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Wasserbueffel
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Bild von: Romana & Benny Hohl Kammer
Reise: Aus der sibirischen Kälte ins tropische Mittelasien
Bericht: Karsthuegel in Guilin

Karsthuegel in Guilin

01.12.2005 20:28:51 (View count: 2552)

Der Sueden Chinas ist landschaftlich ein Traum. Keine Frage, dass dies auch den Tourismus foerdert. Bis dato liessen wir uns nicht  auf organisierte Touren ein, doch hier haben sie wohl Ueberredungskuenstler herangezuechtet. Diese lassen ihren Kopf auch nach dem 100-sten mal mei yo (nein) und dem mehr als zur Haelfte gespaltenen Preis nicht haengen. Also eine Touristenfalle? Die Frage ist nur wer haut hier wen uebers Ohr? Folgend 3 Tagebuchauszuege:

Montag 30. Januar Hong Kong - Guilin
Schon wieder diese Chinesischen Klaenge in meinen Ohren, habe ich doch kaum ein Auge zugetan. Das Geblaese direkt oberhalb meines Kopfes und das ewige Licht an - Licht aus, der Passagiere wegen, die Mitten in der Nacht den Zug verlassen. Es ist erst 6 Uhr Morgens. Wie ueblich wird man im Zug mit Musik und ohrenbetaeubender Chinesen Werbung aus den Federn geholt. Die Schaffnerin tauscht unsere Tickets gegen die dafuer erhaltenen Chips ein, was jeweils bedeutet, dass man bei der naechsten Haltestelle raus muss. Wir sind verdattert, hat uns doch der Bahnangestellte etwas von 9:20 erzaehlt. Benny sieht noch kaum aus den Augen, kein Wunder, musste er doch bis Morgens um 4 Uhr dem Davinci Code von Dean Brown nachgehen. Noch etwas verschlafen steigen wir also schon um 6:40 Uhr aus dem Zug in das noch dunkle Guilin. Wir suchen das Flowers Youth Hostel, von dem wir einen Flyer haben. Ganz in der Naehe des Bahnhofes, jedoch leicht versteckt um Ecken und eine Treppe hoch, finden wir es doch noch ohne fremde Hilfe. Wir schlafen erstmals noch bis 9 Uhr. Danach gehts wieder ab zum Bahnhof, wo wir nach langem gefighte doch noch zwei Zugtickets nach Kunming fuer den 4.Februar ergattern. Ebenfalls kaufen wir ein Bootstourticket nach Yangshuo fuer den folgenden Tag, welches uns wegen der Chinese New Year Spring Festival Ferien teuer zu stehen kommt.

Wir spazieren zum Elefantenfelsen, die Parkanlage ist riesig. Der folgende Stadtrundgang wird begleitet von einer Chinesin, welche ihr englisch praktizieren moechte. Wir wandern mit ihr durch Alleen zum Prinzenpalast mit dazugehoerigen Wandmalereien und einem riesigen Aussichtsfelsen. Zu unserer Ueberraschung erhalten wir hier einen gratis Guide. Der englisch sprechende Junge stellt sich vor: "Call me David or number ten" was auf seiner gelben Flagge stand.

Anschliessend fahren wir mit der Schwester unserer neuen Bekannten, in deren Taxi, zu einem Cave. Die Tropfsteinhoele ist mit bunten Lampen ausgeleuchtet, kitschig wie es die Chinesen lieben. Anschliessend spazieren wir ins Zenter wo wir todmuede noch was essen wollen. Natuerlich empfiehlt uns "la madame" das Restaurant ihrer Cousine mit lokalem Food. Das Essen schmeckte vorzueglich, wir luden sie ein. Als Revanche nahm sie uns zum Tee degustieren. Wir testeten 2 Tees kauften aber Nichts. Natuerlich durfte der Besuch in ihrer Art Gallery, worauf sie schon den ganzen Tag spekuliert hat, nicht fehlen. Beeindruckt der super Maltechniken verliessen wir den Ausstellungsraum jedoch ohne Bild. Der Heimweg, welcher uns an 2 Pagoden vorbei fuehrte, nahmen wir wieder alleine unter die Fuesse.

Mittwoch 1. Februar Yangshuo
Puenktlich kam Thomas unser Guide und besorgte uns auch die Bikes. Los gings zuerst mal aus dem Stadtverkehrschaos aufs Land. Komischerweise mussten wir immer wieder anhalten, obwohl uns doch versprochen wurde, wir haetten einen Guide fuer uns alleine. Die Landschaft hielt jedoch den Versprechungen stand und wir kamen richtig ins Backcountry. Bauerndoerfer, Reis- und Orangenfelder zogen an uns vorbei, waehrend die Strasse zu Schotter und schliesslich zu gestampften Erdpfaden wurde. Hier haben wir auch den Grund fuer die Wartereien entdeckt. Das Shanghaier Paerchen mit Nachwuchs, welche wir auf der Bootstour kennengelernt hatten, waren mit ihrer Guidin im Schlepptau, denn diese kannte den Weg nicht. Also war sie auf Thomas angewiesen. Von nun an waren wir zu siebt unterwegs, was fuer uns willkommene Pausen fuer Fotos einbrachte. Die Kleinfamilie hatte naemlich auf einem Tandem mit Kindersitz Platz genommen und war manchmal von den Wegbedingungen zum Schieben gezwungen.

Nach dieser etwas kurzen aber amuesanten Radtour wurden wir auf ein Bambusfloss verfrachtet. Die Guides liessen uns alleine zum Bamboorafting, wie es hier ueberall hiess. Das Boot bestand aus acht Bambusrohren, die vorne und hinten durch eine uns unbekannte Einheitstechnik gebogen wurde. Diese wurden zusammengezurrt und mit 2 Liegestuehlen versehen. Dort hatten wir soeben Platz genommen und los ging's, die Velos und natuerlich der Kapitaen mit drauf. Das Rafting hatte sich als seichte Bootsfahrt entpuppt. Einzige Action waren die Stauhuerden, welche auch das Wasser so fad hielten. Dort wurde jeweils das Boot raufgezogen, wir konnten wieder einsteigen und wurden den Hoehenmeter heruntergeschoben. Platsch und nicht vergessen die Fuesse schoen hochziehen, sonst sind sie garantiert nass. Bei uns ging eine Kleinigkeit schief, unser Kapitaen hatte uns verlassen. Das heisst, er hat doch tatsaechlich nach dem Sturz das Halteseil losgelassen und wir waren fuehrerlos unterwegs. Schnell stand Romana ihren Mann und nahm das Bambusruder in die Hand. Mit wenigen dynamischen Stoessen mit dem Stab hatten wir unseren Faehrmann wieder. Er revanchierte sich fuer die peinliche Szene mit drei Schnapschuessen und einer kurzen nicht auf Kursfahrt. Allgemein war es eine Touristenabfertigung, Boot an Boot. Was die Chinesli ausgiebig nutzten um uns auf Foto und Film festzuhalten, wir konnten ja nicht fluechten.

Am Moonhill vorbei gings wiederum mit dem Bike zum Lunch. Das frisch Zubereitete vom Bauer genossen wir mit der Shanghaier Familie, welche sichtbar empoehrt war, dass sich unser Guide bereits von uns verabschiedete. Dieser versuchte uns  die ganze Hinfahrt irgend so eine Grotte aufzuschnoren, welche extra kostete, doch wir blieben hart und wollten nur den versprochenen Moonhill erklimmen. Er ueberreichte uns die Tickets und zog von Dannen mit den Worten: "I'm busy."

Im Nachhinein war es gut den Rest alleine zu erkunden. Der Mondhuegelpark war mit seinem steilen Aufstieg ein guter Verdauungsspaziergang. Lustig war die Getraenke Verkaeuferin, welche uns den ganzen Treppenaufstieg verfolgte. Wir machten uns einen Spass daraus noch einen Gang hoeher zu schalten um die Alte in die Knie zu zwingen. Oben angekommen kam sie schnaufend mit etwas Verspaetung an und musste sich erst mal abkuehlen. Sie klettete sich danach bis aufs Laestigste an uns. Ohne Erfolg, denn wir hatten selbst genuegend zu Trinken hochgetragen. Danach gings auf eine Fotosafari. Safari, denn wir mussten durch Baeche, Orangenplantaschen und ueber Steine klettern. Wer zuerst einen Weg findet, hat gewonnen. Weit und breit nichts mehr ausser 20 cm breite Reisfeldraender. Der Bauern wegen tragen wir also das Fahrrad bis wir wieder einen etwas breiteren Pfad finden. Da kam uns ein herziges Restaurant fuer eine Pause gerade entgegen. Ca. 2 Stunden genossen wir in Korbliegestuehlen die Sonne und kuehlten uns mit frischem Bier vom Fluss zu unseren Barfuessen. Schliesslich mussten unsere Schuhe und Socken wieder trocknen. In Yangshuo entstiegen wir dann wie 2 Cowboys die Raeder um unsere Reserven im Doerfli wieder aufzutanken. Hier kommt es uns vor wie in den Ferien. Das kleine Gaessli mit den vielen Restaurants erinnert uns an Saas Fee.

Freitag 3. Februar Yangshuo - Longshen - Guilin
Um 6:45 Uhr ist Tagwache, haben wir ja fuer heute die Reisfeldtour gebucht. Um 7:20 Uhr sollen wir vor dem Hostel bereitstehen. Ehrlich gesagt habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass es mit unserer heutigen Tour klappen wuerde. Am Vortag kriegten wir die versprochenen Bikes nicht und mussten sie deshalb doppelt bezahlen. Ach Thomas!!!  Ebenfalls kannten wir nicht mal seinen ganzen Namen. Es war geradezu naheliegend, haben wir ihm sogar das ganze Geld im Voraus bezahlt. Scheisse, wie blauaeugig kann man doch im Touristengetummel sein.

Zu unserer Ueberraschung hielt jedoch prompt ein Minibus vor unserer Nase und der Fahrer schrie: "Longshen". Wir stiegen ein, gabelten noch weitere Touristen auf, welche brav vor den offiziellen Touristen Bueros warteten um uns nachher in einen etwas groesseren Bus versetzen zu lassen. Bei der Abgabe unserer Quittung war dem Guide jedoch aufgefallen, dass wir kein ihm bekanntes Reisebuero genommen hatten. Er fragte uns nach der Organisation auf welche wir nur mit Thomas antworten konnten. Wir glaubens nicht, anscheinend betrug unser Thomas doch tatsaechlich seine eigenen Landsleute. Jaeno, fuer uns hat es dann doch noch geklappt. Nun gings los nach Longshen. Nach ersten Pinkelpausen an der Tankstelle legten wir einen weiteren Stop bei dem Stamm der May ein. Mit einer extra Gage von 35 yuan wurden wir mit einem Tanz der einheimischen Frauen beschert. Fuer die Vorfuehrung der traditionellen Hochzeitszeremonie wurden noch drei Maenner benoetigt. Alle haben Benny dazu ermutigt mitzumachen. Die drei Maenner, unter ihnen jetzt auch Benny, sahen mit der riesig, rot umgeschleiften Masche aus wie an einer Schoenheitskuer fuer Pferde. Vorsichtig konnten sie das rote Tuch ueber der Brautes Kopf lueften, um deren Gesicht zu sehen. Beim bezirzen der Zukuenftigen Gemahlin, galt es , sie und ihre Familie mit einer schoenen Liebeshymne zu besingen. Benny der erst nach dem 2. Typen bemerkte, wie schnell sein Unheil nahte, sang vor lauter Aufregung " ali mini Aentli" mit der Melodie von "Amsel Drossel Fink und Star" was ihn ganz schoen aus dem Ruder brachte. Ich hingegen musste vor lachen nur noch weinen, worauf sich unser Guide bei mir erkundigte ob ich "angry" sei. Gott sei Dank muss einem hier Nichts peinlich sein. Nach  zwei Glaesern Reisschnaps ist einem sowieso alles egal. Der Hoehepunkt war dann noch der Abgang der Show, bei welchem die Maenner die Frauen auf dem Ruecken heraustrugen und Benny seiner "Neuen" ruecksichtslos beinahe den Kopf am niedrigen Balken abschlug.
Die Praesentation ihrer bis zu 1.90 Meter langen Haare, die sie je nach Zivilstand und Kinder verschieden hochstecken, beeindruckte eindeutig mehr.

Weiter gings auf Schotterpisten den Berg hoch. Durch die angelaufenen Fensterscheiben kann man bereits die ersten Reisfelder erhaschen. In Longshen wandern wir das Dorf hoch und essen dort mit der ganzen Busgruppe. Anscheinend sollte es fuer jeden am Tisch eine Beilage geben. Mit unseren drei neuen Bekanntschaften aus Deutschland und den sechs Chinesen am Tisch sollten es also deren elf Gerichte, nebst Reis sein. Schnell reklamierten da die lautstarken Schlitzaeuger als uns drei Platten vorenthalten blieben. Als die nachgelieferten Teller jedoch kamen, assen nur noch wir Europaeer. Die anschliessende Tour durch die Reisfelder war trotz des schlechten Wetters sehr beeindruckend. Wie kann man nur so manche Reisterassen ueber solche Hoehendifferenzen anlegen und sie so schoen in Stand halten.
Bei der Rueckfahrt nickten alle Chinesen ein und liessen ihre Koepfe zu den Schlaegen und des auf und nieder Hopsens des Minibuses baumeln. Wir wurden in Guilin abgesetzt und wanderten zurueck ins Flowers Youth Hostel in welchem wir den Rest unseres Gepaecks gelagert hielten.


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