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Vorort von Irkutsk
Vorort von Irkutsk
 
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Bild von: Romana & Benny Hohl Kammer
Reise: Aus der sibirischen Kälte ins tropische Mittelasien
Bericht: Langlauftour am Baikalsee

Langlauftour am Baikalsee

15.12.2005 09:00:29 (View count: 2967)

Durch unseren Top Reiseplaner wurden wir direkt auf dem Perron von Irkutsk abgeholt. Von dort aus gings ueber die holperigen, als haetten wir nicht schon genug davon, Strassen nach Listvjanka, wo wir von einer fuer uns typischen Gastmutter mit einem Laecheln begruesst wurden. Endlich einmal auf festem Untergrund schlafen! Am naechsten Tag erkundigten wir das langweilige Doerfchen und besichtigten das ueberaus interessante Baikalmuseum mit Olga unserer deutschsprachigen Fuehrerin. Am Abend fuhren wir wiederum zwei Stunden zurueck zum Irkutsker Bahnhof durch das Strassengettho Sibiriens, wo dann und wann ein alter Lada mitten auf der dreispurigen Hauptstrasse den Geist auf gab. Zum Glueck wurden wir jeweilen mit modernen VW-Bussen verschoben, welche mit einer Zusatzheizung ausgestattet waren, da die Aussentemperatur bereits  -25 Grad Celsius betrug.

Am Bahnhof angekommen begruesste uns Sergei unser Tour-Begleiter mit 2 Paar Langlaufskiern. In perfektem englisch erklaerte er unsere weiteren Plaene:
" We are going to the Nowhere of Sibiria." Das kann ja heiter werden.

Hier nun eine Kostprobe aus Bennys Tagebuch:
Romana hat super geschlafen, dass sei ihr gegoennt nach solch manchen schlaflosen Naechten. Woran  es wohl jeweils lag? Vielleicht an der Zeitumstellung, den zu warmen Zimmern oder den zu kurzen Betten?
Nein , es lag am Wodka, welcher das Einschlafen erstmals erleichterte.
Deshalb Romanas erstes Anekdoetchen am Morgen:
Heute abend wird wieder kraeftig gebechert!
Von Sergei wurden wir "as long as possible" schlafen gelassen, um uns spaeter mit deftigen Ruehreiern und Wuersten auf die bevorstehende Langlauftour zu staerken.
Wir packten uns so richtig dick ein, was eben der Rucksack hergab, denn Sergei mass die Temperatur beim Aussenklo mit -32 Grad Celsius.
Was sich besonders fuer mich als Fehler herausstellte.
Endlich gehts los und ich such mir noch ein schoenes Paar Kneissl Ski aus. Direkt vor der Huette sah man die kuemmerlichen Ueberreste einer Leupe, worin wir unsere Skis montierten. Romana machte wiedereinmal die knackigste Figur mit ihren aus den wilden 50er Jahren stammenden 100% wood  Naturskis und den dazu passenden rotweissen Bowlingshoes.

Sergei machte vor und wir hintendrein. Schnell stellte ich mich als Bremsklotz der Truppe heraus. Durch meine mangelnden Skikenntnisse , naemlich gar keine, lief mir der Schweiss nur so runter. Dies nicht nur beim aufwaerts oder geradeaus fahren, was bei ungenuegender Technik besonders schwer war, sondern vor allem beim Herunterfahren schoss mir der Angstschweiss nur so aus den Poren. Dabei verlor ich meist das Gleichgewicht und viel hin. Zum Glueck war mein motivierender Engel dabei, welcher mich immer wieder laechelnd anfeuerte und mir versuchte den "Staemmboegler" beizubringen.
Zwecklos, versucht mal zwei ueber zwei  Meter lange und anderthalb Zentimeter breite Laettchen in ein V zu bekommen ohne dabei einen Puerzelbaum vorwaerts zu machen. Somit versuchte ich streng nach Sergeis Tip:"Close your Eyes" in meiner Spur zu bleiben und die ungeheure Geschwindigkeit zu ignorieren. Dies endete meist mit einem wilden herumgefuchtel der Stoecke und einem lauten Knall in den naechsten Busch. Erschwerend kamen die zu wenig ausgebuchteten Leupen dazu, die normalen Wanderwegen naeher kamen. Es gab querliegende Baumstaemme und Wurzeln, junge mitten auf dem Weg wuchernde Buesche und jede Menge ueber 1.60 m fliegende schneebedeckte Aeste die mir das Leben schwer machten und mich versuchten aus der Bahn zu werfen.

Fazit : drei bis vier blaue Flecken und alle Kleider von Schnee und Schweiss durchtraenkt.

Gluecklicherweise ging Sergei ein Stueck voraus uns die Bagna (russische Sauna ) ein zu heizen. Nach einer verdienten Ruhepause goennten wir uns auch dieses Abenteuer. Bereits im Vorraum bildeten sich Schweisstroepfchen auf unserer Stirn. Im Garraum selber war es gegenueber den vortaegigen 95° C einiges heisser. Die Skala mit 120° C war ueberschritten, was uns zu einer Schaetzung durch den flimmernden Wasserdampf von etwa 130° C veranlasste. Dies verkuerzte unsere Besuche enorm und blieb bei dreimaligen fuenf Minuten. Um so schoener waren die nackigen Abkuehlungen im Sibirischen Schnee.

Wir liessen uns durch einen typischen Znacht mit Teigravioli und Wodka von Sergei verwoehnen und spielten danach den russischen Jass "Dummkopf". Aesserst amuesant, besonders wenn der Dummkopf meist weiblicher Natur ist.


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