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Unter Segeln
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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Segeln in Südfrankreich: Port St. Louis bis Port Vendres

Segeln in Südfrankreich: Port St. Louis bis Port Vendres

28.07.2006 18:14:30 (View count: 3618)

Port Vendres, 28.7.06

. Endlich aufs Meer, unter Segeln: Unser erster Schlag führt uns nach Les Saintes. Maries de la Mer, in dessen Hafen Port Gardian. Da soll der Legende nach ein Schiff ohne Segel mit den heiligen Marien (Schwester der Muttergottes, Mutter von Johannes und Jakobus, war da noch eine?) und mindestens noch deren Dienerin Sarah (die heute von den Sinta und Roma verehrt wird) gestrandet sein. Wie die letzen Tage ist es auch jetzt sehr heiss und sonnig und mangels Wind nicht sehr angenehm. Wir motoren durch eine alte Dünung, das heisst es hat noch Wellen aber keinen Wind, dies ist unangenehm und der eine oder andere könnte schon ein wenig grün werden im Gesicht – uns ist auch nicht vögeliwohl, aber als am Nachmittag ein achterlicher Wind aufkommt, wir erstmals die Segel setzen können und mit 5 Knoten Fahrt dem Rhonedelta entlang Richtung Westen segeln, steigt das Stimmungsbarometer deutlich. Fast Zweitausend Jahre nach der Ankunft der Marien ist auch unsere Ankunft im Hafen wie immer ein Highlight – man weiss nicht wie man liegen wird, wo, wie der Wind ist, auf welcher Seite die Leinen sein werden. Im Port Gardien liegt man „römisch-katholisch“, i.e. mit Bug oder Heck gegen einen Steg am anderen Ende sind Pfähle im Wasser an denen man festmacht. Es gibt auch Varianten mit Mooringbojen oder am häufigsten Mooringleinen (am Grund des Hafens festgemachte Leinen) oder man wirft den Anker. Pfähle sind sehr solide – was in diesem Hafen, der dem Mistral ausgesetzt ist, ein Vorteil ist. Nach einem Rundgang durch das von Touristen überfüllte Stes. Maries gehen wir am kleinen Strand baden. Unser neuer Herd mit Backofen beschenkt uns schliesslich mit einer frischbelegten Pizza und einer Fruchtwähe – dazu gibt es südfranzösichen Rosé aus dem Kühler.

Für den nächsten Tag ist Westwind angesagt, genau die Richtung, in die wir segeln wollen, wir versuchen es trotzdem. Wind aus Norwest mit Stärke 3-4 Beaufort, segeln hart am Wind mit bis zu 8 Knoten. Am Nachmittag dreht der Wind auf Südwest, jetzt voll auf die Nase. Aufkreuzen oder Motoren? Weder noch, wir drehen ab nach Sète ( Cap d’Agde hat ja sowieso nur Nudisten….). Finden einen Platz im Vieux Port (diesmal römisch-katholisch mit Mooringleine) , optisch sehr malerisch, geruchsmässig an Fisch erinnernd, das Wasser ist sehr schmutzig. Wir haben uns vorgenommen keine langen Schläge zu machen, damit wir etwas von Land & Leut sehen. Das bezahlt sich aus, denn es ist schön kühl in den schattigen, engen Gassen der Hafenstadt.

Cap d’Agde passieren wir am darauffolgenden Tag, doch trotz intensiver Suche mit Feldstecher, kann Martin nicht erkennen, ob die Badenen am Strand FKK’ler sind oder nicht. Das Meer ist spiegelglatt und es ist fast Windstill. Wir nutzen die Gelegenheit für einen Badehalt auf offenem Meer. Das Wasser ist tiefblau und klar, man sieht bis an die Kielunterkante. Unser Ziel, den Etang von Gruissan erreichen wir gegen 16:00h. Eine der vielen Feriensiedlungen an der Westküste des Golf du Lion. Zehntausende von Strandurlaubern in Appartements – im Winter Geisterstädte. Wir nutzen unsere motivierte Stimmung um unsere lange „to do“-Liste etwas zu kürzen. Christa schleift die Handläufe auf Deck, Martin malt auf der Ankerkette alle zehn Meter eine weisse Marke (beides Dinge, für die die Zeit in Bremgarten nicht mehr gereicht hat…). Als es gegen Abend kühler wird erklimmen wir die Burgruine von Gruissan, deren Turm von Seeräuber „Barberousse“ erbaut worden sein soll – was aber nicht stimmen kann, da die Steine schon vor Barberousse aufgeschichtet wurde – so zumindest klärt uns die Informationstafel auf. Wir geniessen die tolle Aussicht über das kleine Städtchen, die Etangs, die Salinen, das Meer und den alten Fischerhafen.

Laufen spät aus, können aber sofort Segel setzen und gegen Süden segeln – so macht es Spass. Unser Zielhafen ist Port Vendres, einer der letzen in Frankreich, kurz vor der spanischen Grenze, an den Ausläufern der Pyrenäen. Martin versucht die Fische mit Schleppangel zu ködern, aber das Wetter scheint nicht bissig genug zu sein. Der Wind dreht zu unseren Ungusten und es frischt auf, sodass wir reffen müssen. Wir können den direkten Kurs nicht halten und „würgen“ MEITLI hart am Wind Richtung Cap Béar. Die letzen 3 Seemeilen nach Port Vendres unter Motor. Der Hafen dicht belegt, wir müssen an Quai festmachen, neben den Fischerbooten. Die Nacht mit Strassenlärm, Quai Passanten und Musik aus den Bar’s und Café’s. Wir wollen morgen das berüchtigte Cap Créus runden.


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