht einem entgegen und kann zusammen mit der Gezeitenströmung stellenweise so stark sein, dass wir mit unserem Boot sowohl unter Segeln als auch unter Motor nicht mehr vom Fleck kommen. Starker Westwind auf die Nase würde dann noch den Rest geben. Starker Ostwind (Rückenwind) entgegen der Grundströmung würde an Stellen wie z.B. vor Tarifa zu gefährlichem Seegang führen. => Am besten ist leichter Ostwind, in Gibraltar um ca. 3 h nach Hochwasser auslaufen und dicht unter der spanischen Küste bleiben, sodass man die Gezeitenströmung bestmöglich nutzen kann.

 

…Tönt doch einfach, oder?...

 

Als wir nach Gibraltar wollten herrschte seit einigen Tagen starker Ostwind, sodass die beiden Yachthäfen ausgebucht waren, denn keiner wollte raus (nach Westen wegen dem Seegang und nach Osten wegen dem Wind). So haben wir einen Tag in La Duquesa in der Bucht vor Gibraltar gewartet bzw. ein Taxi nach Gibraltar geschnappt und nebst Stadt-/Fels-/Affenbesichtigung unter professioneller Reiseleitung von L.S. aus W. auch noch persönlich bei der Queensway Marina vorgesprochen und um einen guten Platz auf der Warteliste angehalten. Das hat sich ausbezahlt, denn am nächsten Morgen haben die ersten mutigen die Marina Richtung Westen verlassen und wir einen Platz gekriegt. Sofort fröhlicher Aufbruch zur Rundung des imposanten Felsens mit der grauen Zipfelmütze (Wolke), England-Flagge unter Segeln im Sonnenschein gehisst (auf Q-Flagge haben wir trotz Empfehlung Küstenhandbuch und CCS zu recht verzichtet), Ankerfeld der Dickschiffe passiert und in der Queensway-Marina festgemacht. Kaum hatten wir die Leinen belegt, da begann es zu regnen. Logisch, wir sind ja in England!

 

Nach einem Tag Ersatzteil-/Zubehör- und Seekarteneinkauf in einschlägigen Läden, Ölwechsel etwas Sightseeing und Bunkern von Lebensmitteln ging’s dann auf in den Atlantik. Start 3 Stunden nach Hochwasser war nicht möglich, da vor der Einfahrt in der Marina zwischen ca. 21:00 und 08:30 Uhr eine Art „Deich“ gezogen wird, der wirksam verhindert, dass Boote einlaufen und entsprechend auch auslaufen. „That’s the rule“ und daran wird nicht gerüttelt. Grund: einerseits weil die gesamte Gegend grundsätzlich Militärhafen ist und andererseits, und das leuchtet aufgrund der aktuellen Situation mit den „Boatpeople“ aus Afrika ein, damit keine ungebetenen Gäste reinkommen. „Sig’s wie’s well“, 5 Stunden nach Hochwasser ging’s auch bestens, vor allem weil grad „Fast-Springtide“ war (starke Gezeitenströmung) und wir noch immer leichten bis mässigen Ostwind hatten. Die Fahrt durch die Meerenge war äusserst spannend, auch wenn die Sicht schlecht war und wir die afrikanische Küste nie erkennen konnten: Die unterschiedlichen, teilweise entgegen gesetzten Strömungen liessen das Meer stellenweise brodeln wie im Suppentopf und obwohl wir durchs Wasser kontinuierlich rund 6.5 kn Fahrt machten zeigte das GPS vor Tarifa längere Zeit 10.5 kn (!) Fahrt über Grund an, hat dann innerhalb weniger als einer Minute auf 5.4 kn abgenommen und ist später wieder auf 7.5 kn gestiegen. Ab Tarifa hatten wir dann auch schönen Ostwind und konnten mit der doch beträchtlichen Dünung mitreiten. Im ersten Atlantikhafen angekommen hat’s natürlich einen rechten Umtrunk gegeben, denn ab jetzt, im Atlantik, soll ja alles viel besser sein, so sagt man, nur beständige Winde und lange, angenehme Dünung. – Wir haben uns noch nicht getraut daran zu glauben.


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