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Bild von: Martin & Christa Stäger & Stutz
Reise: Segeln mit MEITLI - von Basel nach Neuseeland
Bericht: Motorschaden?

Motorschaden?

28.07.2006 18:16:06 (View count: 2691)

Port Vendres 28.7.06

Mittwochmorgen, 26.7.06, früh. Martin geht zum Boulangeur Baguette kaufen, während Christa das Schiff startbereit macht, Essen bereitstellt für den Schlag und Wasser abfüllt aus 5l Bidons. Motor starten um 0715h. Der Alarmsummer ertönt, Öldrucklampe leuchtet, verflucht, das war noch nie. Wieso jetzt? Kann nicht wahr sein. Abstellen, Ölstand prüfen. Alles i.O. Leckagen – keine. Nochmals starten – Tourenzahl höher, mehr Gas, Alarm verlöscht nicht. Motor wieder aus. Das darf nicht wahr sein. Also Betriebsanleitung hervorkramen, dann Dieselmotoren Buch – sehr schlau. Elektrischer Schaltkreis des Sensors defekt? Ev. Masseschlusss? Überbrücken Verkabelung vom Druckgeber zu Panel, nützt nix, Alarm geht nicht weg, also Geber defekt? Geber demontieren, Gabelschlüssel. Grosse Schlüsselweite – 21? 22? – 24! – haben wir nicht – mein Gott – 37kg Chrom Vanadium in der Werkzeugkiste und kein 24er Schlüssel. Nachbarschiff fragen, ja, hat er und wir dürfen ihn ausleihen – Geber demontieren, sieht gut aus, können ihn mechanisch betätigen mit Zahnstocher, Piepser von Multimeter zum testen, elektrischer Kontakt schaltet auch. Ev. Trotzdem defekte Membrane?

Martin geht zum Hafenbüro um nach Volvo Vertretung zu fragen, kriegt Telefonnummer von einem Mechaniker – Anrufen – Auf französisch Problem erklären – am Nachmittag kommt einer vorbei. Leider hat der kein Werkzeug und nichts dabei, es erscheint ihm aber plausibel, dass Geber defekt, weil Ölpumpe müsste doch schleppend kommen, oder zumindest bei heissem Motor. Lagerschäden müsste man hören. Der geht wieder und sagt er ruft später an. Was machen bis dahin? Eisenwarenhandlung: 24er Gabelschlüssel kaufen! Um halb fünf ruft sein Chef an, er meint auch der Geber sei defekt – etwas anderes könne es ja gar nicht sein…aber wir müssten selbst der Volvo Vertretung anrufen in Canet en Roussillon, die würden dann morgen früh einen vorbeischicken – Super. Hätten wir alles selbst auch machen können – wenigstens hat es nichts gekostet. Martin ruft an, wieder Problem auf französich schildern – Monsieur Volvo hat drei verschiedene Sensoren an Lager. Er glaubt den für unser älteres Modell passende zu haben. Sensor wieder demontieren, Taxi organisieren, nach Canet fahren, viel Verkehr an den Stränden. Schaffen es trotzdem vor Ladenschluss. Monsieur Volvo hat passenden Geber und überlässt ihn uns für 13Euro. Taxi kostet nochmals 50. Lassen uns Karte von Monsieur Volvo geben, man weiss ja nie…allerdings wenn er kommen müsste, dann frühestens Dienstags nächste Woche möglich – Hochsaison.

Zurück beim Schiff neuen Sensor einbauen, anschliessen, starten, …wieder Öldruckalarm – Mèrde! Martin kocht vor Wut … Schweinefilet mit Salat. Schreiben Kollege Thomas S. ein SMS, dass wir hier festsitzen, schildern Problem, vielleicht hat er eine Idee? Er meint: Überdruckventil oder Ölpumpe. Schöner Tip, mit Aussicht auf „Major Overhaul“. Es ist schon dunkel, Martin grübelt immer noch, man müsste doch prüfen können ob Druck da ist – auch ohne Geber. Also Geber wieder demontieren und Finger auf das Loch. Christa startet den Motor – Martins Finger 1 cm neben dem Keilriemen, ob das gut kommt? Und siehe da: kein Öldruck spürbar, Finger weg vom Loch, alles trocken, kein Öl – das müsste doch spritzen was das Zeugs hält. Moral auf dem Tiefpunkt, aber jetzt wissen wir wenigstens woran wir sind.


Am nächsten morgen Hirnen und Überlegen. Martin möchte obendrauf auch noch an den Ponton, weg vom Quai, wo alle gaffen – und das ohne Motor. Na prost. Fischer am Hafen fragen, die – weil überrumpelt von unserer Frage - sagen zu, uns abzuschleppen, obwohl schon auf dem Weg zu Meer. Hauruckübung gestartet, jetzt Leine befestigen, und hopp dä bäse quer über den Hafen wird MEITLI geschleppt. Am Ponton springen Helfer zu Hilfe, nehmen Leinen, stossen und schieben. Ohne Motor und bei Wind ist ein 12m Segelschiff mit 10Tonnen ziemlich manövrierunfähig… Aber es klappt. In weniger als 20min. sind wir am neuen Platz… Na also, wenn das keine Flexibilität ist … und auch Christa tut die Frühgymnastik gut….

Martin ruft bei Monsieur Volvo an, fragt nach weiteren Fehlermöglichkeiten (Ventil? Pumpe? Kühler?). Monsieur Volvo meint, er müsse zuerst mal nachschlagen in seinem schlauen Buch – die Typen haben so was – der Privatmann nicht…Rufe ihn eine Stunde später wieder an. Er meint es hätte da unten an der Ölwanne zwei Schrauben und einen Deckel, dahinter ein Druckreduzierventil – ausbauen und reinigen. Wenn das nichts hilft könne es nur die Pumpe sein. Problem dabei, man müsste wahrscheinlich den Motor ausbauen – oh là là! Tönt nicht erbauend.

Also denn, machen wir uns an die Mechanik. Ölabpumpen, dann Spiegel, Stablampe, 10er Nuss, verflixter Deckel….ölige Finger, Hitze, schweissige Stirn, Kopf tiefer als der Rest vom Körper. Feder, Stift, O-Ring etc. der ganze Karsumpel ist im Eimer… im Eimer den Martin unter den Motor gestellt hat – sicherheitshalber.

Also reinigen – Aceton macht nicht nur Fingernägel blank – sieht doch alles gut aus, wenn nicht der Ventilstift tiefe Rillen von der Feder hätte. Aber nach 15 Jahren nützt sich das „Eisen“ halt ab. Alles wieder demontieren, Öl auffüllen, 2 Gebete. Motor starten – Öl spritzt aus Geberloch – Martins Finger war etwas zu lèger drauf, hat wohl nicht mehr dran geglaubt. Freuen uns trotzdem, also dieser verflixte Stift mit den Rillen. Öl abwischen, Geber montieren nochmals starten –Öldruckalarm weg. Danke MEITLI! Nachher Ventil wieder ausbauen – Stift in die Finger und Rillen rausfeilen, damit der nicht mehr hängen bleibt. Glauben es immer noch nicht, nochmals starten, aber wiederum: kein Öldruckalarm mehr!


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