Ein Quartett von Episoden: Was einem auf dem Rhein-Rhone Kanal so alles passieren kann.
18.07.2006 16:32:59 (View count: 2989)
Port Saint Louis du Rhone, 17.7.06Vorneweg: Wir sind am 13.7.06 in Port St.Louis angekommen, MEITLI hat nach ca. 13 Monaten wieder Salzwasser am Füdli, der Rest des Kanals, die Saone und die ganze Rhone haben wir ohne weiteres aufsitzen, ohne Schäden überstanden. Holz aalänge! Dole haben wir besucht, die Geburtsstadt Louis Pasteurs, die Saone in grossartigem Gewitter befahren, Regen, Hagel und Windstärke 7-8. Chalon sur Saone, Macon, Valence, Viviers und Avignon waren Stationen, Die Saone wurde immer breiter, dann in Lyon die Rhone – fast schon ein Hallwylersee, und TIEFGANG hat sie (LE Rhone), davon konnten wir auf dem Kanal nur träumen.
Mittlerweile ist der Mast gestellt, alles aufgeriggt, Schoten, Fallen und Leinen eingezogen. Das Quatorzejuillet-Feu-Artifice überstanden. Uns stehen noch ein paar Tage Arbeit bevor, bis MEITLI von der Kanalratte zur Meerfjungfer mutiert (Darwin hat’s gesagt: die am besten angepassten überleben…) und startklar ist um in See zu stechen. Nun zum Titelthema:
Episode 1
In Dole trafen wir U.* - Sein Motor kaputt (zuwenig Öl, zuwenig Liebe, man weiss es nicht – offenbar hat es 5 Stunden weiss und schwarz geraucht bis der Schaden bemerkt wurde). Die Weiterfahrt bestrtitt er mit Aussenborder. Weil die Bordwand sehr hoch ist, musste er allerdings die „Pinne“ verlängern, mit Dachlatte und einer Maglite – die sogar noch brennt! Armer Kerl, jetzt muss er ein paar Wochen auf den neuen Motor warten.
Episode 2
F. * mit einem Motorboot – 1.1m Tiefgang - muss einer Peniche ausweichen. Der Penicheur W.* nimmt keine Rücksicht und drängt F. ab. Das Motorbot touchiert einen Felsen. F. geht zum VNF (voies navigable de France – die französische Wasserstrassenbehörde) um einen Rapport schreiben zu lassen, weil er am Kimmkiel einen Schaden hat. Als der „Rapporteur“ des VNF den Rapport aufnimmt klingelt sein Handy – Penischör W. sei im Doubs aufgelaufen und komme keinen Meter mehr vorwärts – Tja, wenn das keine Gerechtigkeit ist…
Episode 3
In Port St. Louis treffen wir den Elsässer Segler D.*; mit belgischer Flagge, der sein Schiff bisher auf dem Neuenburgersee hatte. Er war fast immer alleine unterwegs, was nicht einfach ist bei ca. 120 Schleusen. Oft ist er bis ans Limit gefahren und hat in Schleusen übernachtet. Er hatte den Mast dabei – längs über dem Schiff aufgebockt – bis ca. Valence. Da ist ihm ein doppelter Schubverband etwas schnell begegnet. Schnell heisst meistens viel Bug-, Heck- und sonst welche Wellen. Wellen heisst oft Schaukeln, Schaukeln hat dem Gestell des liegenden Mastes schlecht bekommen…. Dann erzählt er uns beim Bier noch dies: Auf dem Doubs sei er ausserdem wegen einer festsitzenden Peniche 3 Tage stehengeblieben...(Penicheur W. lässt grüssen - siehe Episode 2).
Episode 4
O. aus dem Lande D. hat ebenfalls ein Motorboot. Ein schönes, mit wenig Tiefgang, aber viel Höhe. Nun ist es so, dass oft tiefe Brücken den Kanal kreuzen. Der Zufall wollte es, dass O. eben gerade vor so einer Brücke abbremsen wollte - beim Boot geschieht das per Retourgang – babei bemerkt, dass trotz Befehl die Wirkung ausbleibt. O’s Motorwelle war aus dem Klemmflansch gerutscht, nach hinten geschoben worden, und gottseindank vom Ruderblatt gestoppt worden. Sonst wäre ihm durchs Stevenrohr so viel Wasser reingelaufen, dass das Boot auf Grund gelaufen wäre. Ein Nebeneffekt war, dass sein Schiff, mangels Bremswirkung gegen die Brücke donnerte – ein paar verbogene Rohre – Schwein gehabt. Nicht so freudig hat VNF reagiert – die nächste Schleuse musste Wasser ablassen, damit O. freikam von der Brücke, dabei fiel der obenliegende kleine Sportboothafen kurzzeitig trocken! Freude herrscht…
… Da soll noch einer sagen Kanalferien sind langweilig…
Aber wir wollen nicht zu schadenfreudig sein, und mit Vernunft und Sorgfalt die nächsten Etappen in Angriff nehmen.
* Alle Namen der Redaktion bekannt