| Gallery Batang Ai im Langhaus der Iban
Sarawak, das unbekannte Abenteuer in Borneo 21.09.2002 (View count: 3983) Reise nach Kuching, Batang Ai und Damai Beach Sarawak, Borneo, der Name weckt Assoziationen. Ich denke an Kopfjäger, Regenwald, James Brooke der weisse Rajah. Aber Borneo ist mehr. Die drittgrösste Insel der Welt (nach Grönland und Neuguinea), gliedert sich in drei Teile. Drei Viertel der Insel, nämlich Kalimantan, bilden einen Teil der Republik Indonesien. Der nördliche und nordwestliche Teil der Insel, gehört mit den Gliedstaaten Sarawak und Sabah zu einem Grossteil zu Malaysia und zu einem kleinen Teil zum Sultanat Brunei. Sarawak ist ein Land mit üppigem Regenwald und von vielen Flüssen durchzogen, die oft den einzigen Zugang ins Landesinnere gewähren. Hier findet sich der weltweit (noch) grösste, primäre Regenwald. Da Nutzholz einer der wichtigsten Exportartikel ist, werden auf Borneo seit langer Zeit, riesige Waldflächen gerodet. Die Regierung hat unterdessen wohl erkannt, dass mit dem Verschwinden der Regenwälder, längerfristig auch die Touristen ausbleiben. So wurden in letzter Zeit allein in Sarawak, zwölf Nationalparks gegründet, in denen nicht abgeholzt werden darf. Unsere Reise startet in Zürich. Die Boing 777 der Malaysia Airline hebt schwerfällig ab. Zwölf Stunden Nonstopflug bis nach Kuala Lumpur sind angesagt. Dank Dr. Mario von der Nintendo Spielkonsole und einigen Spielfilmen, überstehe ich die erste Etappe der Reise, sogar als Raucher einigermassen locker. Natürlich mussten die Luftturbulenzen genau dann zum ersten Mal auftreten, als ich mir einen Schluck Wein aus dem Plastikbecher genehmigen wollte. Meine bis zu diesem Zeitpunkt makellos weisse Hose, wechselte in der Lendengegend zu Bordeauxrot. Um Mitternacht (Ortszeit), endlich landen in KL. Eine Zigarette! Aber der Flughafen ist rauchfreie Zone. Oder doch nicht ganz. Ein kleiner, spartanisch eingerichteter Raum steht für die Süchtigen zur Verfügung. Ist aber relativ schwierig zu finden! Das Raucherzimmer ist brechend voll, die Lüftung kämpft scheinbar vergeblich gegen die Rauchschwaden an. Ich brauche gar nicht erst eine Zigarette anzuzünden, zwei tiefe Atemzüge und der Nikotinhaushalt ist geregelt. Erst auf dem Rückflug sollte ich entdecken, dass auf der oberen Etage, beim thailändischen Restaurant Sawadee, eine Bar angegliedert ist, in der das Rauchen erlaubt ist. Jede teergewohnte Lunge weiss das zu schätzen. Viel Zeit bleibt allerdings nicht, der Anschlussflug nach Kuching, der Hauptstadt der Provinz Sarawak, ist schon wenig später. Per Transitrail gehts in die nationale Abflughalle, wo die vorgängig im Flugzeug ausgefüllten Zollpapiere abgestempelt werden. Der Flug ist ruhig, es darf einmal mehr gegessen werden. Die Zeitverschiebung macht es nicht einfacher, was genau ist jetzt Morgen-, Mittag- oder Abendessen? Nach knapp zwei Stunden ist das nächste Etappenziel erreicht. Einmal mehr müssen Zoll- und Einreiseformulare ausgefüllt werden, die dann der Zollbeamte pedantisch kontrolliert und schliesslich wortlos abstempelt. Auf der Fahrt zum Hotel, die ersten Eindrücke. Der Verkehr rollt korrekt und bedächtig, keine Hektik und Rücksichtslosigkeit, wie sonst in Südostasien üblich. Alles ist sehr sauber und ruhig. Kuching (wörtlich übersetzt: Katze) auch Cat-City genannt, hat ca. 400.000 Einwohner, die zum grössten Teil chinesischer Abstammung sind. Die schmucke Stadt am Sarawak-River ist der ideale Ausgangspunkt für unzählige Aktivitäten und Ausflüge ins Landesinnere. Etliche Katzendenkmale und sogar ein Katzenmuseum unterstreichen den Namen der Stadt. Im Hilton Kuching angekommen, verabreden wir uns um 19.00 Uhr zur Night City Tour. So bleiben ein paar Stunden um sich zu akklimatisieren. Die Zeitverschiebung (in der Schweiz geht es schon gegen die Morgenstunden) bewirkt allerdings, dass ich durch lautes klopfen geweckt werden muss, ich bin auf dem Bett sitzend eingeschlafen (im Flugzeug gelingt mir das nie!) erschrocken fahre ich auf, in der Meinung das Morgenessen verpasst zu haben. Die andern warten alle in der Hotelhalle, bereit zum Aufbruch, es ist erst Abend. Diese Tour hält allerdings nicht was sie verspricht, sie führt lediglich an die Waterfront, eine ca. 700m lange Flusspromenade. Dazu braucht es gewiss keinen Guide, beinahe alle grossen Hotels liegen sowieso am Fluss. So braucht nur noch die Hauptstrasse überquert zu werden, die Waterfront ist dann in 15 Minuten abspaziert. Am Abend treffen sich hier die Einheimischen, um sich an einem der vielen Warungs (kleiner Imbisstand) zu verpflegen und gemütlich zusammen zu sitzen. Ansonsten beschränkt sich das Nachtleben auf ein paar kleinere Bars und Pubs in unmittelbarer Nähe des Hilton Hotels. Der Gaumenfreund kommt in den unzähligen, am Strassenrand platzierten, chinesischen Restaurants voll auf seine Kosten. Namentlich sei hier das hangwärts gelegene Food-Center "Top Spot" erwähnt. Das Restaurant unter freiem Himmel, bietet unzählige authentische Gerichte und Seafood-Spezialitäten an. Es ist auch bei den Jugendlichen sehr beliebt. Da das Essen sehr billig ist, bietet es sich geradezu an, auswärts, in grosser Gesellschaft zu essen, anstatt daheim selber zu kochen. Nach einem ausgiebigen, köstlichen Mahl mit viel einheimischem Bier, ist es nur ein kleiner Verdauungsspaziergang zu unserem Hotel. Die Zimmer in den höheren Etagen, die flussseitig ausgerichtet sind, bieten einen spektakulären Blick auf die Stadt und insbesondere auf das nächtliche Treiben an der berühmten Waterfront. Früh aufstehen lohnt sich, an der Fensterfront des Zimmers kann man die schönsten Sonnenaufgänge mit erleben. Nach dem hiltonmässigen Frühstücksbuffet, werden wir bereits zur Day-City-Tour erwartet. Sie beansprucht gerade mal ca. drei Stunden und genügt vollkommen um die wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besichtigen. Einige Museen, ein taoistischer Tempel (und nicht etwa ein chinesischer, wie ich meinte), eine Moschee sowie diverse Regierungsgebäude sind auf dem Programm. Beim Katzenmuseum stehen wir vor geschlossenen Türen, der König mit Gattin ist gerade dort auf Besuch. Wir haben da natürlich das Nachsehen. Majestäten haben Vorrang. Dafür genehmigen wir uns ausser Programm eine kleine, reizende Flussfahrt zu den Mangrovenwäldern, sehen statt Katzen ein paar kleine Krokodile. Ausflüge, eintägige oder mehrtägige, werden von Kuching aus in grosser Anzahl angeboten. Vor allem Naturliebhaber, Abenteurer oder Sportler werden angesprochen. Verschiedene Nationalparks mit ihrer üppigen Flora und Fauna sind innert weniger Stunden per Auto oder auf dem Flussweg zu erreichen. Trotz einigen gut ausgebauten (aber holprigen) Strassen bilden die Flüsse immer noch die Hauptverkehrswege im Land. In den Parks, oder auch in einem der Wildlife-Rehabilitationscentren lassen sich in 50/60m hohen Bäumen mit ein wenig Glück Orang-Utans (malaysisch für Waldmenschen, Orang = Mensch, Utan = Wald) beim schaukeln in den Wipfeln beobachten. Ebenfalls anzutreffen sind die allerdings sehr scheuen, aber witzig aussehenden Nasenaffen. Unzählige Orchideenarten blühen vor allem in der Regenzeit von Oktober bis März. Fleischfressende Pflanzen oder gar die grösste Blume der Welt, die Rafflesia, deren Blütendurchmesser bis zu einem Meter betragen kann, sind im Regenwald anzutreffen. In den Mangrovenwäldern trifft man auch ab und zu auf ein gefrässiges Krokodil. Um auf Nummer sicher zu gehen und ohne gross von der Strasse abzuweichen, bietet sich die Jong's Crocodile Farm an, nach 30 Minuten Autofahrt in südlicher Richtung zu erreichen. Dort sind Krokodile in tausendfacher Zahl zu beobachten, allerdings in Gefangenschaft und etliche davon später zu Handtaschen und Schuhen verarbeitet. Ein Höhepunkt der Reise nach Sarawak ist sicher ein mehrtägiger Ausflug nach Batang Ai. Dieser Nationalpark und der gleichnamige Stausee, liegt etwa 300km südöstlich von Kuching. Das dortige Batang Ai Hilton Resort ist nach einer ca. 4 stündigen Autofahrt und einem anschliessenden, kurzen Bootstransfer erreichbar. Das Fünfsterne Hotel mitten im Urwald und am Ufer des Stausees, wurde im August '95 eröffnet. Es ist im Stil eines Langhauses, aus Holz und vollumfänglich unter ökologischen Gesichtspunkten erbaut worden. So wurden etwa nur regionale Nutzhölzer verwendet. Kein Stück Holz stammt von einer gefährdeten Baumart. Praktisch alle Hotelmitarbeiter stammen aus der unmittelbaren Umgebung. Sie gehören zu dem Volksstamm der Iban, früher berüchtigte Kopfjäger und heute noch Bewohner der typischen Langhäuser. Diese Bevölkerungsgruppe ist die grösste in Sarawak und lebt in Gemeinschaft mit bis zu 30 Familien in diesen länglichen, auf Stelzen gebauten Holzhäusern. Das im selben Stil gebaute Hilton Resort bietet neben dem üblichen Luxus eine Fülle von Ausflügen in den Dschungel, Angeltouren auf dem See, Picknick bei einem Wasserfall, Besuch eines ursprünglichen Iban-Langhauses und vieles mehr an. Am späteren Nachmittag empfiehlt sich ein Dschungel-Walk, direkt vom Hotel aus. Zuerst gilt es ein Formular zu unterschreiben, indem wir bestätigen auf eigene Gefahr zu handeln. Im Falle, dass jemand vom Pfad abkommt und verschwindet, übernimmt das Hotel keine Verantwortung. Eventuelle Suchtrupps müssen von den eigenen Familienangehörigen beauftragt werden. Der uns begleitende Führer (Dschungel-Walk immer nur mit Guide!) verfügt über ausgezeichnete Dschungelkenntnisse, die von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Für das Überleben im Urwald genügt ein Messer, ohne, ist der Tod voraussehbar. Wir erhalten Einblick in die Flora und Fauna, welche Pflanzen liefern Trinkwasser, was kann man essen usw.. Der steile Weg treibt uns bald einmal den Schweiss aus den Poren. Eine 200m lange Hängebrücke, bestehend aus 30cm breiten Brettern, links und rechts auf Hüfthöhe ein Halteseil, sorgt für erste Adrenalinschübe. Da auch die 2cm grossen Waldameisen in Scharen die Seile zum überqueren der Schlucht benützen, ist auf eine Lücke zwischen den Ameisen zu achten, bevor man sich festhält. Ein langsames vorwärtskommen ist garantiert. Schliesslich, im wahrsten Sinne des Wortes, der Höhepunkt. Ein Holzplateau auf 60m Höhe in den Baumwipfeln. Erreichbar auf Holzleitern und Seilbrücken. Schwindelfreiheit ist Voraussetzung, sonst bleibt man besser unten. Der Aufstieg aber wird belohnt durch eine fantastische Weitsicht über das ganze Gebiet. Der Abstieg allerdings, vor allem mit meinen zweckmässigen Sandalen, ist ein anderes Thema. So lassen sich problemlos einige Tage an diesem Ort verbringen, nachts ist man allerdings auf die (gute) Hotelinfrastruktur angewiesen. Das Resort ist nur auf dem Seeweg erreichbar, daher völlig abgeschieden. Ein wunderbarer Ort ein wenig auszuspannen, abenteuerliche Trekkings zu buchen oder gar die Flitterwochen hier zu verbringen. Einige Eindrücke lassen sich vorab auf der hoteleigenen Internetseite www.batang.hilton.com sammeln. An der Damai Beach schliesslich, nördlich von Kuching, am südchinesischen Meer, lassen wir unsere erlebnisreiche Reise geruhsam ausklingen. Das Holiday Inn, zum Beispiel, bietet grosszügige Suiten an erhöhter Lage an. Jede Suite mit allem Luxus, Whirlpool, Terrasse mit wunderschöner Aussicht auf den Strand, zu vergleichbar günstigen Preisen, nämlich ca. 400 Ringgit pro Nacht. Auch die Chalets in einem grossen Garten verteilt, direkt am langen Sandstrand, sind überaus grosszügig bemessen. Durch die vielen Flüsse die ins Meer münden, ist das Wasser allerdings vielfach etwas trüb, sodass sich dieser Strand weniger für reine Badeferien eignet. In unmittelbarer Nähe des Hotels befindet sich das Sarawak Culturale Village, ein "Ballenberg" Borneos. Alle Kulturen Sarawaks sind hier mit ihren typischen Häusern vertreten. Es sind dies sieben Volkstämme (Bidayuh, Iban, Penan, Orang Ulu, Melanan, Malays und Chinese), die Einblick in ihre Kultur und Gebräuche gewähren. Zum Teil werden diese Häuser von mehreren Familien bewohnt. Ein lebendes Museum sozusagen. Am Abend tanzt man/frau in der Hoteldisco ab, oder besucht eines der diversen Seafoodrestaurants im Fischerdorf Buntal, nach 20 minütiger Autofahrt zu erreichen. Wieso nicht einmal den Gaumen mit getrockneten und weichgeklopften Tintenfischen, oder dieselben gar an einer sämig-klebrigen Käse-Mayonnaise Sauce, entzücken? Ihre Geschmacksnerven werden überrascht sein! Fazit : Sarawak hat viel zu bieten, die einheimische Bevölkerung ist sehr gastfreundlich, englisch wird praktisch überall verstanden, sodass es sich problemlos reisen lässt. Die Kriminalität ist sehr gering, gerade auch Individualtouristen, können sich aus dem grossen Angebot ein eigenes Package zusammen stellen. Negative Schlagzeilen, wie das bisher ungeklärte Verschwinden des Schweizer Umweltaktivisten Bruno Manser sowie die Entführung einer Reisegruppe durch philippinische Guerillakämpfer bewirkten einen Besucherrückgang von ca. 30%. Nach den Ereignissen von September 2001 erlitt die Provinz (und natürlich nicht nur diese) einen Einbruch von über 80%. Im Jahr 2002 bewegt sich die Besucherzahl wieder langsam aufwärts. Die touristische Entwicklung in Sarawak weisst ein jährliches Wachstum von ca. 10% auf. Im Jahr 2001 verzeichnete die Provinz 1.7 Mio. ausländische Besucher. Den Hauptanteil bilden Touristen aus asiatischen Ländern. Aus Europa haben nur gerade etwa 12'000 Reisende dorthin gefunden. Alle Touren werden von den ortsansässigen Touroperators (der grösste ist CPH Travels), oder durch Reisebüros in den Hotels angeboten, können aber auch bereits vor der Reise, bei Schweizer Reisebüros gebucht werden. Malaysia Airlines in Zürich bietet drei Flüge pro Woche mit modernsten Grossraumjets an und hilft gerne weiter. Im Vorfeld der Reise kann sich der/die Interessierte im deutschsprachigen Raum, auch vom Malaysia Tourism Board Office in Frankfurt, Infomaterial und Prospekte zuschicken lassen. Selamat datang di Sarawak Willkommen in Sarawak! INFOS : Flug : Malaysia Airlines Zürich Tel. 01/225.72.20 Prospekte, Unterlagen : Tourism Malaysia Board Office in Frankfurt Tel. 0049/69/28.37.82 Internet : www.sarawaktourism.com Hotel : Hilton Batang Ai Longhouse Resort www.batang.hilton.com Geld/Währung : Ringgit (Malaysia Dollar) 1 sFr. = ca. 2.35 Ringgit (Juni 02) Impfungen : keine vorgeschrieben. empfohlen wird evtl. Malariaprophylaxe Infos : Tropeninstitut Basel oder Impfinstitut Uniklinik Zürich Pass : muss min. 6 Monate über das Rückreisedatum gültig sein. Visum: für Schweizer Bürger keines erforderlich ORIGINAL | |||||||||||