| Gallery Zerlegung die 1. ![]() Das Auseinandernehmen geht meistens einfacher als das Zusammensetzen.
Cochrane - Puerto Montt 28.02.2002 (View count: 2860) So hatten wir also wieder einmal die Grenze nach Chile überschritten und somit auch die öde Pampa gegen die Berge und Seen der Caretera Austral getauscht.Wider Erwarten war das Wetter vorerst super und wir konnten die Fahrt richtig geniessen. Die Caretera Austral hat wirklich viel Eindrückliches zu bieten und die Fahrt gestaltete sich trotz zum Teil lausiger Piste echt zu Genuss. Ich musste immer wieder aufpassen vor lauter aus dem Fenster schauen nicht aus Versehen in den Graben oder die Böschung hinunter zu fahren. Corinne weckte mich dann zwischendurch mit Entsetzens-schreien wieder auf: „Wohin willst du denn!!??“ Oder es brauchte mal wieder ein Sondermanöver um einem selbstmörderischen Chilenen, der um die Kurve geschossen kam, auszuweichen. Am einem Morgen stellten wir ein kleines Leck am Heckdifferenzial fest. Das sah nicht tragisch aus und nach etwas Suchen hatten wir tatsächlich einen Automechaniker gefunden und der meinte nach kurzer Besichtigung :“No hay problema!“. Die Dichtung würde man von Hand schnitzen und das sei 100% dicht! Ich bestand jedoch darauf, präsent zu bleiben und die Arbeiten zu verfolgen… Es zeigte sich, dass der Chefmechaniker wirklich guten Willens war, jedoch weder dieses Modell noch überhaupt jemals einen Land Cruiser gesehen hatte (wohlgemerkt, es stand Toyota über der Garage). Ok, frisch die Werkstatthandbücher gezückt (jetzt hatte ich die Dinger schon mitgeschleppt, da konnte ich sie ja auch brauchen) und dann machten wir uns ans Werk. Das Differenzial war auch relativ schnell ausgebaut und der lokale Fachmann machte sich sodann ans Basteln der Dichtung. Die Ahnung von anfangs bestätigte sich dann leider kurz darauf. Während der Mechaniker an der Dichtung arbeitete, sah ich mir das Differenzial etwas an. Ich sah zwar so ein Teil das erste Mal, aber da ich ja vor langer Zeit einmal Maschinenmechaniker gelernt hatte, war es mir bald klar, das die Zahnräder nicht von Anfang an „Karies“ gehabt haben konnten… So ging es auf die Suche nach der Ursache an die Zerlegung des Differenzials… Die Ursache war dann auch bald gefunden und nach einigem Rätseln hatten wir das Differenzial auch soweit auseinander, dass die defekte Welle ausgebaut werden konnte. Eine Welle der Ausgleichsräder war gebrochen (Bild Welle unten ). So ein Teil war natürlich nicht lokal erhältlich und ich konnte mir ausmalen, dass wir wahrscheinlich mehrere Wochen hier am A… der Welt hängen würden bis das Teil aus Europa oder sonstwo hier eintreffen würde. So wurde ein lokaler Dreher mit dem Fertigen eines zumindest ähnlichen Teiles beauftragt (Bild Welle oben). Der Zusammenbau war ein Albtraum… im Handbuch gab’s ca. 10 verschiedene Einstellungen und Messungen, die vor dem Zusammenbau zu tätigen seien… ratet mal wieviele davon wir gemacht haben? Keine! Es waren halt weder Messuhr noch sonstige Instrumente vorhanden. Immerhin fand sich ein Drehmomentschlüssel! Also, Augen zu und zugeschraubt! Die Probefahrt war erfolgreich und so ging’s nach nur zwei Tagen Aufenthalt wieder weiter… … Die nächste Stadt, wo wir am ehesten Ersatzteile kriegen würden, war ja nur 1639 km (Santiago de Chile) entfernt, ein Katzensprung! Inzwischen hatte sich unser Kontingent an Wetterglück auch verbraucht, und „es hät grägnet…und grägnet…“ Vorbei an kleinen Dörfchen strebten wir nun auf der Flucht vor dem Regen und der Kälte Richtung Norden. Mit unserem Dachzelt und Infrastruktur sind wir auf Schönwetter eingestellt. Dauerregen und 10° Aussentemperatur laden nicht zum Campen ein! Je näher wir der Zivisilation kamen, um so wilder und naturbelassener wurde die Caretera Austral. Dieser Teil der Strecke wurde zuletzt gebaut und ausserdem hat sich eine private Organisation den Schutz des Waldes zum Ziel gesetzt… … Das Resultat ist eindrücklich, keine Rodungen und keine Viehzucht, sondern einfach nur Natur… Da wegen des Sturmes die Fähre von Chaiten auf die Insel Chiloe bis auf Weiteres nicht fahren würde, änderten wir unseren Plan und folgten der Carretera Austral weiter bis zu ihrem Ausgangspunkt Puerto Montt. Das hiess aber auch, dass wir am nächsten Morgen um 5 Uhr früh losfahren mussten, um die Fähre für die nächste Etappe erwischen zu können. Es folgte ein echt fröhlicher Tag, aufstehen in aller Herrgottsfrühe, eine oberlausige Piste bei Dunkelheit und Vollpisse war echt spannend. Corinne hat sich noch nie so gut festgehalten und die Zusatzscheinwerfer gaben ihr Bestes, auch wenn’s nicht viel half… Wir erreichten die Fährrampe und wider Erwarten fuhr diese tatsächlich und erst noch pünktlich! Welch gute Idee, früh aufzustehen, die letzten Fahrzeuge hatten auf der Fähre keinen Platz mehr…Das hiess dann für diese Autos: Morgen nochmal versuchen, es gibt nur eine Fahrt pro Tag! Die Fahrt war relativ harmlos und langweilig (6 Stunden ohne irgenwelchen Service an Bord…) und da sich diese Fähre nicht aufs offene Meer hinauswagte und im Schutz der Küste blieb, behielt Corinne auch alles im Magen… Wir erwischten auch noch die 2. Fähre und erreichten Puerto Montt am selben Tag, nachdem wir die vorerst letzte Schotterpiste (die lausigste bis jetzt) hinter uns gebracht hatten. Ich hätte gewettet, dass wir noch alle Räder verlieren würden, so hat es geschüttelt. Seit Ushuaia haben wir weitere 4‘014 km zurückgelegt und dies, bis auf sehr wenige und leider kurze Ausnahmen, alles auf Schotterpiste. Die neuen Hinterreifen haben sich perfekt gehalten, (nur 1 Plattfuss seither und dieser wegen eines Nagels) wobei wir inzwischen auch den optimalen Reifendruck für dieses Gelände gefunden haben. Das Auto hat sich auch relativ gut gehalten und ist nicht, wie bei den schlechten Pisten eigentlich zu erwarten wäre, auseinandergebrochen. Die oben erwähnte Panne mit dem Differenzial trübt das Bild halt etwas. Ich denke, ein Auto hat hier in der Gegend eh eine sehr kurze Lebenserwartung… Nun hoffen wir, dass das Wetter wieder mal besser wird um dann den nächsten Abschnitt in Angriff zu nehmen… ORIGINAL | |||||||||||