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Unsere Vanette vor der Abfahrt in die Wüste
Unsere Vanette vor der Abfahrt in die Wüste
 
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Bild von: Tilo Strohbach
Reise: Fahrt von Berlin nach Banjul/Gambia
Bericht: Fahrt von Berlin nach Banjul/Gambia mit spannenden Geschichten und vielen Bildern

Fahrt von Berlin nach Banjul/Gambia mit spannenden Geschichten und vielen Bildern

28.07.2003 (View count: 3659)
Seit einigen Monaten planten wir nun unsere Tour, die schon seit Jahren der Traum von Jäkel und mir, Tilo, war. Jetzt sollte es konkret werden. Von Berlin nach Banjul in Gambia/ Westafrika mit dem Auto. Wir wollten das Auto hier kaufen und dort möglichst gewinnbringend verkaufen. Sicher waren wir nicht die ersten mit solch einem Plan, aber ich denke, jeder der diesen Trip einmal gemacht hat, weiß wie begeistert man davon ist. Ansonsten würden viele diese Tour nicht mehrmals machen.


Zuerst mussten wir uns ein Auto kaufen und uns auf den Trip vorbereiten:

Ein langes hin und her, welches ist der beste Autotyp, für welchen Preis soll man es hier kaufen und in Afrika verkaufen, welche Formalitäten, Tricks und Fallen gibt es - wo und wie und wer... Viele solcher Fragen haben sich uns gestellt und oft haben wir erfahrene Reisende befragt, um danach noch mehr Unklarheiten zu haben. Leider gibt es keine richtigen und falschen Antworten. Dadurch hätten wir uns wahrscheinlich etwas sicherer gefühlt.
Autotechnisch entschieden wir uns für die scheinbar sicherste Variante. Eine Woche vor unserer geplanten Abfahrt wollte der Blumenhändler W. aus Hohenschönhausen seine 12 Jahre alte Nissan Vanette 2.0 Diesel verkaufen. Das war genau das Auto, dass wir suchten. Der Herr schien vertrauenswürdig, der Preis und der Zustand des Autos stimmten. Viele Beulen, die jedem hier auffallen, in Afrika aber niemanden stören. Dazu noch nette Gardinen an den Fenstern, was für einen pfleglichen Umgang sprach. In der verbleibenden Woche hatten wir noch Zeit, die Formalitäten zu erledigen, nützliche Sachen zu kaufen, die letzten Handelswaren für den Verkauf einzusammeln und alles in Kisten, Tüten, Beutel und Lücken in und auf die Vanette zu verstauen. Leider hatten wir in dieser Woche einen Kabelbrand im Stromkreis des Radios, so dass die musikalische Unterhaltung ausfiel. Den entstandenen Schaden konnten wir bei -10° Außentemperatur nicht beheben. Zwei Freunde von mir, Sten und Lemming, wollten kurz entschlossen nach Marokko mitkommen und so starteten sie mit uns am Montag dem 17.02.2003 Richtung Süden.


Am ersten Tag sind wir von Berlin nach Barcelona gefahren:

Nach 24 Stunden nahezu durchgehender Fahrt haben wir Barcelona erreicht. In einem Schichtsystem sind wir durch die Deutschland, Frankreich und den Norden Spaniens gefahren. Die Vanette läßt sich gut fahren, obwohl sie durch die schwere Dachbeladung und den abgenutzten Stossdämpfern bei Seitenwind schnell ins schaukeln kommt. Dem Motor können wir genau lauschen, da ja keine Musik seinen Sound stört. Immerhin sind in Spanien schon Plusgrade. Wir stellen das Auto ab und besichtigen die Sagria Familia von Gaudi. Am Abend suchen wir an der Küste außerhalb von Barcelona vergeblich nach einem ruhigen Plätzchen zum schlafen. Nach dem der Regen nun auch noch einsetzt, schlafen wir zu viert im Auto. Lemming darf es sich auf dem Fahrersitz bequem machen. Jäkel und ich werden ab nun fast 5 Wochen auf der umgelegten Rückbank schlafen. Nicht perfekt, da immer wieder irgend ein Plastikstück von der Gurtverankerung oder etwas anderem drückt, aber luxuriöser als die meisten anderen, die mit ihren Autos unterwegs sind.


Der nächste Tag führte uns quer durch Spanien:

Mit uns der Regen. Abends erreichen wir den Hafen von Almeria. Eigentlich läuft alles problemlos. Von hier wollen wir die Fähre in die spanische Enklave Melilla an der nördlichen Küste des afrikanischen Kontinents nehmen. Neben uns warten ähnliche Vehikel wie unsere Vanette auf den Transport nach Afrika. Die typischen Automarken wie Mercedes sind dort, meist hochbeladen mit unzähligen Dingen, wogegen wir nur Kleinigkeiten mit uns haben. Um 23 Uhr verlassen wir Spanien und schippern auf die ruhigen See Richtung Spanien – natürlich spanisches Afrika.


Am darauf folgenden Morgen erreichten wir Mellia:

Leider empfängt uns der „schwarze Kontinent“ standesgemäß mit Wolken. Nachdem wir einen kurzen Stadtbummel gemacht haben, tanken wir hier auf, kaufen Alkoholika und andere nützliche Dinge für die nächsten Tage und Wochen ein. Der Liter Diesel kostet 41 Cent, weniger als die Hälfte unseres Preises. Wir machen alle Tanks bis zum Anschlag voll. Dieser Vorrat hält bei schonender Fahrt bis in die nächste steuerfreie Zone, die Westsahara. So schlendern wir mit 100 Litern Diesel, diversen Werkzeugkisten, in denen sich zahllose Schätze für den Verkauf befinden, und 4 Mercedes-Reifen auf dem Dach Richtung marokkanischer Grenze. Die Marokkaner bringen an dieser Stelle alles, was man irgendwie in Geld umsetzen kann aus Melilla heraus. Horden von Frauen, die Toilettenpapier, Pappe, Tetrapacks, Decken und Wischlappen, Männer die Fernseher, Reifen, Kaffemachinen, Kühlschränke und –truhen über die Grenze tragen. Spanische Grenzer ordnen die Massen hin und wieder mit Knüppelschlägen. Hier trifft erste und dritte Welt unmittelbar aufeinander. Und wir mittendrin.
Die Abfertigung der Papiere dauert etwa 2 Stunden, dann dürfen wir Marokko befahren und es geht durch Nador, wo ich vor 2 Jahren schon einmal Boudjema besucht hatte, in das Rif-Gebirge. Nach 170 km ereichen wir Guercif. Hier lassen wir uns auf dem Zeltplatz, der zu dieser Zeit eigentlich geschlossen ist und wir somit die einzigen Gäste sind, nieder. In Guercif bekommen wir das erste Mal Sonne und es wird merklich wärmer. So warm, dass wir hier unser Radio reparieren können und uns nicht gleich die Finger abfallen. Aus unserem Vorrat von 6 Autoradios, die wir in den Kisten haben, können wir eins mit den richtigen Kabeln finden und es in Gang setzen. Nach 2800 km endlich wieder Musik und endlich kein dumpfes Motorengeräusch mehr. Das war auf der langen Fahrt sehr zermürbend. Heute verbringen wir für das islamische Marokko einen nicht gerade landestypischen Abend: Bier, Wodka-Cola, Wein mit Schweinenackensteaks und Black Metall. Nebenher meldet sich der Muezzin.


Am nächsten Tag fuhren wir gemütlich zwischen Rif-Gebirge und Mittlerem Atlas Richtung Fez:

Die Landschaft ist so grün, wie ich sie bei meinen vorherigen Besuchen noch nie gesehen hatte. Das Radio läuft, wir können mit T-Shirts umher laufen und sehen im Süden die schneebedeckten Berge des Mittleren Atlas. Alles ist gut und schön. Hier und da halten wir an und verweilen ein wenig, um die Landschaft zu genießen. Eine marokkanische Strasse ist zwar keine europäische Autobahn und man muss vor derben Bodenwellen aufpassen, aber wir beschweren uns nicht. Es geht immerhin vorwärts. Am Nachmittag erreichen wir die Stadt Fez, parken im Zentrum und suchen für Sten und Lemming ein Hotel. Dann steigen wir am Rande der Stadt einen Berg hinauf, von wo wir über das gesamte sehr verwinkelte Labyrinth der Altstadt blicken können. Schließlich ist Wochenende für uns und da macht man ja gewöhnlich etwas am Abend. Also ziehen wir uns noch einen indischen Bollywood-Movie im Kino rein. Hier können wir rauchen und trinken, dazu haben die Filme eine grottenschlechte Film- und Soundqualität, so dass man manchmal Schwierigkeiten hat, etwas zu erkennen. Auf dem Weg in unser Hotel „Vanette“ sehen Jäkel und ich das sehr alltägliche Schauspiel einer Schlägerei hier. Es ist phänomenal, wie viele solcher Schlägereinen man in marokkanischen Städten am Tag beobachten kann. Hauptsache ist, dass wir dort nicht hineingeraten.


Am Folgetag blieben wir in der Stadt und machten Sightseeing:

Nebenher haben wir die ersten Interessenten für unsere Waren auf unserem Parkplatz. Alle machen dicke Backen und haben leere Taschen. Dass heißt, niemand kann sich wirklich etwas leisten. Aber die Interessenten, darunter auch die Parkplatzwächter, versuchen alle Händlertricks, um uns etwas aus den Rippen zu leiern. Nicht mit uns... Am Abend sind wir in einem marokkanisches Hamam. Ich denke, die anderen waren ein wenig enttäuscht, dass ein Hamam nur ein dunkler, heißer, feuchter, modernder Raum ist, in dem sich viele andere Männer waschen. Da wir aber seit ein paar Tagen keine Dusche hatten, machen wir das selbe.


Unser nächstes Ziel war die bekannteste Königsstadt im Lande: Marrakech.

Die Autobahn führt durch grünes Flachland. Wenn wir von der Polizei angehalten werden, was auch nicht sehr oft vorkommt, sind die Herren meist nur neugierig auf Abwechslung , wollen ihr Englisch testen und fragen nach belanglosen Dingen, die wir artig beantworten. Die Strecke führt weiter in Richtung Atlantikküste an Rabat und Casablanca vorbei. Hier endet für uns endgültig der Autobahnteil auf unserer Tour und ab nun geht es auf der Landstrasse nach Marrakech weiter. Dieser Teil der Strecke zieht sich ziemlich lange hin, da viele langsame LKWs unterwegs sind und wir erreichen unseren Campingplatz vor der Stadt erst im Dunkeln. Das ist der letzte Abend, an dem Lemming bei uns ist, also machten wir noch ein paar Biere platt und werten wie jeden Abend die Kuriositäten aus, die man so am Tag erlebt.


Am nächsten Morgen fuhren wir ins Zentrum hinein. Am Nachmittag ging es weiter nach Agadir:

Hier suchen wir für Lemming eine der zahllosen „Aubergen“ aus. Nach einem schlechten grünen Tee am Djemaa-el-Fna-Platz kaufen wir einige gebrannte CDs für die lange Fahrt ein und verabschieden uns von Lemming. Er muss 2 Tage später in Malaga/ Spanien sein, von wo er nach Berlin zurückfliegt. Auf dem Weg raus aus Marrakech versuchen wir das erste Mal, unsere nagelneuen Mercedes-E-Klasse-Reifen an den Mann zu bringen. Leider kann keine Reifenbude das Geld aufbringen, das wir verlangen, und eigentlich zeigt hier auch niemand wirkliches Interesse daran. Also sind wir erfolglos und vertrösten wir uns auf später. Micha, von dem wir vor der Abfahrt die geeigneten Tipps bekommen haben, hatte uns versichert, dass wir die schon an jemanden loswerden. Es sollte also nur eine Frage der Zeit sein, wann wir den richtigen für unsere Waren treffen sollten. Immerhin wollen wir sie loswerden und erwarten uns daraus auch etwas finanzielle Unterstützung. Eine andere Frage stellt sich uns auch, wo sind Micha, Tanja, Anton, Evi und Ed, die wir hier im Lande treffen sollten. Unsere SMS-Versuche bleiben bis jetzt vergebens und scheiterten an technischen und Verständnisproblemen. Jäkel, der sein Handy unbedingt mitnehmen wollte, hatte seit der deutschen Grenze schon keinen Empfang mehr und schleppt es somit völlig umsonst mit.
So sind wir nun auf dem Weg nach Agadir, unserem Tagesziel. Jäkel bringt unsere gute Vanette dabei über die höchste Erhebung auf den gesamten 8000 Kilometern, nämlich den Anti Atlas mit einer Passhöhe von 1700m. Dass die Kupplung hier schon nicht mehr so einwandfrei läuft, sollten wir später noch deutlicher merken. Da wir wegen unseren ganzen Sachen nun langsam nervös wurden und sie endlich verkaufen wollen, fahren wir durch Inezgane und halten bei diversen Reifenläden. Alles vergebens. Jeder hat einen anderen Grund, warum er unsere Reifen nicht kaufen kann. Da es nun langsam dunkel wird, wollen wir noch ein paar Kilometer nach Süden auf einen Zeltplatz in Sidi Rbat weiterfahren. Eigentlich haben wir immer Fahrten im Dunkeln vermieden, da Marokkaner an allen Stellen ohne Rücksicht überholen und dabei auch keine besondere Beleuchtung an ihren Autos haben. Auch Fußgänger und Eselkarren kreuzen unverhofft die Strasse. Dieses Mal geht es nicht anders, da wir keine andere Möglichkeit kennen und eigentlich auch am Meer schlafen wollen. Nach einiger Zeit finden wir die Seitenstrasse nach Sidi Rbat. Stellen dann aber fest, dass es keinen Zeltplatz mehr gibt. Aber wir finden im Dunkeln einen netten Platz an einem Flussdelta und machen aus Palmenresten noch ein Feuer, was eigentlich nicht zu empfehlen ist. Später hören wir, dass der Zeltplatz wegen Schmuggelei vor ein paar Jahren geschlossen wurde.


An diesem Tag sind wir nach Tarhazoute gefahren und trafen dort Micha, Tanja und Anton:

Am Morgen betrachten wir uns die wirklich schöne Landschaft. Leider ist es nachts immer noch so kalt, dass ich in meinem dünnen Schlafsack friere. Und das kontinuierlich in allen Nächten bis zu diesem Ort. Micha meldet sich an diesem Tag telephonisch aus Tarhazoute, nördlich von Agadir, als ich zufällig mein Telefon an habe. Wir beschließen dennoch, weiter Richtung Süden nach Tiznit zu fahren, werden unsere Reifen hier leider auch nicht los. Da die Ortschaften ab hier immer rarer wurden, beschließen wir, 80 km zurück nach Tarhazoute zu Micha, Tanja und Anton zu fahren.
Mit uns kommt zwar dort auch der Regen wieder an, aber wir freuen uns, die drei mit ihrem 35 Jahre alten zebrafarbenen Hanomag zwischen den ganzen Luxuscampern am Strand zu treffen. Natürlich werden alle Storys ausgetauscht. Die drei sind schon fast einen Monat unterwegs. Dieser Stellplatz an der Küste ist bekannt dafür, dass hier viele Dinge ge- und verkauft werden. Es dauert nicht lange bis Mohammed, von dem wir schon gehört haben, bei uns eintrifft und endlich nach Waren Ausschau hält. Was sind eigentlich die „Waren“, die wir nun schon mehr als 4000 km mit uns mitführten und ihm nun aufgeregt unter die Nase halten. (Immerhin ist jemand ernsthaft daran interessiert und Micha hat schon gute Erfahrungen mit ihm gemacht.): 6 Autoradios, ein paar Boxen, 1 Minifernseher, 1 Küchenradio, 3 Handys, 4 Reifen, ein 6 –teiliges Pfannenset, 1 Kaffeemaschine, 1 schnurloses Telefon mit Anrufbeantworter, 2 Tüten mit Parfum und Kosmetikkram, 2 Beutel mit Klamotten, 2 Kisten voll mit Werkzeug, 2 Taschenmesser und noch ein paar andere Dinge. Vieles werden wir für gutes Geld an ihn los. Ansonsten regnet es den ganzen Tag und wir stehen bald im Modder.


Morgens fuhren wir dann an eine Thermalquelle in der Nähe von Goulimine.

Am Morgen kommt der erste Mohammed mit einem zweiten Mohammed und holt sein Erstandenes ab. Wir haben uns am Vortag bei einem Schmied Sandleitern bestellt, die wir als Unterlage auf dem losem Wüstensand in der Sahara nutzen wollen. Diese holen Jäkel und ich ab und fahren mit den anderen im Konvoi in ein Dorf in der Nähe von Goulimine. Hier verbringen wir 2 Tage und relaxen etwas in dem Dorf. Der Hanomag fährt schon vor, um etwas Vorsprung zu bekommen. Danach verlässt uns auch Sten, um einen anderen Teil des Landes zu erkunden. Er hat es echt geschafft, 10 Tage lang auf dem Beifahrersitz zu schlafen, weil er kein Zelt mit hatte, und fand das noch akzeptabel. Respekt!! Ihn setzen wir am Morgen des 1.März in Goulimine in ein Grand Taxi nach Sidi Ifni.


Hinter Goulmine hatten wir das erste Mal das Gefühl, in die Wüste zu fahren.

Zwar sind die bewässerten Felder links und rechts von der Strasse hier noch sehr grün zu dieser Jahreszeit, aber die Besiedlung wird rapide dünner. Die Hügelketten am Horizont sind trocken und es wachsen nur noch kleine Büsche und Sträucher darauf. Auf der Straße ist nicht viel Verkehr. Es vergehen oft mehrere Minuten, bis uns das nächste Auto entgegenkommt, obwohl dies die einzige ausgebaute Route in Marokkos Süden ist und die Westsahara mit dem Rest des Landes verbindet. Nun ist es so heiß tagsüber, dass sich die Wärme hält und ich nachts wahrscheinlich nicht mehr frieren werde. Mit Queens of the Stoneage fahren wir Tan Tan entgegen. Da man so weit im Süden kaum noch Orte hat, haben selbst solche kleinen, eintönigen und nichts sagenden Orte wie Tan Tan eine Bedeutung, vielleicht sogar etwas würdevolles als letzte Vorposten der Zivilisation in der Wüste. Die Architektur der südmarokkanischen Häuser hier ist nicht gerade variationsreich. Alles 1 bis 2 stöckige, viereckige und mit Lehmfarbe verputze Behausungen. Neubaustil in der Wüste. Mit seinen 2 Kamelen am Ortseingang stellt dieses Städtchen symbolisch das Tor zur Wüste dar.

Immer auf der Jagd nach guter Musik, stöbern wir noch einen Musikladen am Straßenrand durch. Ich entscheide mich für ein Kassette mit algerischer Rapmusik und eine Darbouka-CD. Unser Vorrat an CDs und Kassetten sollte für lange, unabwechslungsreiche Fahrten ausreichen, sofern Jäkels MP3-Player das mitmacht. Hinter Tan Tan beginnt die steuerfreie Zone Marokkos und der Treibstoff kostet ab hier weitaus weniger als im Rest des Landes. An der nächsten Tanke füllen wir unsere Vorräte wieder auf. Der Liter Diesel kostet hier nur noch 29 Cent, da kann man schon ein wenig kleckern beim tanken. Wir haben es mit unseren Vorräten wirklich von Melilla bis nach Tan Tan, also von einer Billigzone bis in die nächste, geschafft. Nach unseren guten Umsätzen in Tarhazoute und dem billigen Diesel haben wir jetzt mehr Geld als bei unserer Abfahrt in der Tasche. Uns begleiten im Kilometerabstand Reste von verunfallten Trucks oder zumindest deren Ladungen an der Straße. So kommt es vor, dass ein großer Berg Fische oder kaputter Coca Cola Flaschen mitten in der Wüste liegt. Alle Teile von diesen oft bis zum letzten ausgebrannten Trucks und Bussen werden akribisch untersucht und alles verwendbare abgeschweißt. Bis auf die letzte Mutter oder Schraube.
Hinter Tan Tan Plage erreichen wir einen sehr schönen Teil der Route. Die Straße führt hier sehr dicht an das Meer heran. Manchmal sind es nur einige Meter rechts vom Weg, die uns von der Klippe trennen. Die Küste fällt steil ins Wasser und wird wahrscheinlich vom Meer Stück für Stück abgefressen. Die seltenen Behausungen am Wegesrand sind kleine angeranzte Fischerhüttchen aus Pappe. Hin und wieder sehen wir ihre Bewohner mitten im Nowhere mit Angelequipment neben der Straße laufen. Auf der linken Seite von uns befindet sich der Rand der Sahara. Die Wüste breitet sich unendlich bis zum Horizont aus. Steine, Sand und allenfalls kleine Büsche. Alles staubtrocken. Über die Straße führen an manchen Stellen Sandverwehungen, denen man ausweichen muss, was bei solch einer leeren Straße nicht schwer ist. Für die Räumung sehen wir große Räumfahrzeuge, die auch in den Alpen für den Schneeabtransport zuständig sein könnten. Diese schöne, wirklich großartige Eintönigkeit wird durch einige Flussdeltas unterbrochen. Eigentlich dachten wir, in den Deltas einige Flamingos zu sehen, aber leider sind wir dafür schon in der Jahreszeit zu spät. Die Tiere sind schon wieder weg. Dennoch finden wir diese Flussmündungen sehr eindrucksvoll und halten bei fast jeder an. Die Straßen führen hier meist steil durch enge Röhren von ihrem Plateau bis auf Meereshöhe herunter. Rechts von uns schlagen die Ozeanwellen auf die angehäuften Dünnen in den Mündungen. Hier trifft die Wüste unmittelbar auf das Meer.
Die einzigen Tiere sind in dieser Gegend standesgemäß Kamele. An den Seiten stehen in Abständen kleinere und größere Gruppen herum. Aufpassen müssen wir, wenn sie so dicht an der Straße stehen. Wenn die Kamele sich erschrecken, laufen sie vor Panik auch über den Weg und wir wollen einen Crash mit der Vanette natürlich verhindern. Wenn wir uns zu Fuß nähern wollen, laufen sie scheu vor uns weg. Da helfen auch keine Fütterungsversuche von Jäkel. Dennoch können wir langsam heran laufen und sie uns von der Nähe ansehen. Diese Tiere sind in ihrer Art, Form und Größe sehr eindrucksvoll. Wahrscheinlich ist das Kamel das einzige Tier dieser Größe, dass in der Wüste überleben kann. Seine Art hat etwas zwischen erhaben und blöd.
Von besonderen Highlights kann ich von dieser Strecke nicht berichten, jedoch ist die ganze Szenerie, so wie sie vor uns liegt, sehr schön. Da passen auch die Schiffswracks vor und nach Tarfaya, die dort an der Küste gestrandet sind, in die Landschaft.

Die nächste Abwechslung wird Laayoune, die Verwaltungshauptstadt der Westsahara, sein. Am Polizeiposten vor der Stadt treffen wir den zebrafarbenen Hanomag von Micha, Tanja und Anton. Ihren Vorsprung haben wir an einem halben Tag eingeholt. Wegen Anton können sie erstens auch nicht den ganzen Tag wie wir fahren, außerdem liegt das durchschnittliche Tempo um die 60 km/h, was dann wieder am Truck selbst und nicht an Anton liegt. Und auf die müssen sie erst einmal kommen. Ansonsten haben die drei sich ein schön gemütliches Wohnzimmer auf die Ladefläche geschnallt. Sicher weitaus mehr Luxus, als wir bieten können. In Laayoune trennen sich wieder unsere Wege für ein paar Stunden, da Jäkel und ich noch ein Hühnchen essen und die letzten Reserven für die nächsten Tage einkaufen wollen. Die nächste Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten, die wir ansteuern wollen, ist 1000 Kilometer weiter in Mauretanien. Abends finden wir den Hanomag an einer schönen Stelle an der Küste. Hier werden wir wieder vereint die Nacht verbringen.


An diesem Fahrtag legten wir die Strecke von dem schönen Küstenrastplatz hinter Laayoune bis hinter Dakhla zurück:

Am nächsten Tag verabschieden wir uns und Micha beschreibt uns die „Piste“, die hinter der mauretanischen Grenze beginnt. Wir verabreden uns in Nouadhibou/Mauretanien für die nächsten Tage. An diesem Tag geht es immer nur vorwärts. Wir wollen bis hinter Dakhla kommen. Die Landschaft hat sich nicht weiter verändert, außer dass nun ein Wind dazu gekommen ist, der den ganzen Sand aus der Wüste aufwirbelt. Alles ist in einen einheitlichen lehmfarbenen Ton gehüllt, selbst die Sonne am Himmel ist nicht mehr richtig zu erkennen. Sogar die Kamele heben sich nun noch weniger vom den umliegenden Farbresten ab. Es ist alles sehr gespenstisch und wir kommen uns wie in einer abgeschlossenen Glocke vor. Da die Hügel an den Seiten oft nur noch schemenhaft zu erkennen sind und um uns sich nichts anderes als das graue Band der Straße befindet, haben wir das Gefühl, in einer trostlosen Mondlandschaft zu sein. In unregelmäßigen Abstanden kommen wir an Siedlungsprojekten der Marokkaner vorbei, durch die sie die Westsahara mit eigentlich fremden Marokkanern besiedeln möchten. Wir können uns gut vorstellen, dass diese Wüste hier ähnlich wie lange Dunkelheit eine sehr depressive Wirkung haben kann. Bis zum Abend schaffen wir es, dank der neu ausgebauten, meist zweispurigen Straße, bis 100 Kilometer vor die mauretanische Grenze. Leider war das Huhn gestern in Laayoune etwas schlecht, weswegen es mir heute ähnlich geht.


Am Morgen hielt uns in diesem Nichts südlich von Dakhla nicht mehr viel. Wir erreichten Mauretanien nach einer sehr abenteuerlichen Fahrt.  Dieser Tag ist wirklich sehr spannend zu lesen!!! 

Wir wollen nach Mauretanien. Gegen Mittag erreichen wir die Grenze. Die „armen“ Grenzer hier bekommen sicher nicht wenig Geld, wenn sie in dieser Einöde stehen und die Weiterreisenden durchsuchen. Wir können uns eigentlich nicht beklagen. Es sind zwar viele Papiere zu besorgen, aber die bekommen wir freundlich und problemlos. Zwischendurch ein kurzes Schwätzchen in Französisch und Englisch und dann geht es weiter. Leider bemerken die Beamten am nächsten Posten 7 Kilometer weiter, dass wir einen Stempel vergessen haben und schicken uns zurück. Nach einer kürzeren Diskussion bekommen wir auch an der richtigen Stelle den Ausreisestempel in den Pass gedrückt, nachdem wir die Beamten geweckt haben. Wieder am letzten Posten wird uns der Stacheldraht aus Marokko heraus geöffnet und wir fahren auf das Niemandsland in Richtung Mauretanien. Mit dem Stacheldraht hört auch die geteerte Straße auf. Vor uns liegen einige Pisten in unterschiedliche Richtungen.

Der Zustand jeder Piste lässt sich kurz mit scheiße beschreiben. Stein- und Felsgeröll, loser Sand und tiefe Löcher bilden solch eine Piste. Wir fahren ganz vorsichtig, so wie wir es die ganze Zeit getan haben. Um uns herum ist niemand. Sogar das einzige Zeichen von Zivilisation, die Straße, hat uns verlassen. Es dauert nicht lange bis wir das erste Mal an ein Sandfeld kommen. Durch den geringen Schwung schaffen wir es nur einige Meter durch dieses Feld bis wir stecken bleiben. Dies wird das erste von unzähligen Malen sein. Also holen wir unsere in Marokko speziell angefertigten Sandleitern vom Dach und fangen an zu graben. Mühsam schaffen wir es einen Meter, aber die Vanette gräbt sich dabei auch immer tiefer ein. Dass eine „Piste“ so aussieht, hat uns Micha dann doch nicht gesagt oder wir haben seine Erklärung anders aufgefasst. Zum Glück kommen uns nach einigen Minuten zwei Mauretanier zu Hilfe, die zufällig aus dem Nichts aufkreuzen. Zusammen graben wir das Auto wieder aus und kommen Stück für Stück vorwärts. Leiter einbuddeln, Gas geben, schieben, die Leiter wieder finden, ausbuddeln und diese wieder vor dem Rad eingraben. Nach einer Stunde sind wir aus dem Sandfeld wieder raus und stehen auf den Resten der alten spanischen Teerstraße, die uns mehr als Wegweiser denn als Fahrunterlage dient. Die beiden Mauren wollen eine Fischdose und ein paar Zigaretten haben und die bekommen sie natürlich auch. Mich verwundert, dass sie ein Handy in der Hand haben. An einen Empfang für Handys in dieser trostlosen Mondlandlandschaft hätte ich absolut nicht gedacht und vielleicht gibt es den hier auch nicht.
Wir wollen ab nun sehr vorsichtig sein und vor jedem Sand, wenn überhaupt noch einer kommen sollte, schön viel Gas geben. Leider kommt einige Hundert Meter weiter das nächste Sandfeld, in dem wir prompt wieder stecken blieben. Wie oft wir an diesem Tag stecken geblieben sind und uns wieder ausbuddeln mussten, weiß ich heute nicht mehr. Auf jeden Fall war es mehr als genug und ich denke, wir waren verdammt verzweifelt: wir das erste Mal und das noch allein in der Wüste und auf einem Grenzstreifen, der mit Minen versehen ist. Weil diese Minen überall verteilt sind, wollten wir keine Autospur im Sand vor uns verlassen. Zum Schlafen hätten wir also auf den ausgefahrenen Spuren stehen bleiben müssen, was wiederum ein Risiko für nachfolgende Autos sein kann. Das sind unsere Gedanken und Sorgen in dem Moment. Außerdem haben wir keine Ahnung, wie weit Nouadhibou entfernt ist. Einige Stunden haben wir sicherlich gebraucht, um an den ersten mauretanischen Grenzposten zu kommen. Bevor ich dieses stinkende Stück Haus näher beschreibe, sollte man sich das Bild ansehen.

In dem Steinhaufen hängen vergammelte Stücken Fleisch und alte Müllreste in der Ecke. Die „Beamten“ liegen auf verschimmelten Matratzen und schlürften ihren Tee. Welcome to Mauretania- hier werden unsere Vorstellungen voll bestätigt. Eigentlich wären wir an dem Steinhaufen glatt vorbeigefahren, wenn nicht jemand mit winkenden Armen daraus gekommen wäre. Nach der Abfertigung geht die Piste durch den alten aufgeschütteten Sandwall, durch den man seit einiger Zeit problemlos durchfahren kann, zum Zoll und zur Einreisebehörde. Dies ist wahrscheinlich noch ein altes Relikt aus der Zeit, in der man nach Mauretanien nicht ohne Probleme einreisen konnte. Dies ist allerdings erst 10 Jahre her. Selbst zwischen diesen beiden mauretanischen Grenzposten haben wir uns in einem Sandfeld festgefahren. Hier sieht man neben der Piste einen ausgebrannten Jeep, der vor wenigen Jahren auf eine Mine gefahren ist, und wir sind wieder an die tickenden Bomben um uns erinnert. Die beiden letzten Posten lassen sich viel Zeit, knöpfen uns 20 Euro für nichts ab; trotzdem kommen wir noch glimpflich davon. Hier sind manche Reisende schon einige Hundert Euro losgeworden. Den weiteren Teil der Strecke nach Nouadhibou quälen wir uns Meter für Meter vorwärts ohne wirklich einen Plan von der Richtung und vom Fahren in der Wüste zu haben. So brauchen wir sicherlich 5 Stunden für die ersten 10 Kilometer und 40 Kilometer sollen es in irgendeine Richtung sein. Wir sehen uns schon auf dem Grenzstreifen übernachten.

Als wir wieder in einem Loch stecken, erreichen uns 2 französische und ein holländisches Auto. Die Insassen erklären uns erst einmal das Ein-mal-Eins des Wüstenfahrens und helfen uns aus dem Sandloch. Nachdem wir nun kaum noch Luft auf den Reifen haben sollen und wirklich Vollgas bei jeder Gelegenheit geben sollen, bleiben wir nur noch einmal stecken. Wir heizen der Gruppe hinterher. Oft fliegen alle Dinge vom Armaturenbrett nach hinten und zurück. Jäkel kennt kein Schmerz und jagt unsere gute Vanette durch die Wüste. Wir waren sehr vorsichtig mit dem Auto bis jetzt, geben solche Maßnahmen nun aber völlig auf. Wir sind eigentlich erstaunt, was ein Auto trotz den Sprüngen und dem Krachen aushalten kann. In 2 Stunden schaffen wir die letzten 30 Kilometer bis zur Bahnstrecke des „Eisenzugs“, die überqueren wir und erreichen einen letzten Kontrollpunkt vor der zweitgrößten Stadt des Landes noch vor dem Dunkelwerden. Plötzlich taucht links von uns ein Teerstraße auf. Bis zu diesem Tag hatten wir gedacht, solche Straßen gibt es überall auf der Welt und viel schlechter konnte es nicht werden. Nun wissen wir diesen Teer richtig zu schätzen und freuen uns auf die ersten Zeichen von Zivilisation.

Zu den veränderten Straßenzuständen kommen in Mauretanien die Menschen. Sie sind viel dunkler als die marokkanischen Araber. Mauren sind eine Mischung aus Arabern und Berbern. Sie tragen traditioneller Weise hellblaue Gewänder und sind oft mit Tüchern um den Kopf gegen den Sand geschützt. Für uns bedeutet diese neue Szenerie die wirkliche Ankunft in Afrika. Horden von Kindern rennen um die Autos. Die dunklen Menschen in diesem düsteren Licht haben etwas einmaliges auf dieser Reise. Im Stadtbild bewegen sich Autos umher, die alle aus europäischen Lieferungen kommen. Wer die Geschichte des Landes kennt, wird wissen, dass Mauretanier dafür nicht in der Lage sind. Hier ist zwar nicht die richtige Stelle, sich über die Geschichte dieses Landes auszulassen, aber das kann ja jeder Leser an anderer Stelle nachholen. Ich würde das sehr empfehlen.

An die Verkehrsregeln, die für uns überhaupt keine Regelmäßigkeiten darstellen, gewöhnen wir uns schnell. Mit Regeln würde man den Verkehr hier eindeutig zu kompliziert gestalten und alles in ein Durcheinander bringen. An einer Kreuzung sacken wir einen vielzähligen Zeltplatzvermittler ein und fahren in einer Kolonne zu einem der beiden Zeltplätzen der Stadt. Endlich ist dieser Tag vorbei und wir sind angekommen. Ich hatte nun überhaupt keine Lust mehr, nur noch ein Stück durch die Wüste zu fahren. Etwas ungünstig, da der längste Weg eigentlich noch vor uns liegt. Eine andere Möglichkeit ist der Eisenzug quer durchs Land zu einer ausgebauten Straße. Aber über den weiteren Weg machen wir uns heute keinen Kopf mehr. Am Abend haben wir uns Bier verdient und wir gehen in die einzige Bierbar der Stadt direkt neben unserem Zeltplatz. Völlig fertig vom Tag freuen wir uns sehr über das teure Bier und beschließen, erst einmal auf die andern zu warten. Diese Bar scheint uns ein Nachtclub zu sein, da viel Frauen und gut gekleidete Männer in einem Separee verschwinden. In jedem anderen Land wäre ich mir sicher, dass es ein Nachtclub ist, aber Mauretanien ist der letzte Ort der Welt, an dem man das erwartet.


Am folgenden Tag erholten wir uns in Nouadhibou:

Heute machen wir einen Rundgang durch die Stadt. Die Straßen sind weitaus dreckiger, als die in Marokko. Alles sieht sehr ärmlich aus. Am Nachmittag fahren wir zum Bahnhof und sehen den längsten und schwersten Zug der Welt mit seiner Steinerzladung aus einem Abbaugebiet in der Wüste einfahren.

Vor allem der Rand der Stadt sieht sehr nach einer Müllhalde aus und richt auch so. Wir fahren weiter aus der Stadt in Richtung Cape Blanche. Die Sonne brennt uns sehr auf den Kopf und es ist fast unerträglich heiß. Das ist also Winter in Mauretanien. Auf dem Weg zum Cape Blanche kommen wir an einer Bucht vorbei, in der einige Schiffswracks abgelagert sind. Mauretanien ist wahrscheinlich der Müllplatz für Schiffe anderer Länder.

Der Weg zum Kap ist recht einfach und gibt uns wieder Hoffnung für die nächsten Tage. Zwar sehen wir keine der vom Aussterben bedrohten Mönchsrobben am Kap, dennoch ist es sehr schön hier. Ein breiter Strand, den man von einer steilen, von Wind und Wasser zerfressenen Klippe aus erreichen kann. Auf der Spitze der Klippe steht in diesem super islamischen Land ein christliches Kreuz, was uns etwas verwundert, wie so einige Dinge in diesem Land. Am Abend treffen wir am Zeltplatz den zebrafarbenen Hanomag und können mit seinen Insassen gute Storys austauschen.


Noch verbringen wir einen weiteren Tag in Nouadhibou, besorgen alle Papiere wie Versicherung sowie Zoll und einen Führer, der uns am nächsten Tag durch die Wüste bringen soll. Am Nachmittag fahren wir wieder zum Kap und sehen sogar die seltenen Mönchsrobben.


Dies ist der Tag, an dem wir in die Wüste aufgebrochen sind und fast am anderen Ende nicht angekommen wären:

Morgens um 11 Uhr erscheint unserer Führer Mohammed. Er wird uns die nächsten 400 Kilometer bis zu dem Dorf Nouamghar leiten.
Wir füllen alle Treibstoffreserven auf, mit denen wir zwei Mal durch die Wüste kommen würden, und starten zum schwersten Teil der gesamten Strecke zwischen Berlin und Banjul. Der Weg aus der Stadt heraus führt wieder an den Bahngleisen vorbei. Bis hier gibt es keine Probleme. Mohammed sitzt bei uns im Auto, Micha fährt hinter uns. Obwohl er diese Tour schon einige Male gemacht hat, ist er vor der Abfahrt wegen Tanja und Anton sowie dem ungewohnten Auto nervös. Auf der rechten Seite unserer Piste sehen wir die Anfänge einer Straße von Nouadhibou nach Nouakchott, die von den Ägyptern gebaut und in den nächsten Jahren fertig sein wird. Mauretanier wollen und können keine Straßen bauen, wie wir momentan schmerzlich erfahren müssen. Das erste Wüstenstück ist ähnlich schwierig wie die Strecke an der Grenze. Ich habe Jäkel gern den Vortritt beim fahren gelassen. Er ist auf dem Teil an der Grenze schon gefahren und macht das schon sehr gut. Trotz unserer gewonnen Erfahrung bleiben wir des Öfteren stecken. Micha sagt, dass das auch ein wenig an der Route von Mohammed liegt. Heute kann uns Micha mit seinem Hanomag leicht herausziehen. Er hat überhaupt keine Probleme beim Fahren. Wenn er stecken bleibt, macht er den Allradantrieb an und alles ist gut.

Heute bekommen wir einige Probleme mit unserer Vanette, die sie vorher noch nie gezeigt hatte. Öl läuft beim Anfahren aus dem Motor aus, die Lichtmaschine funktioniert nicht mehr und die Armaturenanzeigen fallen aus. Auf dieser Piste schaukelt, kracht und rummst es sehr heftig. Wir können nur hoffen, dass alles wichtige ganz bleibt. Bei einem Anschiebeversuch merken wir schon, dass die Kupplung sehr schlecht ist und verdammt stinkt. Außerdem lässt die Motorleistung manchmal rapide nach. Wir kennen den Grund zwar nicht, wissen aber, dass das überhaupt nicht gut ist für die Wüste. Die Strecke führt einige Kilometer landeinwärts an einem Nationalpark entlang, für den wir zwar Eintritt bezahlt haben, aber nichts von ihm sehen. Das scheint uns ein mauretanisches Prinzip zu sein: Zahle für etwas, das du nicht siehst. Auf dem Weg wechseln schnell Geröllsteine und loser Sand. Über alles muss man mit schnellem Tempo fahren, um nicht stecken zu bleiben. Mit großen Schwierigkeiten erreichen wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit nach ca. 150 Kilometern ein Camp mitten in der Wüste. Die Angst, dass das Auto nicht hält, der ganze Weg umsonst war (dazu noch der finanzielle Verlust) und unser Plan nicht funktioniert hat, sitzt tief an diesem Abend. Unseren letzten Rum machen wir an diesem Abend alle. An Alkohol haben wir ebenfalls nicht gedacht und das kann hier fatal sein.


Ein ganzer Tag allein mit einem kaputten Auto in der Wüste:

Heute starten wir sehr früh, weil der Sand am Morgen noch relativ hart und dadurch besser zu befahren ist. Wir merken gleich, dass die Motorleistung bei hoher Belastung, und die ist nicht zu vermeiden, schnell an Kraft verliert und einfach in einem Sandstück ausgeht. So werden wir wohl kaum die letzten 40 Kilometer vor Nouamghar schaffen, die eine lange Düne nur aus Sand, sind. Noch geht es halbwegs vorwärts. Auf einem harmlosen Stück durch einen Salzsee platzt Micha plötzlich mit einem lauten Knall ein Reifen. Auf dem losen Sand haben wir etwas Mühe, das große Auto aufzubocken und die großen Räder zu wechseln. Anton hält die Stimmung mit lustigen Kommentaren hoch.

Meine Stimmung hat sich seit gestern gewandelt. Die Angst, dass wir es nicht schaffen könnten, ist einer Gleichgültigkeit gewichen. Vielleicht ging es mir so besser. Auf jeden Fall konnte ich alles lockerer sehen, war nun auf alles gefasst und hätte Verluste auch halbwegs hinnehmen können. Jäkel ging es nicht nur mental, sondern auch körperlich schlecht. Seit gestern hat er Durchfall und er ist ganz matt und platt.
Alle Versuche helfen nicht, das Auto besser zum laufen zu bringen. Nicht einmal die cleveren Kommentare der Mauretanier, die wir treffen und die hier wahrscheinlich auf einem Sonntagsausflug sind. Gegen Mittag, nachdem alles zumindest halbwegs lief und wir mit den Mühen vorwärts gekommen sind, macht unsere Kupplungsscheibe ihren endgültigen Abgang. Der Motor läuft, der Gang ist eingelegt aber das Auto bewegt sich nicht. Etwa 100 Kilometer vor Nouamghar, was eigentlich auch nur ein Nest ist. Wir überlegen hin und her. Micha kann uns über die lange Dünne vor uns nicht ziehen. Mohammed erzählt etwas von Käufern für das Auto an Ort und Stelle, so wie es ist, im Dorf und wenn die nicht da sind, dann eben von einem Abschleppjeep. Also fährt der Hanomag mit Mohammed los und läßt uns in der Wüste zurück. Ganz allein. Keine Fahrspur, kein Geräusch, kein Zeichen von Zivilisation, keine Ahnung von einer Richtung, Jäkel krank und das Auto kaputt. So sitzen wir im schmalen Schatten der Vanette.
Nach einigen Stunden wird die Sonne erträglicher und wir beginnen, das Auto aufzuräumen. Alle brauchbaren Dinge kommen auf einen Haufen, alle unbrauchbaren legen wir auf anderen. In unserer Nähe liegen die Reste von einem abgestorbenen Baum, die wir bei Dunkelheit anzünden. Die unbrauchbaren Sachen verbrennen wir dabei mit, um uns nicht mehr mit ihnen zu belasten. Natürlich tun wir das auch in dem Glauben, das Auto an Ort und Stelle zu verkaufen. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass in diesem Moment dein Leben an dem Tun und Handeln einer anderen Person hängt. Und dann noch an dem eines Mauretaniers.

Nachts um 11 Uhr kommt das erste Lebenszeichen von anderen Menschen. Es ist Mohammed und zwei anderen Mauren, die mit einen Jeep zurückkommen. Jäkel schläft zu dieser Zeit schon. Die drei Insassen aus dem Jeep essen erst einmal und dann erklärt uns Mohammed, dass es keine Käufer gibt. Und wir haben uns der Illusion hingegeben und deswegen schon das Auto ausgeräumt. Sie werden uns jetzt in der Nacht durch die Wüste bis an die Dünnen ziehen. Also werden wir mit einem dicken Seil an die Hängerkupplung des Toyotas gehängt und es geht los. Ich muss mich verdammt auf das Fahren konzentrieren, während wir nur einige Meter hinter dem Toyotajeep an dem dicken Abschleppseil durch die dunkle Nacht jagen. Das Auto springt beim fahren vor uns hin und her. Es ist so dunkel, dass wir nichts anderes sehen und die gesamte Strecke nur hoffen können, dass wir mit der Vanette nicht ungünstig irgendwo landen. Nach einer Stunde Fahrt, halten wir und schlafen einige Zeit. Kurze Zeit später ist es hell und wir fahren, immer noch im Schlepptau, über die langen Dünen. Wirklich, kilometerlange Sandflächen auf denen man ohne Allradantrieb ständig in Fahrt bleiben muss. Allmählich erscheint am Horizont Wasser und wir kommen auf einen guten Weg vor dem Dorf.
Nun halten wir und bekommen unsere wahren Aussichten von den drei Mauren präsentiert. 700 Euro für das Abschleppen und 700 Euro für das Auto beim Verkauf. Na gut. Erst einmal können wir nicht viel sagen, da wir auch ohne diese Ansage schon ziemlich fertig sind. Mit meinem besten Französisch handle ich mit den 3 Mauren rum. Diese Verhandlungen ziehen sich über eine Ewigkeit hin. Wir stecken natürlich nun langsam knietief in der Scheiße und haben kaum Argumente gegen ihren Preis. Jäkel und ich beschließen, eher zünden wir das Auto an, bevor wir diesen Gaunern irgendeine einzige Mutter freiwillig aus der Karre übrig lassen. Erst nachdem ich etwas von der Polizei erzähle, was auch immer, setzt sich der Trupp wieder in Bewegung und wir erreichen nach einigen Minuten das Dorf.

Dies ist wahrscheinlich wirklich das Ende der Welt. Es stinkt, überall liegt Müll umher, das Dorf ist für uns voller Gauner und die nächste Zivilisation ist einige hundert Kilometer weit weg. Unsere Abschlepper schließen einige unserer Sachen als Sicherheit ein. Wir verhandeln weiter und probieren mehrere Pläne durch. Auch wenn wir den „Abschleppdienst“ bezahlt haben, haben wir immer noch eine kaputte Karre am Hacken und bis Nouakchott liegen noch 200 Kilometer am Strand vor uns. 2 Franzosen geben uns Hilfe und übersetzen ein wenig bei der Kommunikation bei den Verhandlungen. Auch geben sie uns Mut, dass wir es auch aus eigener Kraft am Strand entlang schaffen könnten. Unsere Vanette fährt nun bei Probefahrten auf glattem Boden mit viel Gefühl langsam an und wir erreichen etwas Geschwindigkeit. Leider hat man nur die Möglichkeit, in einer Ebbephase die lange Passage zu durchfahren. Unsere Verhandlungen mit unseren Abschleppern ziehen sich bis zum Nachmittag hin. Wir einigen uns auf 300 Euro, 20 Liter Diesel und eine Kiste Werkzeug. Ein harter Preis. Wir beschließen, es in der nächsten Ebbephase einfach zu versuchen. Wenn es nicht klappt, sind wir endgültig verloren und schieben die Karre in den Ozean. Wir bereiten uns möglichst akribisch auf unseren Start vor. Reinigen alle Filter und tanken nach. Mehr können wir in dem Moment nicht tun.
Um 16 Uhr starten wir und schaffen nur mit Hilfe den Weg über den losen Sandstrand bis zum Strandsaum, der harten Fläche fast im Wasser auf der man fahren soll. Irgendwie erreichen wir noch einige Stundenkilometer darauf aber durch die Bodenwellen werden wir immer gebremst und müssen nach wenigen Kilometern aufgeben. Das ist also das endgültige Ende unserer Reise aus eigener Kraft. Die Franzosen, die noch hinter uns gefahren sind, helfen uns die Vanette nach oben vom Wasser weg zu schieben, damit sie bei der nächsten Flut nicht gleich in den Fluten versackt. Falls sie Micha treffen, sollten sie ihm eine Nachricht von uns überbringen und sagen, dass es uns gut geht und er sich keine Sorgen machen muss. Mit dem Gedanken im Kopf, dass die Reise endgültig zu Ende ist, gehen wir nun baden. Wir planen die nächsten Tage so vor, dass wir das Auto dem nächsten verkaufen, der es haben will. Das Dorf Nouamghar liegt noch in Sichtweite, also können wir dort Wasser, obwohl wir noch etwa 40 Liter haben, und ein paar Kekse kaufen.

Eine halbe Stunde später erscheint aus Richtung Nouakchott aber ein LKW. Eigentlich ungewöhnlich, da niemand seit Beginn der Ebbe jetzt schon die Strecke von der Hauptstadt bis hier gefahren sein dürfte. Als er näher kommt, erkennen wir aber zu unserer Freude den zebrafarbenen Hanomag wieder. Wir begrüßen unsere Berliner natürlich dolle. Endlich jemand, dem man unsere Leidensgeschichte seit gestern erzählen kann. Micha, Tanja und Anton hatten wenige Kilometer weiter campiert und auf uns gewartet. Von den Franzosen wussten sie, wo wir etwa sind. Micha ist sofort bereit, uns die letzte Strecke bis nach Nouakchott zu ziehen. Für uns ist in dem Moment wieder alles gut. Micha, unserer Retter und Helfer, ist es zu verdanken, dass wir am Ende in Gambia angekommen sind. Plötzlich sind wir wieder voller Energie, obwohl wir nach den ganzen Strapazen eigentlich schon sehr abgemattet waren. Wir schieben unsere Vanette schnell runter ans Wasser, Micha holt ein großes Stahlseil heraus, wir machen uns am Hanomag fest und langsam geht es vorwärts. In diesem Moment haben wir ein unbeschreibliches Hochgefühl. Durch Michas Hilfe können uns die blöden Mauretanier in der Wüste mal... Bis zum Ende der Ebbe kommen wir noch ein gutes Stück. Wir fahren einige Meter vom Wasser weg und buddeln einen Graben rund um die Autos, damit die Räder nicht vom Wasser bei der Flut umspült werden. So sind wir am Abend froh, dass wir noch ein Stück gekommen sind und morgen ist es nur eine Frage der Zeit, wann wir die Hauptstadt erreichen. Zum Glück gibt es von Micha noch einen Schluck Alkohol zur Beruhigung, außer für den kranken Jäkel, der sich gleich wieder ins Bett legt.


Am nächsten Tag legten wir den Weg am Strand zurück und sind in Nouakchott angekommen:

Den ersten Teil der Strecke legen wir weiter am Strand zurück. Dann fahren wir auf eine mittelmäßigen Piste etwas im Landesinneren, wo unsere Vanette langsam sogar aus eigener Kraft vorwärts kommt. Am Nachmittag legen wir die letzten Kilometer wieder vom Hanomag gezogen am Strand zurück. Endlich sehen wir die ersten Anzeichen der Hauptstadt. Gleich am Anfang liegt unser Zeltplatz. Hier müssen wir nur noch aus eigener Kraft, getrennt vom Hanomag hochkommen. Selbst Micha bekommt hier die ersten ernsthaften Probleme, als er sehr ungünstig an einer Kannte stecken beleibt und ihm der Gasbautenzug reist. Wir brauchen noch 3 Stunden, um die letzten 100 Meter im Dunkeln über den Strand hoch zum Platz zu kommen. Wir müssen das Auto hoch „blechen“, das heißt, dass wir jeden Meter mit der Hilfe unserer Sandleitern erkämpfen müssen. Endlich ist es geschafft. Das Auto ist zwar noch kaputt, aber am nächsten Tag haben wir alle Möglichkeiten, in der Stadt eine Werkstatt aufzusuchen.


An diesem Tag waren wir auf Werkstattsuche in Mauretaniens Hauptstadt Nouakchott:

Am Morgen fahren wir aus eigenem Antrieb im Schritttempo in die Stadt und halten an der ersten Werkstatt. Leider ist die sehr teuer und wir müssen uns weiter umsehen. (Diese Werkstatt ist Garage Nouvelle 4x4) Irgendwo finden wir eine kleine Schrauberbude, mit der wir uns schnell auf einen Preis einigen. Sofort wird das Auto aufgebockt und seitlich auf einen Motorblock gelegt. Ich fahre mit den Werkstattchefs einige Ersatzteilhändler ab, um alle Teil zusammen zu suchen. Heute lassen wir das Auto über Nacht hier stehen und können auf dem Zeltplatz auf einer richtigen Matratze schlafen.


Die Werkstatt hatte an diesem Tag unsere Vanette wieder ganz bekommen und das Auto fährt besser als zuvor.

Die Reparatur wird am Morgen gleich fortgesetzt. Neben der kaputten Kupplungsscheibe waren der Öl- und der Luftfilter verstopft und wir hatten dazu noch in Nouadhibou Diesel mit Wasser vermischt getankt. Das Warten auf dem Werkstattplatz ist sehr interessant. Die Werkstatt an sich gehört einem Mauren, die Arbeiten werden aber von Schwarzen, meist Senegalesen, gemacht. Sehr übliche Rassentrennung und Hierarchie in Mauretanien. Wir können uns mit einem maurischen Englischstudenten über die ganzen Umstände im Land unterhalten und bekommen viele Informationen. Bis zum Nachmittag ist alles wieder in Ordnung. Am Abend drehen wir noch einige Runden durch die Stadt, die erst einige Jahre alt ist und die Menschen hier vor kurzer Zeit in der Wüste in Zelten gelebt haben. Dies sieht man dem Stadtbild auch an. Wir beobachten dabei den Verkehr an der einzigen Ampel im Lande, vor der wir 20 Minuten warten müssen, bevor wir über die Kreuzung kommen.


An diesem Tag verließen wir Nouakchott und Mauretanien in Richtung St. Louis/ Senegal.

Hinter Nouakchott führt wieder eine Teerstrasse in die Richtung der senegalesische Grenze. Die Vegetation wir recht schnell grüner und wir sehen sogar einige Palmenwälder an den Seiten. Wir nehmen nicht den gefürchtetem Grenzübergang in Rosso, vor dem uns alle warnen, sondern durchfahren ein Naturschutzgebiet am Senegalfluss. Der Übergang hier ist sehr leer und es nervt niemand. Um Geld zu sparen, verhandle ich mit jedem mauretanischen Beamten an der Grenze mit Geschenken rum. Einer bekommt zum Beispiel anstatt seiner 10 Euro zwei Lippenstifte, einen Frauenslip und ein Parfum. Wir haben ja noch einige Chadeaux in unseren Tüten. Auf senegalesischer Seite funktionieren solche Tricks leider kaum noch. Da wir sehr lange an der Grenze brauchen, erreichen wir erst am Abend St. Louis. Es ist dennoch sehr schön, wieder Musik zu hören, Frauen auf der Straße oder einfach bunte Farben zu sehen. Die Leute lachen wieder. Im Dunkeln kommen wir auf dem Zeltplatz Zebrabar an. Hier kommt wirklich jeder vorbei, der solche Touren macht, und jetzt wissen wir auch warum. Es gibt eine große Kühltruhe mit Bier. Etwas besseres hätte man hier nicht haben können und wir löten an uns diesem Abend so richtig weg. Verdient haben wir es, nachdem wir Mauretanien dank der Hilfe von Micha und von anderen geschafft haben. An diese Abend gibt es lange Storys auszutauschen.

An den Folgetagen blieben wir in St. Louis. Wir fuhren in die schöne Kolonialstadt und freuten uns über die wieder gewonnenen Dinge, die wir in Mauretanien vermisst hatten. In St. Louis treffen wir endlich mit Evi und Ed zusammen. Vor allem über die umliegende Natur des Zeltplatzes freuen wir uns sehr. Er liegt direkt am Senegal-Fluss auf der einen Seite, auf der anderen schließt sich ein Naturschutzgebiet an.


In St. Louis trennten sich endgültig unsere Wege von den anderen, die noch eine ganze Weile in der Zebrabar bleiben wollten. Jäkel und ich fuhren alleine weiter.

Die Straßenzustände bis Mbour sind gut. Wir kommen gut vorwärts. Schön sind vor allem die großen Affenbrotbäume, die in dieser Jahreszeit ganz kahl sind. In manchen Gegenden sind ganze Wälder dieser riesigen und etwas krüppligen Bäume zu sehen. Die Dörfer an den Straßenseiten entsprechen schon richtig dem Bild von Afrika, was wir davon haben. Ich werde sehr an meinen ersten Urlaub vor 5 Jahren hier erinnert. Bei Mbour besuchen wir den Reserve de Bandia, einen Naturschutzpark. Hier können wir Nashörner, Giraffen, Straußen, Wasserbüffel sowie unzählige Antilopen und Gazellen sehen. Anschließend begeben wir uns auf die Straßen Richtung Kaolack. Diese Straße ist aber so mit Löchern übersät, dass wir bis zum Abend nur noch wenig Strecke zurücklegen können. Bei Einbruch der Dunkelheit stellen wir uns zum Schlafen einfach auf ein Feld.


Am folgenden Tag sind wir bis Gambia durchgefahren und erreichen unser endgültiges Ziel, den Sukuta Campingplatz:

Am Morgen starten wir recht früh, um möglichst früh unser Endziel, den Campingplatz Sukuta Camping in Sukuta auf der Südseite von Gambia, zu erreichen. Zwar verbessern sich die Straßenzustände nicht und wir kommen deswegen nur langsam vorwärts, aber wir können uns heute Zeit lassen. Von der Entfernung haben wir nicht viel zurückzulegen. Wir genießen auf der Fahrt die schöne Savannenlandschaft um uns. Interessant sind vor allem einige deutsche Kanonen aus dem ersten Weltkrieg, die an der Fähre über den Saloum-Fluss stehen. Gegen Mittag kommen wir an der gambianischen Grenze an. Alles funktioniert hier reibungslos. Wir merken zwar, dass es einige Beamten wieder auf etwas Bakschisch abgesehen haben, können uns aber erfolgreich dagegen wehren. Endlich können wir auch wieder unser Englisch anwenden. Wegen den andauernden Schlaglochstraßen, die den weiteren Weg endlos in die Länge ziehen, kommen wir nur langsam vorwärts. Als Highlight liegt noch die Fähre über den Gambia-River zwischen Barra und Banjul vor uns. Die Fähre ist bis zum letzten beladen und kommt durch die Wellen auf dem Fluss verdammt ins schaukeln.
Auf den letzen Kilometern bis zum Campingplatz werden wir von den einheimischen Bullen fast noch einmal richtig abgezogen. Wegen angeblichem Falschparken soll ich bis zur Gerichtsverhandlung über diesen Fall in den Knast. Die Bullen drohen mit Schlägen, wenn ich nicht ein bestimmtes Papier unterschreibe. Ich sitze in dem Büro des Bullenreviers, unsere Vanette steht auf dem Hof und Jäkel hält dort die Stellung. Mir geht verdammt die Muffe bei den Androhungen, die ich mir anhören kann und rechne schon mit einer großen Summe, die wir abdrücken müssen um weiterzufahren. Nachdem sich ein Bulle eine der extrem billigen Schachteln Zigaretten von Jäkel abgeholt hat, darf ich endlich losgehen. So geht dieser unnütze Stress mit den Ordnungshütern glimpflich ab.
Am frühen Abend erreichen wir das endgültige und definitive Endziel der Tour von Berlin nach Banjul nach etwa 4 Wochen Fahrt.


In den nächsten Tagen musste ich allein das Auto an irgendjemanden in Gambia verkaufen. Jäkel flog nach zwei Tagen in Gambia über Amsterdam wieder nach Hause zurück und ich blieb allein mit dem Auto.

Das Land Gambia ist mit seinen ganzen europäischen Pauschal- und Sextouristen eigentlich im Gegensatz zu den vorherigen Ländern eher abschreckend. Zwei Tage hat Jäkel noch Zeit, bis er wieder nach Hause fliegen muss. Wir suchen in diesen Tagen mit einem Unterhändler einen Käufer für die Vanette. Als Jäkel losfliegt, haben wir immer noch keinen ernstzunehmenden Käufer gefunden. In den letzen Tagen muss ich das alleine machen, was für mich natürlich nicht unbedingt ein Spaß ist. Gelernt habe ich in den Tagen: Vertraue keinem afrikanischen Wort. Wer die selben Erfahrungen mit die leeren Versprechungen und Ansagen gehört hat wie ich, kann mir sicher zustimmen. So laufen die Tage in der Woche immer nach dem gleichen Schema ab. Tagsüber werden zahllose potenzielle Käufer erfolglos besucht, am Abend kann ich mir mit den anderen Zeltplatzgästen die Birne weglöten.
Am sechsten Tag der Suche treffe ich zwei Frauen aus Guinea Bissau, die nach einem Auto suchen. Eine der Frauen will das Erbe ihres Mannes in ein Business umsetzen, das heißt, dass sie ein Taxi haben möchte. Dafür ist unsere Vanette das optimale Gefährt. Sie sprechen nur etwas Französisch, sonst nur eine Stammessprache, die in Gambia niemand versteht, haben keine Ahnung von Autotypen und vom -fahren, können nicht lesen und schreiben und haben CFA, eine Währung, die man in allen umliegenden Ländern gebraucht. Alle diese Fakten machen die Verhandlungen nicht einfach. Sie können noch nicht einmal die Zahlen auf dem Taschenrechner deuten und werden später auf dem Kaufvertrag nicht unterschreiben können, sondern ihren Fingerabdruck darunter setzen. Nach dem wir uns halbwegs auf einen Preis geeinigt haben, holen wir einen jungen Mann ab, der zu den Frauen gehört, fahren zum Autocheck in eine Werkstatt und anschließend zu jemandem nach Hause. Leider sind die Frauen noch sehr unsicher und wir fahren auf ein Polizeirevier, um dort den Verkauf abzuwickeln. Das ist mir natürlich auch recht, obwohl ich schon seit Tagen ohne Versicherung umherfahre und Bullen eigentlich immer nicht sehen will. Aber es ist ein sicherer Ort. Ich möchte das Auto nur noch gegen etwas Geld loswerden, da ich nach der langen Käufersuche schon sehr genervt bin. Ein Polizist schreibt einen Kaufvertrag, die Käuferin, ich und zwei Zeugen unterschreiben bzw. setzen ihren Fingerabdruck darauf. Dann zählen wir das Geld. Immerhin ein Millionenbetrag. Anschließend fahre ich die beiden Frauen nach Serekunda. Hier übergebe ich die Autopapiere und die Schlüssel, bekomme mein letztes Geld und räume meinen Rucksack aus dem Auto. Nach dem die Frauen und 20 weitere Gambianer um das Auto stehen und auf mich einreden, ruft mein Unterhändler ein Taxi heran, wir schnappen meine Rucksäcke und flüchten vor der Meute über die Straße und lassen die gute Vanette hinter uns. Eine solch schnelle Trennung von dem treuen Gefährt hätte ich auch nicht erwartet. Die Frauen, die kein Stück Auto fahren können, sollen sehen, wie sie in ihr Land kommen. Ich für meinen Teil habe alles geschafft. Mein Geld ist in der Tasche und alle Sorgen sind los. Der Unterhändler bekommt noch etwas Lohn und ich stehe mit meinen ganzen Sachen ohne Auto auf dem Zeltplatz. Ich bin verdammt froh, dass sich alles noch so gut entwickelt hat und kann am Abend erst einmal richtig feiern.


Zwei Tage später, am Montag dem 24.März, buche ich vormittags einen Flug nach Amsterdam. Dieser Flug geht gleich am Nachmittag. Vorher wechsle ich schnell das CFA-Geld in Euro um, was in Gambia auf der Straße auch bei größeren Mengen kein Problem ist. So erreiche ich Holland und einen Tag später Berlin schneller als ich gedacht hatte und komme noch rechtzeitig zum Geburtstag meiner Freundin Ina in Berlin an.

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