| Gallery Man fuehlt sich beobachtet Angkor: Ein Tag im Leben eines TukTuk Fahrers 10.03.2006 16:38:26 (View count: 2374) Es ist Sonntag morgen um fuenf Uhr in der Frueh. Das Hochzeitsgedudel holt mich arg aus dem Schlaf. Wie bei den meisten Kambodschanischen Vermaehlungen, beginnt der zweite Tag mit einer Buss- und Bet Zeremonie. Im Halbschlaf schmiere ich mein gemietetes TukTuk Gespann, tanke es voll und rede ihm gut zu, denn heute wird bestimmt ein anstrengender Tag. Die beiden Schweizer Gaeste, die ich im Garden View Guesthouse untergebracht habe, sehen zum Glueck auch nicht so frisch aus. Sie nehmen mit aechzenden Lauten auf der Rueckbank meines bedachten Anhaengers Platz und los gehts zum ersten Tempel. Ich kenne jedes Schlagloch und jede Ecke, wo sich Polizisten verstecken koennten. Fuer mich sind sie kein Problem, denn ich trage meinen Helm, mein Parkgillet mit der Nummer 4709 und bezahle puenktlich mein Schmiergeld. Erster Halt und willkommene Schlafgelegenheit ist Angkor Vat. Der groesste aller Tempel und ideale Sonnenaufgang Geniesspunkt ist schon lange kein Geheimtip mehr. Hunderte von Touristen sitzen in Reih und Glied entlang der Aussenmauer und halten ihren Fotoappart bereit. Sie wissen alle nicht, dass die Sonne erst um halb sieben aufgeht und deshalb noch genuegend Zeit ist, zuvor das Innenleben zu erkunden. (dies die Berichterstattung meiner zwei Fahrgaeste) Mir knurrt bereits der Magen als sich diese in meine Richtung bewegen. Wir koennen weiterfahren zum Breakfast Restaurant. Ich kenne die Besitzerin gut. Sie macht die beste Nudelsuppe in Siem Riep. Sie spendiert fuer jeden Driver eine grosse Schuessel, wenn er seine Touris dort ablaedt. Sie besitzt auch so wunderbare Haengematten, in welchen ich meinen Schlaf fortsetze. Ich hab ihn naemlich bitter noetig, denn mein Zweitjob ist Nachtportier. Samstags ist immer die Hoelle los. So kams, dass ich als Letztes ein paar englische Sauffbrueder um drei ins Hotel reinliess. Sonst ist der Job ok, ich verdien zwar nicht viel, habe jedoch einen ueberdachten Schlafplatz. Meine beiden Gaeste sind schnell. Wir fahren zu weiteren fuenf Tempeln vor dem Mittagessen. Sie scheinen recht begeistert zu sein und moegen meinen gemuetlichen Fahrstyl. Sie koennen die Beine hochlagern und sich von den Kletterpartien erholen. Die Treppen sind naemlich extrem steil und bieten mit ihren 10cm Trittflaeche nicht besonders viel Platz. Die Natur hat auch vor ihnen nicht Halt gemacht und den Sandstein in einem Jahrtausend abgewaschen. Besonders gut sieht man die Naturgewalt beim Tomb Raider Tempel, den ich auch als Mittagsplatz vorschlage. Er wurde nur soweit restauriert, dass die Sicherheit der Besucher gewaehrleistet wird. Man sieht noch jede Menge ueberwuchernde Baeume und eingestuerzte Tempelraeume. Nach dem kleinen Mittagessen, ueberlasse ich die Haengematte unseren Touris. Sie sehen langsam etwas mitgenommen aus. Nicht verwunderlich bei der starken Hitze, die ueber der Anlage bruetet. Wenn die wuessten, dass die folgenden Tempel in der prallen Sonne liegen. Die Steine dort sind bestimmt bereits am Kochen. Viel Spass, wenn man sich beim Abstieg an ihnen halten muss. Wie junge Gemschen sehe ich die beiden Bergvoelkler auf die hohen Zinnen steigen. Bin ich froh, dass ich das Ganze aus sicherer Entfernung im Schatten einer grossen Eiche beobachten kann. Wenigstens trinken sie genuegend Wasser. Die leeren Pet Flaschen bringen meinem Geldbeutel zusaetzlich einen kleinen Zustupf. Auf dem Rueckweg frage ich die Beiden, ob sie fuer mich noch in ein zwei Souvenir Shops gehen wuerden. Ich versuche immer ehrlich zu sein und erklaere ihnen, dass wenn sie mindestens sieben Minuten drin bleiben, ich etwas zu Essen oder Trinken kriege. Sie sind sehr nett und ich kann eine Instant Gemuesesuppe und eine Cola nach Hause bringen. Uebrigens habe ich das ungleiche Paar auch zum Beatocello Konzert gefahren. Dies ist das Benefiz Konzert des Schweizer Arztes Beat Richner. Er ist nebst unseres Praesidenten der zweit beruehmteste Mann Kambodschas. Sehr vielen Kindern hat er mit dem errichten der vier Spitaeler das Leben gerettet. Hier in Siem Reap liess er eine wunderschoene Anlage mit Konzertsaal bauen und spielt auf seinem Cello fuer Touristen. Er zeigt Videos und spricht gescheit ueber die praekaere Lage der medizinischen Versorgung unseres Landes. Er ist ein Held und ich bringe ihm dafuer so viel Touristen wie ich kann. Leider bleiben die zwei Schweizer nicht lange und ich muss mir morgen wieder neue Kundschaft erkaempfen. ORIGINAL |