| Gallery Die Bucht von Cadaques ![]() Wer findet MEITLI?
Sonnenaufgang und Delphine 28.08.2006 17:14:12 (View count: 3124) 27. August, 2006, Sonnenaufgang und Delphine
Mittlerweile sind wir auf dem Weg von Ibiza nach Cartagena. Ich sitze im Cockpit, morgens um 7:50h. Wir sind am Vortag um 12h mittags von Santa Eularia del Riu weg, 107 Seemeilen im Kielwasser noch ein paar Dutzend vor uns. Pünktlich vor Sonneaufgang bin ich aufgewacht, um Christa mit einer Tasse heissem Kaffe von der 3-stündigen Wache abzulösen. Ein Rudel Delphine kommt uns besuchen aber zieht bald vorbei. Ein gutes Timing für Kitsch. Meine Wache war geprägt von Sternen gucken, Sternschnuppen zählen, Lichter am 30 Seemeilen (ca 50km) entfernten Land zu orten – Cabo San Antonio, Javea, Alicante - fahrende Lichter zu deuten (rot, grün, weiss) – fahren die Schiffe an uns vorbei oder auf uns zu? Richtung Osten war tiefschwarze Nacht, keine klare, etwas dunstig, die Sterne verschwommen, was die Augen anstrengte. Richtung Westen die Küste, deren Lichtscheine den Horizont beleuchteten, ein Eingriff des Menschen in die Natur, dessen Ausmass man nur erkennt wenn man von weit her schaut. Ich kontrollierte ab und zu den Kompasskurs, und bei Wachablösung wurde ein Kartenpunkt genommen mittels Satellitennavigation, eine phantastische Sache – das haben Menschen erfunden die in diesen Städten hocken, die nachts den Horizont erhellen. Nachts leuchtet aber auch die Natur – Plankton, das, bewegt durch die Verdrängung des Schiffes, zu fluoreszieren beginnt. Wie kleine Glühbirnchen, grünlich für einige Sekunden. Es mutet etwas gespenstisch an, aber nachts, alleine im Cockpit leistet es einem Gesellschaft. Man sitzt auf der Bank, die Schwimmweste an, beobachtet die Segel, den Wind und eben die Lichter. Parmesan-Stückchen knabbern, Wasser trinken, träumen, denken, ausmalen, überlegen, rekapitulieren: Seit dem Erlebnis mit dem Motor in Port Vendres ist so einiges geschehen. Wir haben das Cap Creus gerundet und sind schliesslich in der Bucht von Cadaques vor Anker, bzw, vor Boje gegangen – es hat so viele Schiffe, da machen Bojen Sinn. Mit meinen Eltern die uns besuchen kamen sind wir dann nach Roses gesegelt, von wo aus wir Salvador Dali’s Orte des Wirkens und Lebens erkundeten. Die Villa in Portlligat, das Museo Teatro in Figueres, das Schloss seiner Frau Gala in Pubol. Eine Magenverstimmung (es war der Hamburger in Figueres) und der Tramontana mit Windstärken bis 45 Knoten (Sturmstärke) liessen den Aufenhalt in Roses auf 10 Tage wachsen. Nachdem uns meine Eltern verlassen hatten, packten wir unser Wärli, ergatterten ein „seicento“ Mietautöli und verdrückten uns in die Pyrenäen, um nicht dem Hafenkoller zu verfallen, der arbeitet, sobald man irgendwo länger festsitzt. Wir haben uns dann noch ein Zelt gekauft für ganze 6.95Euro (der Kauf des Jahres – wir konnten die erste halbe Stunde vor lachen nicht einschlafen…).Zwei Tage Wanderferien mit Abstecher nach Andorra (keine Reise wert) waren schnell vorbei. Wie in den Alpen. Schon am Tag nach der Rückkehr zu MEITLI konnten wir gegen Süden ablegen – Palamos – allerdings stark gerefft und einiges an Seegang. Zum Glück hat der uns geschoben. Von einem Hafen zwischen Palamos und Barcelona wollten wir dann nach Mallorca segeln, ein Schlag von etwa 120 Seemeilen über Nacht. In Arenys de Mar erhielten wir guten Wetterbericht, der für uns nicht schlecht ausssah. Allerdings sehr subjektiv betrachtet und unter dem Einfluss der vergangenen zehn Tage mit Starkwind. Prognose Südost bis Ost, Stärke 3-4 - wir mussten ziemlich genau nach Süden. Nach 4 Stunden hart am Wind segeln und trotzdem nicht den gewünschten Kurs halten zu können, motorten wir schliesslich gegenan. Wind und Seegang von Richtung vorne verlangsamten uns auf unter 3 Knoten Fahrt – wir kehrten um, denn auch die Wetterprognose verhiess keine Änderung. Erschöpft erreichten wir in der Dunkelheit wieder denselben Hafen. Ich hatte die Balearenflagge schon aus der Truhe geholt… Am nächsten morgen wieder Wetterbericht konsultieren, Prognose für die nächsten Tage: Wind aus Sektor Süd. Mein lieber Schwan, wir verbringen die meiste Zeit in Häfen mit Warten – das frisst uns die Haare vom Kopf. Die Rettung: Barcelona! Wir ergatterten einen Hafenplatz mitten in der Stadt (der billigste notabene in ganz Spanien und Balearen bis zum heutigen Tag!) Christas Eltern kamen spontan zu Besuch, und wir verbrachten 4 schöne Tage in der katalanischen Hauptstadt. Gaudi, Passeig de Gracia, Montjuic, Port Vell, Barri Gotic, Puerto Olimpico. Allerdings regnete es ab und zu und einige Gewitter zogen nahe vorbei – wir sind froh um unsere Entscheidung. Nach Mallorca ging es dann von Sitges aus – dem Meerbad des Barcelona-Adels. Ein schöner Nachttörn unter Segeln – allerdings hart am Wind, mit Sonnenaufgang über der Insel Mallorca. In der Bucht von Santa Ponça gingen wir vor Anker und später nach Andratx in den Club de Vela. Wir testeten beim Schlag nach Palma das neue Vorsegel, einen Parasailor. Einen Spinnaker mit Gleitschirmflügel. Etwas aufwendig zum setzen für eine Zweiercrew aber wenn er mal steht geht’s flott voran. Im Real Club Nautico in Palma, hielten sie uns einen 16m Platz zu, dessen Aufpreis wir natürlich berappen mussten – aber es ist Hochsaison, ohne Reservation geht fast nichts. Wir setzten nach Ibiza über wo wir zwei Nächte blieben und ausserdem die Insel mit einem Töff erkundeten. Schöne Badebuchten, weisse Häuser, kurvige Strassen. Daneben viele Bade- und Discotouristen und ebenfalls hohe Preise in der Marina. Cartagena erreichen wir gegen 14:00h, ca. 26 Stunden nach dem Ablegen in Ibiza. Beim Anmelden im Hafenbüro des Real Club de Regattes staunen wir nicht schlecht: 21 Euro die Nacht – Willkommen auf der Iberischen Halbinsel, südlich Alicante.
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